Wegen Abi-Debakel: Lehrer warnen vor mehr Privatschulen

Schweinfurt/München - Die bayerischen Lehrer warnen nach der Abitur-Pleite an einer Schweinfurter Privatschule vor einer weitergehenden Privatisierung des Bildungswesens. Sie stoßen auf Granit.

„Ein freier, vom Staat unkontrollierter Wettbewerb würde mit Sicherheit zu einem Qualitätsverfall und nicht zu einer Niveausicherung führen“, sagte Max Schmidt, Vorsitzender des bayerischen Philologenverbandes, am Donnerstag. An einer Schweinfurter privaten, staatlich noch nicht anerkannten Fachoberschule waren alle 27 Schüler einer Klasse durch die schriftliche Abiturprüfung gefallen. Auch in Icking sind alle Externendurch die Prüfung gefallen.

Kultusministerium weist Kritik zurück

Das Kultusministerium wies die Kritik zurück. „Es gibt überhaupt keine Pläne zur Privatisierung der Bildungssystems“, sagte Sprecher Ludwig Unger. Vielmehr seien in den vergangenen Jahren zahlreiche staatliche Schulen gegründet worden.

Wolle ein privater Träger eine Schule eröffnen, werde dies umfangreich geprüft. Bei positivem Urteil habe sie zunächst den Status einer staatlich genehmigten Schule. „Erst wenn zwei komplette Jahrgänge erfolgreich zum Abschluss gebracht wurden, wird der Titel staatlich anerkannte Schule vergeben“, sagte Unger. Dann könnte die Schule eigenverantwortlich agieren.

Erfolgreich bedeute dabei, dass zwei Drittel der Schüler die Abschlussprüfungen bestehen. Die betroffene Fachoberschule in Schweinfurt war 2011 gegründet worden und ist noch staatlich genehmigte Schule. Gleich der komplette erste Abschlussjahrgang scheiterte kläglich an der schriftlichen Fachabiturprüfung. Das Kultusministerium prüft nun, unter welchen Bedingungen die Schüler an eine staatliche Fachoberschule wechseln können.

Schmidt kritisierte das Geschäftsmodell einzelner Privatschulen, die sich bewusst an Eltern von Schülern wendeten, die die Kriterien für staatliche Schulen nicht erfüllten. Die Mehrzahl der durchgefallenen Prüflinge in Schweinfurt hätten es mit ihrem Notenschnitt nicht auf eine staatliche Fachoberschule geschafft. Staatlich anerkannte Schulen in freier Trägerschaft leisteten in großer Mehrzahl gute Arbeit, betonte Schmidt. Eltern, die ihre Kinder auf lediglich staatlich genehmigt Privatschulen schicken, sollten sich des Risikos bewusst sein.

Das Ministerium lässt jetzt die schriftlichen Arbeiten zum Fachabitur an der Schweinfurter Schule prüfen. Zudem werden die Arbeiten der Schüler im vergangenen Schuljahr unter die Lupe genommen.

dpa

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