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Einen schrecklichen Unfall hat es in Nürnberg nahe des "Rock im Park"-Geländes gegeben. Eine Inlineskaterin ist dabei getötet worden.

Schwester musste zusehen

Raser tötet Inline-Skaterin: 27-Jähriger fuhr Tempo 150

Nürnberg  - Unglaublich: Nach Zeugenangaben war der Raser, der eine 27-Jährige getötet hat, mit Tempo 150 in Nürnberg auf einer alten NS-Aufmarschstrecke unterwegs.

Diese Tat wird immer unfassbarer: Nach dem tragischen Unfalltod einer jungen Skaterin in Nürnberg haben sich Hinweise verdichtet, dass der inzwischen inhaftierte Raser die alte NS-Aufmarschstraße als illegale Rennstrecke nutzte. Zeugen hätten den Ermittlern berichtet, der Autofahrer sei die sogenannte Große Straße mehrfach auf- und abgefahren. Dabei habe er seinen Wagen auf mindestens Tempo 150 beschleunigt, berichtete eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Freitag. Auf der früheren NS-Aufmarschstraße ist maximal Tempo 50 erlaubt.

Die Sprecherin der Anklagebehörde stellte aber zugleich klar: „Es ist nicht erwiesen, dass der Mann die Große Straße auch zum Unfallzeitzeitpunkt mit diesem Tempo befuhr. Zeugen haben aber berichtet, dass der Mann die Große Straße mehrfach auf- und abfuhr und dabei seinen Wagen jedes Mal stark beschleunigt hat.“ Auch lägen die Analysen des Unfallgutachters zur Höhe des Tempos noch nicht vor.

Die Stadt Nürnberg reagierte unterdessen mit Betroffenheit auf den Tod der 18-Jährigen. Bürgermeister Christian Vogel (SPD) kündigte am Freitag eine Überprüfung der Sicherheitslage auf der Großen Straße an. Er werde in der kommenden Woche zusammen mit Vertretern der Polizei, des Ordnungsamtes, städtischen Verkehrsplanern und Ordnungskräften mögliche Konsequenzen aus dem Unfall erörtern. Da die direkt ans Messegelände angrenzende Große Straße als Parkplatz genutzt wird, ist eine Sperrung der 60 Meter breiten Betontrasse für Autos allerdings nur schwer möglich.

Der Mann hatte am Mittwoch auf dem früheren NS-Reichsparteitagsgelände eine 18 Jahre Skaterin angefahren und dabei tödlich verletzt. Ein Haftrichter erließ noch am Donnerstagnachmittag Haftbefehl wegen fahrlässiger Tötung.

Zusammen mit ihrer Schwester wollte die 18-Jährige am Mittwochabend eine in der NS-Zeit entstandene breite Aufmarschstraße in der Nähe des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes überqueren. Dort fahren normalerweise nur wenige Autos, viele Freizeitsportler nutzen die Strecke.

Die 18-Jährige wurde von dem Wagen erfasst und etwa 50 Meter weit geschleudert. Sie starb trotz der Wiederbelebungsversuche der Rettungskräfte noch an der Unfallstelle. Das Auto des Unfallfahrers wurde zunächst nach links gegen Palettenstapel geschleudert und von dort nach rechts gegen eine Bordsteinkante. Der Wagen überschlug sich und blieb mit Totalschaden auf den Rädern stehen. Die Feuerwehr holte den eingeklemmten Fahrer heraus, der nur leicht verletzt wurde.

Das Auto war nicht zugelassen und der Mann sollte nach einem Gerichtsurteil seinen Führerschein abgeben. Bereits am Donnerstagnachmittag wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Donnerstag sagte, muss der Mann wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung in Untersuchungshaft. Der Beschuldigte habe sich vor dem Haftrichter nicht zu dem Unfall geäußert.

Inlineskaterin stirbt in Nürnberg

Inlineskaterin stirbt bei Unfall in Nürnberg

Die Schwester der 18-Jährigen blieb körperlich unverletzt. Sie wurde von Notfallseelsorgern betreut - ebenso wie etliche Zeugen, die den Unfall sahen.

Am Unfallauto waren Kennzeichen eines anderen Wagens angebracht, der dem 27-Jährigen gehört. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der Mann im Februar wegen Verkehrsdelikten, Körperverletzung und Widerstands gegen Beamte zu einem Jahr und einem Monat Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Außerdem hätte er seine Fahrerlaubnis abgeben sollen. Das Urteil war aber noch nicht rechtskräftig.

dpa

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