2000 Jahre alte Eichen entdeckt

Waging am See - Geologischer Glücksfall: In einem Moor sind mehrere 2000 Jahre alte Eichen entdeckt worden. Die Anordnung und der Zustand der Bäume liefert Experten eine wichtige Information.

Es muss ein gewaltiger Sturm gewesen sein: Der Geologe Roland Eichhorn glaubt eher an einen Orkan, der vor 2000 Jahren nahe dem Chiemsee tobte. Als Beweis dienen ihm drei uralte Eichen. Der Chef-Geologe beim Landesamt für Umwelt (LfU) gerät beim Anblick der schwarzverfärbten Stämme ins Schwärmen. „Es ist ein geologischer Glücksfall, dass die Baumstämme in ein nacheiszeitliches Moor kippten und so an Ort und Stelle über Jahrtausende praktisch unversehrt erhalten blieben.“ Am Mittwoch stellte seine Behörde die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung in Waging am See vor.

Der Fund der bestens erhaltenen bis zu sechs Meter langen und 70 Zentimeter dicken Eichenstämme erlaube, „einen Tag im Leben unserer Vorfahren vor 2000 Jahren in die Gegenwart zu holen“. Eichhorn ist sich sicher, dass damals rund um Grabenstätt (Landkreis Traunstein) ein Orkan tobte, der es leicht mit dem Orkan Kyrill aufnehmen kann. Der Sturm forderte im Januar 2007 in Europa einige Dutzend Menschenleben.

Mooreichen sind in der Mitte gesplittert

Vor 2000 Jahren war die Chiemsee-Region von Kelten und Römern besiedelt. Eichhorn will sich zwar nicht an Spekulationen beteiligen, ob der Orkan schon damals Menschenleben kostete. Doch immerhin sei der Wind mit bis zu 170 Stundenkilometern über das Gebiet gefegt und dürfte unseren Vorfahren erheblich zu schaffen gemacht haben. „Bei weniger Wind bricht eine Eiche nicht auseinander“, erläuterte er.

Tatsächlich sind die Mooreichen in der Mitte gesplittert. „Das zeugt von der Urgewalt des Orkans.“ Dafür spricht auch, dass die Stämme nur in eine Richtung fielen. Hätte es dort vor 2000 Jahren keine Eichen gegeben, wäre der Nachweis eines Orkans indessen nicht möglich. „Buchen und andere Hölzer vermodern im Moor“, sagt Eichhorn. Eichen würden dort hingegen konserviert.

Landwirt kann sich auf satten Ertrag bei Versteigerung freuen

Ein Bauer entdeckte die uralten Mooreichen bei Arbeiten auf seinem Feld im vergangenen Herbst. Sofort war ihm klar, welch seltenen Schatz er gefunden hatte. Mit modernen Methoden konnte das Alter von zwei der drei Stämme genau festgelegt werden. Demnach sind sie auf 96 bzw. 106 Jahre vor Christus zu datieren. Bevor sie umstürzten, wurden sie rund 200 Jahre alt.

Der Landwirt kann über die geologische Bedeutung des Fundes hinaus auf einen satten Ertrag seiner Hölzer hoffen. Die Stämme gelten als besonders edel und werden demnächst als Wertholz versteigert. Sie dienen als Furnier, zur Möbelherstellung oder für Schmuckstücke. Der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Traunstein, Bernhard Kurz, sagt „Für den Festmeter ist durchaus ein vierstelliger Euro-Betrag zu erzielen.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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