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Über die Schulter schaut Fürstenfeldbrucks Caritas-Chefin Claudia Ramminger „Fenster“-Köchin Petra Nuscheler

Jubiläumsfeier des katholischen Wohlfahrtsverbands

100 Jahre Caritasverband in Bayern: Krisenhelfer in allen Lebenslagen

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Der Landesverband der Caritas feiert sein 100. Gründungsjubiläum. Seit 1917 hat sich viel getan. Caritas – zu Deutsch „Mildtätigkeit“ – praktiziert die katholische Wohlfahrt in fast allen Lebensbereichen.

Fürstenfeldbruck/München – Ein warmer Sommerwind zieht durch die offene Eingangstür ins Brucker Fenster. Zwischen Bücherregalen und einem Ladensortiment aus Kaffee, Knabbereien, Kunsthandwerk und Kosmetikartikeln sitzen die Mittagsgäste an hellen Holztischen und löffeln Gulasch und Gemüsesuppe. Das Brucker Fenster ist kein verglastes Loch in einer Wand. Sondern viel mehr.

Mitten in der Innenstadt von Fürstenfeldbruck ist es Bistro, Eine-Welt- und Gebrauchtbuch-Laden in einem. Und: „Ein Fenster, das Einblick in die Arbeit der Caritas gibt“, sagt Claudia Ramminger. Sie leitet das Caritas-Zentrum in Fürstenfeldbruck, zu dem auch das Brucker Fenster gehört. Der Laden hat neben fünf Ehrenamtlichen rund 40 Mitarbeiter, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben – wie Menschen mit psychischen Erkrankungen, Langzeit-Arbeitslose oder Flüchtlinge. „Sie können sich hier ausprobieren und weiterentwickeln“, sagt „Fenster“-Chefin Oona Moths. Das Prinzip zeigt eine Entwicklung, die der katholische Wohlfahrtsverband durchlaufen hat: weg von abgeschirmten Pflege- und Betreuungsheimen und hinein ins „echte Leben“.

Als sich 1917, noch während des Ersten Weltkriegs, die sozialen Einrichtungen aus den sieben Erzdiözesen zum „Katholischen Caritasverband für das Königreich Bayern“ zusammenschlossen, war das noch anders. „Kinderbewahranstalten“, Armenhäuser, Behindertenheime und ambulante Einrichtungen wie die „Trinkerfürsorge“ arbeiteten meist ohne Kontakt nebeneinander her. Um die „kirchliche Liebtätigkeit“ besser zu koordinieren, schlossen sich die rund 1700 lokalen Verbände und Einrichtungen zusammen. Mit einer Unterbrechung: Nach dem Ende des Bayerischen Königreichs obsolet geworden, löste sich der Verband 1924 vorübergehend auf. Es dauerte bis 1951, bis der Bayerische Caritasverband in seiner heutigen Struktur wiedergegründet wurde. Was aber nicht heißt, dass die bayerische Caritas in dieser Zeit untätig war. Die Diözesanverbände im Freistaat unterstanden bis zur Neugründung schlicht dem Deutschen Caritasverband.

Schmökern: Doulel Babou und „Fenster“-Leiterin Oona Moths.

Seit der Nachkriegszeit sind die Aufgaben der katholischen Wohlfahrt gewaltig angewachsen: In ihren Landkreis-Zentren wie dem in Fürstenfeldbruck berät und betreut die Caritas Verschuldete, Obdachlose, Süchtige, Migranten, Menschen mit Behinderung und körperlichen wie seelischen Erkrankungen, Kinder, Jugendliche, Eltern und Senioren. Alle, die Rat oder Hilfe gebrauchen können. Allein der Diözesanverband München-Freising beschäftigt in 1397 Einrichtungen fast 30 000 Mitarbeiter, insgesamt hat die Caritas in Bayern rund 115 000 Beschäftigte.

Unter deren Aufgaben hat der Landes-Caritas-Direktor Bernhard Piendl vor allem drei Topthemen ausgemacht: Migration samt Integration, die Inklusion von Menschen mit Behinderung sowie den demografischen Wandel. „Die Menschen werden, Gott sei Dank, immer älter. Das ist sehr erfreulich. Damit steigt aber auch die Zahl derer, die im Alter auf Hilfe angewiesen sind“, sagt Piendl.

Auch beim feierlichen Festakt heute in München mit Kardinal Reinhard Marx und Ministerpräsident Horst Seehofer werden diese Herausforderungen trotz Feierstimmung präsent sein. Auch nach einem Jahrhundert Dienst am Menschen – die Caritas wird weiter gebraucht.

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