10.000 Schulabsteiger in Bayern

München - Eine Studie kritisiert: Die deutschen Bildungssysteme sind kaum durchlässiger oder gerechter geworden - auch nicht in Bayern.

Trotz vieler Bemühungen sind die Schulsysteme in Deutschland einer Studie zufolge kaum durchlässiger geworden. Auf einen Mittelstufen-Schüler, der in Deutschland auf eine höhere Schulart wechseln kann, kommen im Schnitt vier, die von einer höheren zu einer niedrigeren Schulart gehen müssen. Auch in Bayern gibt es bei weitem mehr Schulab- als Schulaufsteiger: Zuletzt wechselten 10 120 Schüler vom Gymnasium auf die Realschule bzw. von der Realschule auf die Mittelstufe, ergab der diesjährige „Chancen-Spiegel“ der Bertelsmann-Stiftung. Im gleichen untersuchten Schuljahr 2011/12 schafften dagegen nur 4168 Schüler den Sprung auf eine höhere Schulart. Damit ergibt sich ein Verhältnis von 1:2,4. In den Vorjahren lag das Verhältnis bei 1:2,2, es hat sich also kaum verändert. Berücksichtigt wurden Schüler der 7. bis 9. Klassen. Die Zahlen sind deshalb besonders auffällig, weil CSU und FDP das dreigliedrige Schulsystem auch mit dem Hinweis verteidigen, es sei nach oben hin durchlässig.

Allerdings ist Bayern im Vergleich betrachtet die Regel, nicht die Ausnahme. „Nach wie vor gibt es in keinem Land ein ausgewogenes Verhältnis, geschweige denn mehr Aufstiegswechsel“, monieren die Autoren der Studie, darunter Schulforscher Wilfried Bos von der Technischen Universität Dortmund. Insgesamt betrachtet fiel das Zeugnis für Bayerns Schulen mittelmäßig aus. In der Wissensvermittlung sind sie nach Einschätzung der Bertelsmann-Stiftung sehr gut. Bei den anderen drei Kriterien „Integrationskraft“, „Durchlässigkeit“ und „Zertifikatsvergabe“ landete der Freistaat im Mittelfeld.

Bayerns Schulsystem sei weiter ungerecht, kritisierte SPD-Experte Martin Güll. Die Regierung habe vom Recht auf einen Ganztagsschulplatz bis hin zur Abschaffung des Sitzenbleibens „alles abgelehnt, womit man das bayerische Schulsystem hätte gerechter machen können“. Anders die Interpretation von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU): Bayern habe zuletzt „die Durchlässigkeit deutlich verstärkt“.

dw

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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