Ausstellung zu 500 Jahre Reinheitsgebot

Wissen Sie, wie man einen "Viechrausch" bekommt?

München - 500 Jahre Reinheitsgebot – wenn das kein Grund zum Feiern ist. Nüchtern betrachtet ist dieses bayerische Grundgesetz aber sogar noch viel älter, hieß es auf einem Kolloquium zur geplanten Landesausstellung „Bier in Bayern“.

München – Warum um alles in der Welt nur Aldersbach? Das niederbayerische Kloster ist ziemlich abgelegen. Die Bahnstrecke, die von Vilshofen abzweigte, ist seit Jahren abgebaut. Also wird der Besucher zur Bier-Ausstellung im nächsten Jahr (29. April bis 30. Oktober 2016) nur mit dem Auto anreisen können. Das kann ja heiter werden.

„Bier in Bayern“, so heißt die Schau, die dem Haus der Bayerischen Geschichte nun vorab ein Kolloquium wert war. Das Reinheitsgebot von 1516, wie es sich in der so genannten Landesordnung von Herzog Wilhelm IV. findet, als Thema der Wissenschaft also.

Die Jahreszahl ist eigentlich Zufall, Vorläufer gab es mannigfach, wie der Münchner Rechtshistoriker Hans-Georg Hermann auf der Tagung in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften fachkundig ausführte. Dass Bier nur Hopfen, Malz und Wasser und sonst nix enthalten darf, wusste man schon früher. In Regensburg um 1460 und in Ingolstadt 1470 gab es bereits ähnliche Gebote. 1482 gibt es eine „Biersatz-Ordnung“ für das Teil-Herzogtum Landshut-Ingolstadt – so weitete sich im Zuge des entstehenden Normen-Staats die Reglementierung beim Bier Stück für Stück aus. Immer wieder freilich gab es „Sündenfälle“, wie Hermann sagte. Mal will man Gerste und Hopfen sparen und erlaubt Kräuter und Gewürze. 1616 stellt eine Herzogliche Polizei-Ordnung den Zusatz von Salz, Kümmel und Wacholder straffrei. Insgesamt aber wurde die Bierherstellung schon früh erstaunlich straff reglementiert und in Rechtsurkunden fixiert. „Was fur stuck zum Pier gebraucht werden sollen“ definierte die Landesordnung von 1553 ganz genau. Nämlich „allain Gerstn, Hopffen und Wasser“.

All das und noch viel mehr soll 2016 auf 1400 Quadratmetern Ausstellungsfläche im Kloster Aldersbach erzählt werden. Eine süffige Kulturgeschichte des bayerischen Bieres. Es wird vom „Viechrausch“ die Rede sein, der zwei Gulden und 24 Kreuzer kostete und zum Konsum von 20 Mass berechtigte; vom Münchner „Bierherz“, einer charakteristischen Herzverfettung Münchner Mannsbilder; auch darf die Münchner Schützenliesl nicht fehlen und Absonderheiten wie – igitt – eine Warmbierschale.

Alle Brauereien sind eingeladen, ihre Biere zu präsentieren, und der Bayerische Brauerbunds dürfte höchst erfreut sein über die Möglichkeit, sich mit einer Bierbar selbst darzustellen. Eine Landesausstellung als Werbeveranstaltung. Motto: „Hier rührt sich was“, wie Rainhard Riepertinger vom Haus der Bayerischen Geschichte sagte.

Ob die Besucher dann auch an Paragraph 9 des Vorläufiges Biergesetzes aus dem Jahr 1992 denken? Wohl kaum – dabei ist das das (wie der Name schon sagt: vorläufig) letzte Gesetz, in dem das Reinheitsgebot einmal mehr juristisch wasserdicht definiert worden ist.

Von Dirk Walter

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