Jakob M. hatte riesiges Glück. Der 24.Jährige wurde von einer Lawine verschüttet.

24-Jähriger von Lawine verschüttet

Rettung aus der weißen Hölle

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Hochfügen/Söchtenau - Jakob M. löste die Lawine auf seinem Snowboard selbst aus, stürzte 150 Meter tief und wurde von den Schneemassen begraben. Doch der 24-Jährige aus dem Kreis Rosenheim hatte ein Riesenglück und kam mit dem Leben davon. Seine Rettung wird ihn allerdings einiges kosten.

Eigentlich wollte Jakob M. nur im Zillertal Snowboarden gehen und dann in seinen Geburtstag hineinfeiern. Und die Vorzeichen hätten für den 24-Jährigen aus Söchtenau (Kreis Rosenheim) am Dienstagvormittag nicht besser sein können: strahlende Wintersonne und ein bisschen Neuschnee. Doch dann kam alles anders. Am Osthang des Metzen im Tiroler Skigebiet Hochfügen löste M. eine Lawine aus und wurde selbst unter den Schneemassen begraben. 150 Meter riss ihn die Lawine den Hang hinunter, dann schloss sich eine 1,50 Meter dicke Schneedecke über ihm. Das beherzte Eingreifen seines kanadischen Begleiters, den er erst am selben Tag kennengelernt hatte, rettete ihm wohl das Leben.

Etwa gegen Mittag entschieden sich Jakob M. und der 31-jährige Skifahrer aus Kanada für das Wagnis: Sie fuhren den höchsten Lift des Skigebiets hinauf. Der „Hochfügen 2000“ endet unterhalb des Pfaffenbichels auf einer Höhe von 2330 Metern. Von dort nahmen sie nicht die Pistenabfahrt, sondern querten von der Bergstation in Richtung des benachbarten Gipfels Metzen – weit abseits des gesicherten Pistenbereichs. Der Osthang des Metzen ist beliebt bei Skifahrern und Snowboardern, die auch gerne abseits der Piste unterwegs sind. Nur herrscht derzeit über 2000 Metern die Lawinenwarnstufe 3 von 5 möglichen Stufen in ganz Tirol.

„Wir haben überall Warnhinweise und Absperrungen angebracht“, sagt Ulrich Huber, Bezirksleiter der örtlichen Bergrettung. „Leider missachten die Wintersportler das immer wieder.“ Dabei sei die Lage im Zillertal über 2000 Metern immer noch extrem angespannt. Was die Warnung des Bergretters noch unterstreicht: Erst gestern wurden im selben Skigebiet zwei Bergbahn-Mitarbeiter von einer Lawine verschüttet. Wie die Bergbahnen mitteilen, konnte einer der beiden nur noch tot geborgen werden. Dabei wollten sie gerade zur Lawinengefahr ein Schneeprofil erstellen. Bergretter Huber: „In steileren Hängen ist die Lawinengefahr im Moment erheblich.“

Und der Metzen ist steil, auch für geübte Fahrer. Er hat eine Hangneigung von 40 bis 45 Grad. Aber die Sportler schlugen die Warnungen in den Wind. Klar, zu zweit ist man immer ein bisschen mutiger. „Wir sind den Hang ja auch schon dreimal abgefahren“, sagt Jakob M., der gestern wieder zu Hause in Söchtenau angekommen ist.

Dreimal ist alles gut gegangen. Beim vierten Mal nicht mehr. M. fuhr auf seinem Snowboard eine eigene Spur. Der Kanadier war bei der vierten Abfahrt etwas abseits unterwegs. Dann, als der Hang immer steiler wurde, riss die Schneedecke ab. „Der ganze Hang um mich herum ist runtergekommen“, sagt Jakob M. unserer Zeitung. Ein furchtbares Gefühl. Samt dem Schneebrett stürzte M. in die Tiefe. Der Söchtenauer war mit einem Airbag-Rucksack ausgerüstet. Die Luftpolster, die den Fahrer innerhalb einer Lawine eigentlich oben halten sollten, gingen zwar auf, funktionierten nur leider nicht. Die Schneedecke schloss sich über Jakob M.

Als sich die Schneemassen wieder beruhigten, war der Kanadier als Erster bei der abgegangenen Lawine. Ungefähr konnte er beobachten, wo Jakob M. verschüttet wurde. Er setzte einen Notruf ab und fing zu graben an. Glücklicherweise waren sowohl Jakob M. als auch der Kanadier mit einem Lawinensucher ausgerüstet. Weitere Skifahrer hatten den Lawinenabgang beobachtet und halfen. Bald war auch die Alpinpolizei vor Ort. Gemeinsam befreiten sie den 24-Jährigen. Der Hubschrauber brachte ihn ins Krankenhaus. Er war nicht schwer verletzt. „Aber die Schulter ist vielleicht gebrochen“, sagt M. gestern. Er ist geschafft. Verständlich. An seinem 24. Geburtstag von Arzt zu Arzt zu fahren – es gibt schönere Arten zu feiern. Und das dicke Ende steht dem Oberbayern noch bevor: die Rechnung für die Rettung. Da er bei Lawinengefahr abseits der Piste verschüttet war, muss er die selbst bezahlen. „Allein der Hubschrauber kostet um die 3000 Euro“, sagt Bergretter Huber. Andererseits: Knapp mit dem Leben davonzukommen, ist doch das schönste Geburtstagsgeschenk.

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