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Am 6. September wäre Franz Josef Strauß 100 Jahre alt geworden.

Vorabdruck

Neue Strauß-Biografie: Exklusiver Vorabdruck zum Nachlesen

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München - Der ehemalige Leiter des Münchner Instituts für Zeitgeschichte, Horst Möller, hat die erste quellengesättigte Biografie über Franz Josef Strauß geschrieben. Sie ist ab Montag im Handel. Vorab drucken wir in vier Teilen Auszüge.

Franz Josef Strauß – fast hatte es den Anschein, als sei der 1988 verstorbene Urahn der CSU in der Partei zu so etwas wie einer persona non grata geworden. Zu viele Skandale, zu viele finanzielle Ungereimtheiten standen da im Raum – und dann musste Strauß-Sohn Max auch noch einen langen Prozess im Zuge der Schreiber-Affäre durchstehen (er endete mit einem Freispruch), während Strauß-Tochter Monika 2005 über eine CSU-Affäre stolperte. War es da ein Wunder, dass Günther Beckstein in seinem kurzen Intermezzo als Ministerpräsident die Strauß-Büste aus seinem Büro schmiss und für die einstige Sozialministerin Christine Haderthauer FJS definitiv „kein Vorbild“ mehr war?

Keine guten Jahre waren das für die Strauß-Familie, aber das ist wohl Geschichte. Die CSU hat lange mit Strauß gehadert, jetzt versöhnt sie sich wieder mit dem Übervater der Partei. „Wir freuen uns, dass er ein Revival hat“, sagt Strauß-Sohn Franz Georg. Er sieht ein „Grundbedürfnis nach Politikern, die bedingungslos zur Sache stehen“. Daran mangele es doch, sagt Franz Georg Strauß. „Es fehlt uns ein Strauß, ein Schmidt, ein Wehner.“

Das erklärt vielleicht, warum die CSU zum 100. Geburtstag am 6. September ein wahres Feuerwerk an Veranstaltungen abschießen will. Geplant ist eine „hochrangig besetzte Veranstaltung“ in München, zu der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet wird, bestätigt ein Parteisprecher. Festredner ist der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber, einst einer der treuesten Gefährten von Strauß. Am 10. September gibt die CSU-Landesgruppe in Berlin einen Empfang, es spricht Theo Waigel. In Rott am Inn, wo Strauß in einer Familiengruft beigesetzt ist, gibt es am 6. September einen Gedenkgottesdienst – anschließend Empfang für Parteimitglieder. Die CSU-Werbeabteilung hat FJS-Devotionalien ins Sortiment genommen – von der pechschwarzen FJS-Tasse bis hin zu Briefmarken. FJS sei wieder „Kult“, heißt es. Und die Hanns-Seidel-Stiftung hat eine Veranstaltungsreihe begonnen – Strauß als „Staatsmann und Freund“, Strauß als Außenpolitiker, Strauß als Modernisierer – kurzum: FJS in allen Lebenslagen. Passend zum Geburtstag erscheint aus der Feder von Horst Möller, langjähriger Leiter des Instituts für Zeitgeschichte, auch die erste fundierte Biografie. 830 Seiten stark – unsere Zeitung veröffentlicht exklusiv Auszüge. Wir verlosen fünf Exemplare des Buchers. Das Gewinnspiel finden Sie unten.

Es gibt derzeit nur noch wenige Strauß-Kritiker. Einer davon ist der Buchautor Wilhelm Schlötterer („Macht und Missbrauch“), gegen den die Familie Strauß unter anderem wegen eines Streits um die Höhe des finanziellen Erbes von FJS etliche Prozesse angestrengt hat – wie es derzeit aussieht, mit Erfolg. Schon zuvor nagten langwierige Prozesse gegen „Spiegel“ und „Stern“ an den Nerven der Familie. Bei diesen Auseinandersetzungen habe sich die CSU immer vornehm zurückgehalten, ärgert sich Franz Georg Strauß. „Den Kampf hat man schon uns allein überlassen.“

Im Merkur: Vorabdruck aus ,Franz Josef Strauß. Herrscher und Rebell’

Eine politische Biographie über Franz Josef Strauß war lange überfällig. Jetzt, 27 Jahre nach dem Tod des langjährigen CSU-Vorsitzenden, Atom-, Verteidigungs- und Finanzministers sowie bayerischen Ministerpräsidenten, erscheint sie endlich. Der Historiker Horst Möller, der von 1992 bis 2011 das Institut für Zeitgeschichte in München leitete, hatte aufgrund einer Einigung mit der Familie unbegrenzten Zugang zum Nachlass, der nicht weniger als 300 Regalmeter umfasst. Er wird in der Hanns-Seidel-Stiftung verwahrt. Außerdem konnte er persönliche Handakten von Helmut Kohl auswerten und den engen Wegbegleiter und faktischen Gegenspieler von FJS auch persönlich befragen.

Möller, das gewiss, ist ein konservativ denkender Historiker, der aber Abstand zur Person bewahrt. Er schreibt exzellent und verwebt Strauß vortrefflich mit 40 Jahren bundesrepublikanischer Geschichte. Er verschweigt nichts, wartet aber nicht mit neuen, ach so beliebten Enthüllungsstorys auf oder einer Schlüssellochperspektive. Herausgekommen ist eine profunde, wohl lange Jahre Maßstäbe setzende politische Biografie. „Seine bis heute anhaltende Umstrittenheit, die heftige Polemik auf sich zog, der er sich stets bediente, macht ihn bis heute interessant“, schreibt Möller im Vorwort über Strauß. „Dazu zählt seine Vorliebe, inhaltlich unmissverständlich Position zu beziehen, Konfrontation dem Konsens vorzuziehen und seine barock anmutende Lebensweise nicht einem glatt gebügelten Image unterzuordnen.“

Einen wie Strauß, so viel ist klar, gibt es heute nicht mehr in der Politik. Ob es ihn bräuchte – dazu muss sich jeder selbst ein Urteil bilden. Wir beginnen in der Samstagsausgabe mit einem Abdruck von Auszügen aus dem Werk von Horst Möller in vier Teilen.

Vorabdruck in vier Teilen:

Teil 1 des Vorabdrucks finden Sie hier als pdf-Dokument: Teil 1

Teil 2 des Vorabdrucks finden Sie hier als pdf-Dokument Teil 2

Teil 3 des Vorabdrucks finden sie hier als pdf-Dokument Teil3

Teil 4 des Vorabdrucks finden Sie hier ald pdf-Dokument Teil 4

Das Buch können Sie auch in unserem Heimatshop kaufen.

Aufruf an unsere Leser

Haben Sie Franz Josef Strauß persönlich kennen gelernt? Erinnern Sie sich an spektakuläre Auftritte, an persönliche Gespräche, an lustige Anekdoten mit FJS? Schreiben Sie uns, schicken Sie uns gerne auch historische Fotos oder Filme.

Kontakt:

Dirk.Walter@merkur.de

oder

Münchner Merkur, z.Hd. D. Walter, Paul-Heyse-Str. 2-4, 80336 München

Sie können Ihre Erinnerungen an Franz Josef Strauß auch über unser Leserreporter-Formular einschicken

Von Dirk Walter

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