Polizei in Bayern rüstet auf - 1300 Neueinstellungen

München - Nach jahrelangen Einsparungen soll die bayerische Polizei wieder verstärkt werden. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte 1300 Neueinstellungen für das kommende Jahr an.

Die Polizei in Bayern wird in den kommenden Jahren aufgestockt. Allein im kommenden Jahr sollen 1300 Polizisten neu eingestellt werden, kündigte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag in München an. “Insgesamt wird die bayerische Polizei Ende 2012 über 1750 mehr Beamte verfügen als Ende 2008“, sagte Herrmann. Dann erreiche die Stellenzahl bei der bayerischen Polizei mit rund 39 000 einen neuen Höchststand. Zum Teil trägt dazu auch die Verkürzung der Arbeitszeiten von 42 auf 40 Stunden pro Woche bei, durch die hunderte neue Stellen entstehen.

Die SPD warf Herrmann vor, die tatsächliche Personallage der bayerischen Polizei zu verzerren. Tausende der Polizisten seien noch in Ausbildung und daher für die Bürger nicht verfügbar, kritisierte der sicherheitspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Harald Schneider. “Ich kenne in Bayern fast 100 Dienststellen, in denen zur Nachtzeit nur drei Beamte Dienst verrichten.“

Die Freien Wähler sprachen von einer Beruhigungspille. Seit Jahren sei der Hilferuf der Polizei nach dringend nötigen Neueinstellungen unüberhörbar, aber bis heute habe die Staatsregierung die Lage nur schöngeredet, sagte der Vorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger. Die Deutsche Polizeigewerkschaft forderte mehr Kontinuität bei den Einstellungen. “Letztmals wurde als Reaktion auf die Terroranschläge des 11. September 2001 mehr Polizeinachwuchs eingestellt“, sagte Hermann Benker, der bayerische Landesvorsitzende. Unter dem Sparzwang sei diese Zahl in den Jahren darauf auf nicht einmal 400 Neueinstellungen jährlich gesunken. “Dieses ständige Auf und Ab bei den Neueinstellungen - je nach Kassen- und Bedrohungslage ­ ist kontraproduktiv.“

Im laufenden Jahr ist die Zahl der Straftaten in Bayern weiter rückläufig. Einem ersten Trend zufolge könne für 2010 mit einem Minus von rund zwei Prozent gerechnet werden, sagte Herrmann. “Bayern ist und bleibt das sicherste Bundesland.“ Die meisten Täter werden erwischt: Die Aufklärungsquote könne im Gesamtjahr bei mehr als 64 Prozent liegen und damit etwas höher als im Vorjahr. Die genauen Zahlen sollen im Frühjahr vorgestellt werden. Auch bei der Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle rechnet Herrmann mit einem deutlichen Rückgang von bis zu zehn Prozent.

Probleme bei der Besetzung der neuen Arbeitsplätze bei der Polizei erwartet Herrmann nicht. Im Schnitt bewerben sich pro Stelle fünf Interessenten. “Das zeigt, dass der Polizeiberuf in Bayern nach wie vor attraktiv ist.“ Auch immer mehr Frauen interessieren sich für eine Arbeit bei der Polizei: Inzwischen sind rund 30 Prozent der Polizeibeamten weiblich.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Haftbefehl, Drogen, kein Führerschein: diese Verkehrskontrolle hat sich gelohnt
Die Polizei kontrolliert einen unter Drogen stehenden Mann - sein Wagen ist nicht zugelassen, er hat keinen Führerschein. Dafür einen laufenden Haftbefehl. 
Haftbefehl, Drogen, kein Führerschein: diese Verkehrskontrolle hat sich gelohnt
Arbeiter gerät in Papierfabrik in Brand
Bei einem Betriebsunfall in einer Papierfabrik in Stockstadt am Main (Landkreis Aschaffenburg) hat ein Arbeiter lebensgefährliche Brandwunden erlitten.
Arbeiter gerät in Papierfabrik in Brand
Gefahrgutunfall: Fahrer greift zu Trinkflasche
Ein Lastwagenfahrer ist abgelenkt, weil er zur Trinkflasche greift und prallt auf einen Tanklaster - der mit 22 Tonnen Aceton beladen ist. Die Bergung dauert über drei …
Gefahrgutunfall: Fahrer greift zu Trinkflasche
Streit um Radeln im Wald: Wann ist ein Weg ein Weg?
Das Grundgesetz legt fest: „Eigentum verpflichtet.“ Dies gilt auch für Waldbesitzer, die Spaziergänger und Radfahrer nicht einfach aussperren dürfen. Doch wo genau …
Streit um Radeln im Wald: Wann ist ein Weg ein Weg?

Kommentare