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Verschandelt Hundertwasser den Heiligen Berg?

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Der Hunderwasser-Turm von Abensberg wird am Donnerstag eingeweiht. Sein Andechser Gegenstück soll ähnlich „knallbunt“ werden, warnt der Kreisheimatpfleger © dpa/fkn

Abensberg - Es rumort am Fuße des Heiligen Berges: Die Andechser Öko-Molkerei Scheitz plant auf ihrem Betriebsgelände im Klosterdorf den Bau eines spektakulären Verwaltungsgebäudes.

Künftig sollen die Mitarbeiter in einem begrünten Hügelhaus arbeiten, in dessen Innenhof ein Turm im Hundertwasserstil steht. 28 Meter hoch soll dieses Objekt (Durchmesser zwölf Meter) werden; auf einer 18 Meter hohen Wand sitzt ein zehn Meter hoher Windfächer!

Der sorgt für reichlich Wirbel: Während die einen begeistert das Projekt als großartige (Touristen-) Attraktion feiern, wettern andere, der Turm verschandele den heiligen Berg! Kreisheimatpfleger Gerhard Schober ist regelrecht entsetzt: „Ich hab eine richtige Gänsehaut gekriegt, als ich die Pläne sah. Der Bau stellt jeden Kirchturm in den Schatten und wird die herrliche Hügellandschaft um Andechs dominieren. Ich habe eine Ortsbegehung gemacht und festgestellt, dass es Stellen gibt, da steht der Turm genau in der Sichtachse auf den Klosterberg. So kann man mit einem nationalen Kulturdenkmal nicht umgehen!“ In einem Brief hat Schober seine Bedenken dem Andechser Gemeinderat mitgeteilt. Der lehnte dann zwar das Hügelgebäude in der geplanten Version ab, genehmigte aber (mit knapper Mehrheit) den Turm! Schober fürchtet nun, dass das Projekt tatsächlich realisiert wird. Doch nicht nur das treibt ihn um. Ihn ärgert auch, dass der breiten Öffentlichkeit bisher weder ein Modell noch Pläne vorgestellt wurden. Er wolle in diesem Zusammenhang zwar nicht das Wort „Filz“ in den Mund nehmen, aber vertrauensbildend sei eine solche Vorgehensweise sicher nicht.

Molkereichefin Barbara Scheitz kann die Aufregung nicht verstehen. Man strebe ein Null-Energie-Wirtschaftsgebäude an. Die Hügelform greife die heimische Umgebung auf und diene dem Lärmschutz. Und der Turm? „Die Wandhöhe entspricht der unserer Milchtanks. So können wir Besuchern einen Überblick über unsere Produktion bieten.“ Das werde ein „Milch-Disneyland“ halten Gegner dagegen und warnen vor den Buskolonnen, die bald durch die sanften Hügel um Andechs donnern könnten.

Ihre Pläne will Barbara Schneitz übrigens am Donnerstag der Presse vorstellen. „Das hätte vorher wenig Sinn gemacht, wir wollten ja erst alles mit den zuständigen Behörden abstimmen.“

WdP

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