83-Jährige vor Fitnesscenter vertrieben

Regensburg - In Regensburg wurde jetzt eine Seniorin vor einem Fitnessstudio vertrieben - mit der Begründung: „Sie wirken geschäftsschädigend!“ Jetzt setzt sich die 83-Jährige zur Wehr.

Gerda Geppert ist immer noch entsetzt, wenn sie erzählt, was ihr am 17. Mai passiert ist. Die 83-Jährige hatte einen Termin bei einem Augenarzt im Regensburger Gewerbepark. Da sie zu Fuß nicht mehr ganz so gut unterwegs ist, wurde sie von Ursula A. (58) begleitet, einer guten Bekannten. Es war zwischen 15.30 und 16.30 Uhr, als die beiden Frauen auf den Taxifahrer warteten, der Gerda Geppert zurück in ihr Seniorenstift bringen sollte.

Die Zeit nutzte das Duo, um an einem nahen See Enten zu beobachten. Als starker Wind aufkam, verlegten sie ihren Standort vor die schützende Wand – und blickten direkt ins Fenster eines Fitnessstudios. Da kam plötzlich eine Mitarbeiterin heraus und meinte: „Wenn ich so sehe, wie Sie dastehen – oh Gott, behüte mich, so alt zu werden.“ Und dann fügte sie hinzu: „Verlassen Sie das Areal vor dem Fitness-Club. Sie wirken geschäftsschädigend!“

Aber Gerda Geppert ist keine Frau, die sich etwas gefallen lässt. Die ehemalige Schulrektorin protokollierte diesen „schlimmen Albtraum“ und veröffentlichte diese Schilderung im Mitteilungsblatt ihres Seniorenstifts. Und eine Kopie schickte sie an die Mittelbayerische Zeitung. Seitdem beschäftigt der Vorfall auch Regensburgs Bürgermeister Joachim Wollbergs. Der ist in der Welterbestadt für die Seniorenpolitik zuständig – und kündigte jetzt an: „Wenn das stimmen sollte, werde er mit der Fitness-Dame Tacheles reden.“

Das wird indes nicht ganz einfach. Denn im Fitnessstudio, das angeblich alle Frauen zwischen acht und 81 ansprechen will, gibt man sich wortkarg. Selbst eine schriftliche tz-Anfrage blieb unbeantwortet. Gerda Geppert würde sich eine Entschuldigung wünschen und vielleicht eine Einladung – „um mal die Geräte auszuprobieren“. Denn die 83-Jährige ist Neuem gegenüber aufgeschlossen, auch Laptop und Computer benutzt sie. Bisher hat sie als Seniorin auch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil: „Viele Menschen, auch völlig fremde, helfen einem ja.“ Hat sie eine Erklärung für die ungeheuerliche Diskriminierung? Geppert: „Vielleicht hat die Frau ja selbst große Probleme mit dem Altwerden …“

WdP

Rubriklistenbild: © dpa

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