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Die Pille verschafften Eltern ihrer 13-jährigen Tochter, damit sie mit ihrem 16-jährigen Freund Sex haben konnte.

Sie bekam die Pille

13-Jährige hatte Sex: Eltern vor Gericht

Viechtach – Die Eltern einer 13-Jährigen müssen eine Geldauflage von 3000 Euro zahlen, weil sie nicht verhindert haben, dass ihre Tochter mit ihrem 16 Jahre alten Freund geschlafen hat.

Sie haben ihr bei einer Frauenärztin die Pille verschreiben lassen – und sich damit strafbar gemacht.

Auf einem Fest hatte eine 13-Jährige aus dem Landkreis Regen im Sommer 2011 einen 16-Jährigen kennengelernt und sich in ihn verliebt. Ein halbes Jahr später vertraute sie sich ihrer Mutter an. Sie sagte ihr, dass sie bereit sei, mit ihrem Freund zu schlafen. Die Mutter versuchte sie zu überreden, damit noch etwas zu warten – doch sie sei machtlos gewesen, sagt sie. Sie bekam Angst, ihre Tochter zu verlieren, wenn sie es ihr verbieten würde. Also ging sie mit dem Mädchen zu einer Frauenärztin, um sich beraten zu lassen. Die Ärztin riet den Eltern dazu, offen mit dem Thema umzugehen und verschrieb der körperlich weit entwickelten 13-Jährigen die Pille.

Nun, zweieinhalb Jahre später, schilderte die Mutter all das vor dem Amtsgericht Viechtach. Denn die Eltern des Mädchens haben sich strafbar gemacht, weil sie nicht verhindert haben, dass ihre 13-jährige Tochter Geschlechtsverkehr hat. Sie mussten sich wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch verantworten. Der Fall war der Staatsanwaltschaft Deggendorf bekannt geworden, als das Mädchen in einem anderen Prozess als Zeugin aussagte.

Die Mutter der 13-Jährigen aus Regen versicherte laut einem Bericht der Passauer Neuen Presse vor Gericht, sie hätte den Beratungstermin für ihre Tochter zu deren Wohl vereinbart. Weder ihr noch ihrem Mann sei klar gewesen, dass sie sich strafbar machen. Das hielt die Jugendrichterin dem Paar zugute. Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage von 3000 Euro eingestellt. Die Eltern sind damit nicht vorbestraft.

In Deutschland ist Sex von Minderjährigen unter 14 Jahren strafbar – selbst wenn er einvernehmlich geschieht. Ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung haben Jugendliche laut Gesetz erst ab 14 Jahren. Vorher müssen es die Eltern verbieten – sobald sie einen Verdacht haben, dass ihre Kinder sexuell aktiv werden, sagt der Münchner Rechtsanwalt Michael Leske, der sich auf Sexualstrafrecht spezialisiert hat. „Die Eltern der 13-Jährigen haben gewaltig Glück gehabt, dass sie mit einer Geldauflage davon gekommen sind“, sagt er. Denn auf Beihilfe zum sexuellen Missbrauch steht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren. „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“, sagt Leske. Spätestens die Frauenärztin hätte die Eltern aufklären müssen, dass sie sich strafbar machen. Und sowohl sie als auch der 16-jährige Freund müssten wahrscheinlich ebenfalls mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, glaubt Leske.

Der Sexualpädagoge Sebastian Kempf hat den Fall in Niederbayern verfolgt. Er spricht in Schulen regelmäßig mit Jugendlichen. Und er ist Berater bei pro familia in München. Und bisher ist es die Ausnahme, dass sich Eltern einen Rat holen, weil sie vermuten, dass ihre Kinder schon vor dem 15. Lebensjahr Geschlechtsverkehr haben, berichtet er. Eine aktuelle Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat ergeben, dass Jugendliche tendenziell später sexuell aktiv werden, sagt Kempf. Sieben Prozent der Mädchen und vier Prozent der Jungen hatten mit 14 Jahren schon Geschlechtsverkehr. Bei einer Befragung vier Jahre zuvor waren es zwölf Prozent der Mädchen und zehn Prozent der Jungen. „Jugendliche kommen früher in die Pubertät“, sagt Kempf. „Sie sind körperlich früher reif – aber das bedeutet nicht automatisch, dass sie auch früher Sex haben. Und je besser sie aufgeklärt sind, desto später fangen sie an.“ Kempfs Rat an Eltern ist deshalb: Fragen so früh wie möglich ehrlich beantworten und den Kindern signalisieren, dass mit ihnen über das Thema gesprochen werden kann. In der konkreten Situation in Niederbayern hätte die Mutter ihre Ängste aussprechen müssen, sagt er. „Sie hätte der Tochter erklären müssen, welche rechtlichen Konsequenzen es für die Eltern und den Freund hat, wenn sie schon mit 13 Sex hat. Vielleicht hätte die Tochter dann noch ein paar Monate gewartet.“

Katrin Woitsch

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