G 8-Erklärer: Ludwig Spaenle gestern im Landtag.

Abitur 2011: G 8 besser als G 9

München - Noch eine Überraschung beim G 8: Der erste Abiturientenjahrgang hat im Schnitt deutlich besser abgeschnitten als der letzte G 9-Jahrgang. Dies bestätigte Kultusminister Ludwig Spaenle im Landtag - und stellte eine Generalbilanz des neuen Gymnasiums in Aussicht.

Schulleiter unken es seit Tagen - gestern gab der Kultusminister im Landtag offiziell bekannt, dass die G 8-Abiturienten im internen Duell mit ihren G 9-Kollegen die Nase vorn haben. Der landesweite Schnitt werde 2,2 bis 2,3 betragen, sagte Spaenle, und damit um ein bis zwei Zehntel besser sein als die der G 9-Schüler.

Die mündlichen Nachprüfungen, die bis einschließlich heute stattfinden, sind in diese Ergebnisse noch nicht eingerechnet. Beispiele aus Oberbayern bestätigen aber den positiven Trend. Der Leiter des Schongauer Welfen-Gymnasiums etwa berichtet über den besten Abi-Jahrgang aller Zeiten (Schnitt 2,2), ebenso seine Kollegen von den Gymnasien in Tegernsee und Miesbach. Am Gymnasium Penzberg kam ein Schnitt von 2,14 heraus. Es soll sogar Schulen mit einem Schnitt von unter 2,0 geben, sagt der Chef des Bayerischen Philologenverbands, Max Schmidt. Offenbar wirkt sich hier aus, dass in der G 8-Oberstufe mündliche und schriftliche Leistungen 1:1 gewichtet werden.

Der Vergleich zwischen G 8 und G 9 ist nicht reine Statistik, sondern beim Wettbewerb um Studienplätze von Bedeutung. Insider rechnen damit, dass nun eintritt, was das Kultusministerium vermeiden wollte: Die G 8-Schüler könnten bei Numerus-Clausus-Fächern und den Medizin-Disziplinen, deren Studienplätze über die Stiftung für Hochschulzulassung (früher ZVS) vergeben werden, die Nase vorn haben.

Eigentlich musste sich Spaenle im Landtag wegen der jüngsten Pannen bei der Förderung der Hochbegabten und der kurzfristigen Änderung bei der Sitzenbleiber-Regelung (wir berichteten) rechtfertigen. Die Angriffe der Opposition waren deutlich, aber sachlich im Ton. Der Grünen-Politiker Thomas Gehring bemängelte den „holprigen“ Verlauf des G 8, Karin Pranghofer (SPD) sprach von einem „politischen Kalkül“ mit dem G 8. „Der erste G 8-Jahrgang durfte nicht scheitern“, weswegen Spaenle ein bisschen nachgeholfen habe.

Spaenle parierte diese Spitzen mit dem Hinweis, Fehler zu korrigieren, „verstehe ich nicht als Zeichen politischer Schwäche“. Insgesamt sei das G 8 ein Erfolg, denn während früher nur etwa 60 Prozent der Fünftklässler die vollen neun Jahre bis zum Abitur durchgehalten hätten, seien es im ersten G 8-Jahrgang 72 Prozent.

Auf Nachfrage der FDP-Abgeordneten Renate Will erklärte Spaenle, dass er das G 8 einem „Evaluierungsprozess“ unterziehen werde. Im Klartext: Das gesamte G 8 soll nun, nachdem der erste Jahrgang die Schulen verlässt, noch einmal analysiert werden. Damit gibt Spaenle einer Forderung des Bayerischen Philologenverbands nach, der das immer gefordert hatte.

Vorsitzender Max Schmidt legte gleich noch einmal nach: Er bemängelte die zu geringe Stundenausstattung in Abiturpflichtfächern - denn in der 10. Klasse gibt es nur je drei Stunden Mathe und Deutsch wöchentlich, in der 9. Klasse nur drei Stunden in der ersten Fremdsprache. Schmidt erklärte gegenüber unserer Zeitung, es gebe Signale, dass Spaenle für Änderungen aufgeschlossen sei. Unklar ist freilich, ob die Stunden schlicht „draufgesattelt“ werden oder zum Beispiel Intensivierungs- in Fachstunden umgewandelt werden. Auch der Philologenverband will das G 8 in einem Fachkongress bewerten. Die Diskussion wird also weitergehen.

Dirk Walter

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