„Den Kindern tut das gut“

782 bayerische Kitas fördern gezielt sprachliche Bildung

München - Gefühle ausdrücken ist kinderleicht? Von wegen! Oft hapert es schon an der Sprache. Hunderte Kitas in Bayern wollen da helfen.

Beim Abendessen über den Tag sprechen, vor dem Schlafengehen noch eine Geschichte erzählen: Solch alltägliche Gespräche haben nicht in allen Familien einen hohen Stellenwert. Für die sprachliche Bildung der Kinder ist das schlecht. Sie lernen nicht, sich in allen Situationen richtig auszudrücken. Das will das Bundesfamilienministerium mit dem Projekt „Sprach-Kita“ ändern. „Hier wird jede Situation genutzt, um Kinder zum Reden zu bringen“, erklärte ein Ministeriumssprecher. Insgesamt nehmen 782 der 6565 Kindertageseinrichtungen in Bayern an dem Projekt teil.

Sprachbildung soll hier kein Zusatz sein, sondern ständiger Begleiter im Alltag. Um das zu verwirklichen, fördert das Ministerium in den „Sprach-Kitas“ eine zusätzliche halbe Stelle - in Einrichtungen mit mehr als 160 Kindern sogar zwei. Diese Fachkraft schaut sich den Alltag der Gruppen genau an - und gibt den Erziehern Hinweise, wo noch mehr Raum für sprachliche Bildung ist. Auch die Eltern sind Zielgruppe dieses Programms. Sie bekommen Anregungen für die sprachliche Bildung zu Hause.

„Den Kindern tut das gut“, sagte Hanne Höfig, eine der Geschäftsführerinnen der gemeinnützigen Evangelischen Kindertagesstätten GmbH (Ekin) in Nürnberg. Zwölf Kitas der Organisation nehmen bereits an dem Projekt teil, sieben sollen folgen. „Die Qualität der Betreuung in den Kindertagesstätten hat sich wirklich verbessert“, ergänzte sie.

Natürlich sei Sprachförderung in den Einrichtungen nicht neu, sie stehe aber nun im Fokus der Erzieher. Das Projekt komme allen Kindern zugute. „Sie lernen unter anderem ihre Gefühle auszudrücken. Zum Beispiel zu sagen, ob sie aus Wut oder Trauer weinen“, so Höfig.

Das Projekt wende sich auch an die Eltern - mit Elternabenden und Gesprächen. Dort gebe es Tipps für die Sprachförderung zu Hause. „Zum Beispiel wie Gewohnheiten in der Familie geändert werden können“, führte die Geschäftsführerin aus.

Leichte Kritik hat sie an den Rahmenbedingungen des Projekts: „Es spielt keine Rolle, ob 50 oder 100 Kinder eine Einrichtung besuchen. Es gibt immer nur eine halbe Fachkraft“, monierte sie. Das sei aber nur ein kleiner Wermutstropfen, betonte Höfig.

Auch die Münchner haben gute Erfahrungen mit dem Projekt gemacht. 75 Kindertageseinrichtungen der Stadt München werden als „Sprach-Kita“ gefördert. „Davon profitieren alle Kinder - unabhängig von ihrer Herkunft“, sagte Ulrich Lobinger vom Referat für Bildung und Sport. Genaue Evaluationsergebnisse lägen aber noch nicht vor.

Die Landeshauptstadt hat mit ihren Einrichtungen bereits am Vorgänger-Programm „Schwerpunkt-Kita: Sprache und Integration“ teilgenommen. Hier zeigte sich laut Lobinger, dass eine höhere Qualität der sprachlichen Bildung einen unterstützenden Einfluss auf die kindliche Sprachentwicklung hat.

Das Projekt „Sprach-Kita“ läuft noch bis zum Jahr 2020. Insgesamt können mit 800 Millionen Euro bis zu 7000 halbe Stellen für Fachkräfte gefördert werden. Teilnehmen können Einrichtungen, die von mindestens 40 Kindern besucht werden. Die Kitas schließen sich in einem Verbund von 10 bis 15 Einrichtungen zusammen - und werden durch eine weitere Fachkraft beraten.

dpa

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