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Honigbienen

Interview zum 9. Bayerischen Imkergespräch

Bienen versus Varoamilbe

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Starnberg - Beim 9. Bayerischen Imkergespräch tauschen sich Bürger, Experten und Politiker aus. Ein Parasit steht - nicht nur heuer - im Mittelpunkt.

Die Varroamilbe bereitet Imkern seit Jahrzehnten und auch heute noch Sorgen. Der Parasit ist einer der Hauptthemen beim heutigen 9. Bayerischen Imkergespräch in der Starnberger Schloßberghalle. Los geht es um 18 Uhr. Hubert Dietrich, 76, ist Vorstand des Bienenzuchtvereins Starnberg. Er sagt, wie gefährlich die Varroamilbe für den bayerischen Bienenbestand ist.

Herr Dietrich, die Varroamilbe sorgt in manchen Wintern für ein regelrechtes Bienensterben. Wie ist es um die Bienen in Bayern bestellt?

Hubert Dietrich: Es gibt in Bayern circa 30.000 Imker, etwa 200.000 Bienenvölker. Man kann sich das Ausmaß vorstellen: Etwa ein Drittel der Bienen sterben, jedes Volk kostet etwa 150 Euro. Wenn es Verluste gibt, ist das größtenteils auf die Varroamilbe zurückzuführen.

Dem Parasiten scheinen Experten einfach nicht Herr zu werden.

Hubert Dietrich: Die Bienenvölker sind robust, mit Hilfe der Imker werden auch neue junge Stämme herangezüchtet. Die Varroamilbe ist aber ein großes Thema – das auch nicht so schnell zu Ende gehen wird. Die Milbe wurde eingeschleppt, unsere Bienen kommen damit noch nicht klar. Man hat 30 Jahre lang versucht, sie mit allen Mitteln auszurotten. Es gibt noch keinen Durchbruch.

Das Tierwohl für Schweine, Geflügel und andere Tiere ist derzeit in aller Munde. Wie sieht es bei den Bienen aus?

Hubert Dietrich: Wir müssen mittlerweile immer mehr Eingriffe ins Bienenvolk machen. Wir wollen aber nicht erst eingreifen, wenn sich die Varroamilbe vermehrt hat. Die Milbe sitzt auf den Bienen. Man versucht daher, Bienenstämme mit passendem Putzverhalten zu finden – vergleichbar mit anderen Tieren, die sich gegenseitig abpicken.

Ein Indikator für den Zustand der Bienen ist auch die Bestäubungsleistung.

Hubert Dietrich ist Vorstand des Bienenzuchtvereins Starnberg.

Hubert Dietrich: Das ist die wichtigste Funktion der Bienen. Es gibt in Deutschland etwa 560 Wildbienen-Arten – sie bestäuben zusammen mit den Honigbienen. Aus finanzieller Sicht ist die Biene durch die Bestäubung das drittwichtigste Nutztier, nach Rind und Schwein. Ohne oder mit weniger Bestäubung gäbe es beispielsweise bei Raps oder Obst deutlich weniger Ertrag.

Wird in Bayern genügend für die Bienen getan?

Hubert Dietrich: Der Freistaat investiert eine ganze Menge, da sind wir Vorreiter. Es gibt in Poing extra eine Art Bienen-Tierarzt, der für uns Untersuchungen machen kann. Das ist ganz toll, das haben andere Bundesländer nicht. Wir nehmen ihn permanent in Anspruch, um hauptsächlich Rückstände im Wachs untersuchen zu lassen.

2012 hatten Sie gefordert, dass sich die Technik zur Untersuchung der Rückstände verbessern soll.

Hubert Dietrich: Nach unserer Forderung hat sich die Zuständigkeit geändert. Davor wurde das Wachs als tierisches Produkt gewertet und in Oberschleißheim untersucht. Seit Mitte 2012 wird es in Erlangen mit anderen pflanzlichen Erzeugnissen getestet. Die Ausstattung dort ist besser – damit ist das Problem abgehakt.

Interview: Sebastian Raviol

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