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Ein Mitarbeiter der Sicherheitswacht im Englischen Garten in München: Die ehrenamtlichen Helfer können bei Ärger per Funk die Polizei rufen.

2000 zusätzliche Augen

Die Staatsregierung will künftig mehr Bürger auf Streife schicken. Doppelt so groß soll die freiwillige „Sicherheitswacht“ werden. In Freising gibt es sie schon seit Jahren, die „SiWa“. Doch was kann sie wirklich leisten? Und was nicht?

Hilfssheriffs, Rambos, Wichtigtuer, Hitzköpfe – Innenminister Joachim Herrmann (CSU) findet viele Worte für das, was er nicht will. Was er will, das sind rund 500 neue Ehrenamtliche, die auf Streife gehen, Platzverweise aussprechen, Straftäter im Notfall festhalten und die Polizei alarmieren.

Neue Helfer für Sicherheitswacht

Die „Sicherheitswacht“ soll von heute 538 Helfer auf bald 1000 ausgebaut werden. Ein ambitioniertes Ziel. Künftig sollen auch kleine Kommunen mit weniger als 20 000 Einwohnern eine „SiWa“ aufbauen dürfen. Der Beschluss steht allerdings – auf Drängen der FDP – unter Haushaltsvorbehalt. Das bedeutet, dass der Plan nur dann umgesetzt wird, wenn genug Geld in der Staatskasse ist. Die Kosten von rund 750 000 Euro hätte der Minister besser für neue Stellen bei der Polizei ausgeben sollen, wettert sofort die SPD.

Die Idee, Bürger auf Streife zu schicken, ist nicht neu. In Ingolstadt gibt es seit 1994 eine SiWa. Die Ehrenamtlichen sollen vor allem das Sicherheitsgefühl stärken, präsent sein, das Gespräch suchen – und im Notfall per Funk die Polizei rufen. Sie arbeiten eng mit der Staatsmacht zusammen, werden von den Beamten geschult und betreut. Gerhard Steibel hat jahrelang Erfahrung mit den SiWas, war in Freising für die Truppe verantwortlich, bis er in Moosburg stellvertretender Direktionsleiter wurde. Er erinnert sich: „Wir haben ’97 damit angefangen.

Damals mussten wir ziemlich die Werbetrommel rühren, um genug Bewerber zu bekommen.“ Nicht jeder passt für den Job. Man braucht eine weiße Weste, muss vernünftig und umsichtig sein – kein Haudegen eben. Nicht alle machen das aus reinem Idealismus, sagt Steibel. Für manche sei es ein Nebeneinkommen, schließlich gebe es gut sieben Euro Aufwandsentschädigung pro Stunde. Deswegen melden sich auch immer wieder Arbeitslose oder Hausfrauen. „Warum auch nicht“, sagt Steibel. „Deswegen sind sie ja noch lange keine schlechteren Helfer.“ Aber Polizisten eben auch nicht.

„SiWa“ ersetzt keinen Polizisten

Natürlich ersetzt kein „SiWa“ einen Beamten. Soll er auch nicht. Aber bei der Suche nach einer alten Dame, die aus dem Altenheim verschwunden ist, „da können sie helfen“, sagt Steibel. Oder wenn sich ein unheimlicher Mann auf einem Spielplatz herumtreibt, dann können die SiWas ihn ansprechen, nach seinen Personalien fragen. Allein ihre Präsenz, so ist die Hoffnung, schreckt mögliche Täter ab. „Das macht absolut Sinn“, sagt Steibel. Bislang gibt es solche Streifen in Oberbayern nur in Freising, München, Ingolstadt – und in Rosenheim. Dort sucht man gerade nach neuen Rekruten. „Schon die Uniform der SiWas flößt a bisserl Respekt ein“, sagt Konrad Rutzinger vom dortigen Polizeipräsidium. In Schongau ist man gerade dabei, eine Wacht aufzubauen. Ronald Bauer, stellvertretender Dienststellenleiter, betont, wie wichtig die Schulung ist. Nicht zuletzt müssen die SiWas einschätzen lernen, wann es wirklich nötig ist, die Polizei zu holen.

„Wir wollen auch nicht wegen jedem Schmarrn ausrücken“, sagt Bauer. Manchmal, da schießen die Polizei-Helfer nämlich auch über das Ziel hinaus. Gerhard Steibel erinnert sich an eine Mitarbeiterin, damals in Freising. Ein Wirt verständigte die Polizei, weil er einen Zechpreller in seinem Lokal sitzen hatte. Die Beamten brachten den Mann auf die Wache – da bekam die SiWa-Helferin Wind von der Sache. „Nach ihrer Streife“, erzählt Steibel, „ging sie zu dem Wirt – und bezahlte die Zeche. Das ist auch nicht Sinn der Sache.“

Thomas Schmidt

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