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Sekunden vor dem Abheben: Ein Eurofighter der Bundeswehr im Juni 2016 am Stützpunkt Neuburg an der Donau. 

Zwei Fälle am Wochenende

Abfangjäger stoppen Flugzeug: So läuft der Einsatz ab

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Am Wochenende sind Abfangjäger der Luftwaffe mit Stützpunkt in Oberbayern gleich zweimal in die Luft gestiegen, weil der Funkkontakt zu Passagier-Maschinen abbrach. Das Protokoll eines Einsatzes. 

München/Stuttgart – Ein lauter Knall, oben am Himmel, zu sehen ist nichts. Bei der Polizei rufen verunsicherte Menschen an. Die Befürchtungen gehen von Explosion bis Raumschiff. So geschehen am Freitag bei Würzburg und am Samstag bei Stuttgart.

Die Erklärung ist zwar durchaus kurios, hat aber zum Glück weder mit Krieg noch mit außerirdischem Leben zu tun. In beiden Fällen haben Jagdflugzeuge vom Typ „Eurofighter“ bei gut 1200 km/h die Schallmauer durchbrochen. Daher der laute Knall. Die Bundeswehr hatte ihre Piloten in kurzer Zeit zweimal in die Luft geschickt, um verdächtige Flugzeuge zu verfolgen und einzuholen.

Lesen Sie auch: Lauter Knall: Luftwaffe erklärt Eurofighter-Einsatz über Nürnberg

Die jüngste Häufung dieser Fälle sei Zufall

Jährlich gibt es im Durchschnitt bundesweit zwölf bis 15 dieser Einsätze. Das erklärt ein Sprecher der Luftwaffe am Montag gegenüber unserer Zeitung. Die jüngste Häufung sei schlicht Zufall. Aber natürlich sind die beiden Beispiele auch ein guter Anlass, auf die Entscheidungen hinter einem solchen Manöver zu blicken.

Wenn der Funkkontakt zu einem Flugzeug abbricht und die Fluglotsen nicht weiter kommen, führt die Spur zunächst nach Uedem in Nordrhein-Westfalen. Dort entscheiden Vertreter von Polizei, Militär und Ministerien über das weitere Vorgehen. Das „Nationale Lage- und Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum“ gibt es seit 2003 – eine politische Folge der Anschläge auf das World Trade Center in New York.

Bleibt die Situation nach Einschätzung der Experten verdächtig, erhalten die Abfangjäger der Bundeswehr einen Einsatzbefehl. Die sogenannte Alarmrotte besteht aus zwei Maschinen. Nach ihrer Ankunft beim zu überprüfenden Flugzeug versucht einer der Soldaten, Sichtkontakt zu dessen Piloten aufzunehmen.

Bei der Kontaktaufnahme kann sogar ein dicker Filzstift zum Einsatz kommen

Dem Sprecher zufolge kann dabei sogar ein dicker Filzstift zum Einsatz kommen – mit dem etwa das Kürzel des anzufliegenden Flughafens auf einem Zettel notiert wird. Für jeden Laien klingt das ziemlich abenteuerlich. Für die Piloten sei es aber fliegerisch keine große Herausforderung, sagt der Sprecher. Sondern Routine, entwickelt in unzähligen Übungsflügen.

In Deutschland teilen sich zwei Stützpunkte die Absicherung des Luftraums. Für Süddeutschland ist das Geschwader in Neuburg an der Donau zuständig. Unweit von Ingolstadt steigen die Eurofighter in die Luft. Das Wichtigste dabei: Schnell muss es gehen. Höchstens 15 Minuten haben die Piloten bis zum Abheben. Das ist der von der Nato vorgegebene Standard. Deshalb ist die Einheit immer einsatzbereit, Schichtbetrieb, 365 Tage im Jahr.

Abfangjäger können im Terror-Fall das Flugzeug abdrängen oder Warnschüsse abgeben

Die Soldaten sind auch auf das Horror-Szenario vorbereitet. Ein nicht mehr steuerbares Flugzeug. Eine von Terroristen entführte Maschine. In einem solchen Fall müsste die Bundesregierung entscheiden, was zu tun ist. Eine zeitlich ambitionierte bis unmögliche Vorgabe, formuliert vom Bundesverfassungsgericht vor wenigen Jahren. Die Abfangjäger der Bundeswehr könnten dann versuchen, das Flugzeug abzudrängen oder Warnschüsse abgeben. Der Abschuss eines Verkehrsflugzeugs ist nicht erlaubt.

Bleibt zu hoffen, dass dieser Fall nicht eintritt. Bisher hängen die Einsätze der Alarmrotten mit falsch eingestellten Frequenzen (wie am Freitag) oder kaputten Funkgeräten (wie am Samstag) zusammen. Selbst eine erzwungene, außerplanmäßige Landung (wie in Stuttgart) ist äußerst selten.

Bald schon könnte also ein lauter Knall am Himmel die Menschen beunruhigen. Die möglichen Verursacher warten gerade in Oberbayern auf ihren nächsten Einsatz.

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