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Der Vasenteppich aus dem 17. Jahrhundert wurde für 6,2 Millionen Pfund versteigert.

900-Euro-Teppich war Millionen wert

Augsburg - Es ist der Alptraum jedes Auktionators: Vor einem halben Jahr hatte Georg Rehm den teuersten Teppich der Welt in seinem Augsburger Auktionshaus liegen. Die Rekordsumme von sieben Millionen Euro wurde aber nicht in Augsburg gezahlt, sondern bei Christie’s – in London.

Die Geschichte klingt wie ein Märchen aus tausendundeiner Nacht: Ein Teppich, damals noch als einfacher „Perserteppich“ deklariert, wird im Oktober 2009 mit einem Limit von 900 Euro in den Katalog eines Augsburger Auktionshauses gesetzt. Wie die „Augsburger Allgemeine“ berichtete, kommt ein halbes Jahr später die Ware bei Christie’s unter den Hammer – und knackt mit der Verkaufssumme von sieben Millionen Euro den Weltrekord als teuerster Teppich der Welt.

Was war geschehen? Die Experten bei Christie’s, die den Teppich von einem ausländischen Käufer erhalten hatten, fanden heraus, dass es sich bei der 3,39 auf 1,53 Meter großen Ware um einen sogenannten Vasenteppich handelte, der im 17. Jahrhundert im iranischen Kerman gefertigt wurde. Später soll er der Comtesse de Béhague (1870-1939) gehört haben, die eine beeindruckende Sammlung von iranischer Kunst besaß. Christie’s taxierte den Preis für das historische Stück daraufhin auf gut 200 000 Pfund.

Dass der Teppich schließlich für das 35-fache an einen anonymen Telefonbieter ging, ist einer wahren Bieterschlacht geschuldet. Kaufinteressenten aus mehreren Kontinenten trieben den Preis in die Höhe. Am Ende wurde der Vasenteppich für die märchenhafte Summe von 6,2 Millionen Pfund verkauft.

Weit weniger fantastisch klingt die Geschichte freilich für die Erstverkäufer aus dem Raum Stuttgart und ihren Augsburger Auktionator Georg Rehm. Dabei hatte das Geschäft ursprünglich nach einem echten Erfolg ausgesehen: Der ausländische Käufer, der den Teppich im Katalog des Auktionshauses Georg Rehm entdeckt hatte, zahlte für die mit 900 Euro limitierte Ware einen Preis von rund 20 000 Euro. Damals stieß man in Augsburg mit Champagner auf den Zuschlag an. Seit Bekanntwerden des Sieben-Millionen-Euro-Verkaufes dürfte die Feierlaune jedoch verflogen sein.

Etwas vorzuwerfen habe sich der Augsburger Auktionator aber nicht, betont Heinrich Arens, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Auktionatoren. Auch sei der Preis von sieben Millionen Euro mit Vorsicht zu genießen. „Möglicherweise handelte es sich um einen Sammler, der für diesen Teppich jeden Preis gezahlt hätte. Über den tatsächlichen Wert sagt das deshalb gar nichts aus.“

Für das Auktionshaus in Augsburg bedeutet der märchenhafte Aufstieg des Teppichs ein böses Erwachen. Auch wenn Rehm sich rechtlich nichts vorzuwerfen hat, schmerzen wird das teure Missgeschick allemal.

soh

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