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Innenminister Joachim Herrmann präsentierte bei einer Pressekonferenz Zahlen zu Sexualdelikten in Bayern.

Schock-Zahlen präsentiert

48 Prozent mehr Sexualdelikte! Regierung muss Erklärung liefern

Fast 50 Prozent mehr sexuelle Nötigungen und Vergewaltigungen als im Vorjahr - diese Statistik, die Bayern jüngst präsentierte, wirft Fragen auf. Juristen erklären, der Anstieg sei erwartbar gewesen.

Nach der Vorlage neuer statistischer Zahlen zu Sexualdelikten in Bayern muss das Innenministerium nachliefern: Ein Sprecher kündigte am Freitag eine Analyse und genaue Aufschlüsselung der Statistik an, die Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München öffentlich gemacht hatte - ohne dabei Auffälligkeiten in den Daten erklären zu können.

Demnach wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 in Bayern 685 Fälle von sexueller Nötigung und Vergewaltigung gezählt. Das entspricht einer Zunahme um 48 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr des vergangenen Jahres. Die Zahl der Fälle, die Zuwanderern zugeordnet werden, stieg demnach um 60 auf nunmehr 126 Fälle.

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Eine Pressekonferenz - viele offene Fragen

Die Staatskanzlei hatte in ihrer Pressemitteilung von „Vergewaltigungsfällen“ und „Vergewaltigungsdelikten“ geschrieben. Und auch Herrmann sprach in der Pressekonferenz von „Vergewaltigungen“. In die Statistik fließen aber nicht nur Vergewaltigungen im engeren Sinne ein, sondern etwa auch Fälle sexueller Nötigung.

Erklärungen für den Anstieg der Zahlen lieferte Herrmann zunächst nicht. Er sagte laut Mitteilung der Staatskanzlei: „Unsere Polizeiexperten arbeiten derzeit an einer detaillierten Analyse der Statistikdaten.“

Juristen: Anstieg durch veränderte Rechtslage

Juristen verweisen auf eine veränderte Rechtslage, die Auswirkungen auf die Statistik haben dürfte: Zwischen den vom Ministerium verglichenen Zeiträumen wurde der entsprechende Paragraf im Strafgesetzbuch verschärft. „Der Anstieg als solcher in den polizeilichen Daten hat mich jetzt nicht überrascht, der war gewissermaßen zu erwarten“, sagte der Münchner Strafrechtsprofessor Ralf Kölbel dem Bayerischen Rundfunk.

Denn seit der Reform des Sexualstrafrechts seien schlicht und einfach mehr Verhaltensweisen strafbar geworden, „und schon deswegen war mit einem statistischen Anstieg an Anzeigen - nicht unbedingt auch an Verurteilungen - zu rechnen“. Das sei aber wohl nur ein Faktor. „Vermutlich ist es sehr viel wichtiger, dass durch die letztjährigen, öffentlichen Debatten - also Stichwort: Nein ist Nein - die Sensibilität und die Anzeigenbereitschaft in der Bevölkerung generell gestiegen sind“, sagte Kölbel.

dpa

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