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Lebensmittel im Müll

Keine Lizenz zum Wegwerfen

300 Kilo pro Sekunde landen im Müll: Brunner will Lebensmittel retten

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München - Knapp 800 Millionen Menschen auf der Welt leiden an Hunger und zugleich werden sekündlich in Deutschland 300 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen. Gegen die Verschwendung gibt es jetzt ein Bündnis.

Weltweit landen 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll – pro Jahr. In Deutschland sind es laut einer WWF-Studie von 2015 über 18 Millionen Tonnen. Das heißt: Pro Sekunde werden rund 300 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen. In Bayern sind es pro Jahr 1,3 Millionen Tonnen. Ernährungsminister Helmut Brunner (CSU) nennt die Verschwendung einen „Ausdruck unserer Wohlstandsgesellschaft“.

Ein Apfel mit einer Delle? Für einen 30-Jährigen mit gutem Einkommen ist das schon Grund genug, um ihn zu entsorgen. In dieser Gruppe gibt es die schlimmsten Wegwerfer. 17 Projekte im Bündnis „Wir retten Lebensmittel“ streben ab sofort eine bessere Wertschätzung der Produkte an. Brunner gab gestern im Agrarministerium den Startschuss. Ein Apfel mit einem Rettungsring herum ist das Logo des Bündnisses. 38 Partner haben den Rettungspakt geschlossen. „Es wäre falsch, die Verantwortung nur beim Verbraucher zu suchen“, sagt Brunner. Deshalb sind alle Akteure – vom Erzeuger über den Handel bis zum Verbraucher – an Bord.

Zurück zum Apfel mit der Delle. Künftig soll ein sogenannter Verzehrsindikator dem Konsumenten anzeigen, zu welchem Zeitpunkt der Apfel noch genießbar ist. Dazu soll es auch eine App geben. Der größte Kritikpunkt der Bündnispartner in diesem Zusammenhang ist das Mindesthaltbarkeitsdatum. Matthias Zwingel, Vizepräsident des Handelsverbands Bayern, sagt: „Von vielen wird das als Lizenz zum Wegwerfen interpretiert.“ Lebensmittel sind aber meist deutlich länger haltbar, als dieses Datum angibt. Statt eines Mindesthaltbarkeitsdatums wäre oft ein Herstellungsdatum besser geeignet, anhand dessen festgestellt werden kann, ob das Produkt noch gut ist. Dabei hilft der Verzehrsindikator.

Mehr als nur Sattmacher

Ein weiteres Projekt: Ein Führerschein zum richtigen Umgang mit Lebensmitteln soll Schulkindern die notwendige Wertschätzung vermitteln. Denn daran hapert es. Zwingel sagt: „Es gibt immer weniger Generationsfamilien und damit fällt die Weitergabe von Werten weg.“ Lebensmittel seien mehr als Sattmacher.

Auf die Nebenprodukte, die bei der Herstellung anfallen, zielt ein weiteres Projekt ab: ein Start-Up-Wettbewerb. Dabei sollen Gründerteams Ideen für sinnvolleres Weiterverarbeiten von Nebenprodukten präsentieren. Ein anderer Wettbewerb spricht die Einzelhändler an. Ihre Aufgabe ist es, nach Möglichkeiten zu suchen, wie im Laden die Verluste von Lebensmitteln – die Rate liegt bei 3,3 Prozent – vermieden werden können. „Die höchsten Verlustquoten gibt es bei Obst, Gemüse und Backwaren“, sagt Handelsverbandsvize Zwingel.

Insgesamt wirft ein Bayer im Schnitt 65 Kilo an Lebensmitteln im Jahr weg. Vergleicht man diese Zahl mit den Erfahrungswerten von Bündnispartnerin Hannelore Kiethe von der Münchner Tafel, ist das erschreckend. 20 000 Menschen sind dort jede Woche auf Lebensmittel-Spenden angewiesen. Ganz zu schweigen von den 795 Millionen Menschen, die weltweit an Hunger leiden. Das ist jeder Neunte.

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