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Ab heute werden wieder die Tische in den Turnhallen stehen und die Abiturprüfungen ausgeteilt – hier eine Szene aus dem Straubinger Anton-Bruckner-Gymnasium.

Interview

Die große Ratlosigkeit nach dem Abitur - das rät der Experte

München - Am Freitag starten in Bayern die Abiturprüfungen und spätestens ab Mitte Juni, wenn die Kolloquien vorbei sind, wird sich für den Abiturientenjahrgang 2016 die Frage stellen: „Abi – und was jetzt?“. Wir haben einen Experten gefragt.

Andreas Neuner ist Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit München. Im Interview spricht er darüber, wie sinnvoll eine Auszeit sein kann – wenn sie vernünftig geplant wird.

Studium, Lehre, Auszeit – wozu tendieren die Abiturienten, die zu Ihnen kommen?

Ein großer Teil tendiert zu einer Auszeit. Seit der Einführung des G8 werden die jungen Frauen und Männer früher fertig, sie haben acht Jahre lang intensiv gelernt und viele möchten etwas anderes abseits von Schule und Studium kennenlernen. Aber auch schon zu G9-Zeiten haben viele Abiturienten überlegt, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen und junge Männer mussten mit dem Wehr- oder Zivildienst eine „erzwungene“ Auszeit einlegen.

Bemerken Sie Unterschiede zwischen G8- und G9-Abiturienten?

Den Altersunterschied merke ich schon. Viele haben Schwierigkeiten, sich angesichts des großen Angebots an den Universitäten zu orientieren. Das hängt auch mit der Bologna-Reform zusammen, seitdem ist das Angebot an Studiengängen noch vielfältiger geworden. Oft haben sie Angst, sich für das falsche Studium zu entscheiden.

Welche Fragen bekommen Sie häufig gestellt?

Viele junge Menschen wissen schon genau, welchen Weg sie einschlagen wollen, brauchen aber noch Informationen, beispielsweise zu den Bewerbungsmodalitäten. Eine zweite Gruppe hat schon ein bestimmtes Berufs- oder Studienfeld im Kopf, ist sich aber innerhalb dieses Feldes noch unsicher. Hat sich jemand zum Beispiel für einen technischen Studiengang entschieden, weiß er vielleicht noch nicht, ob Maschinenbau oder Elektrotechnik besser zu ihm passt. Etliche Jugendliche haben aber noch gar keinen Plan, was sie nach dem Abitur machen möchten.

Wie sollte ein Abiturient seine freien Monate gestalten?

Andreas Neuner (Foto oben) ist Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in München. Er sagt, viele Abiturienten seien ratlos, was sie hinterher machen wollen.

Das kommt darauf an, ob er hier in Deutschland bleiben oder ins Ausland gehen möchte. Zuhause kann eine Mischung aus Jobben und Praktika sinnvoll sein, ergänzt um Weiterbildungskurse, in denen man etwa seine EDV-Kenntnisse verbessert. Wer gutes Tun möchte, kann sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder beim Bundesfreiwilligendienst bewerben. Wichtig ist, solche Engagements rechtzeitig zu planen. Genauso wie die Arbeit bei einem internationalen Freiwilligendienst, die meist für zwölf Monate in afrikanische Länder, Lateinamerika oder Ostasien führt. Au-Pair-Aufenthalte sind nach wie vor eine gute und kostengünstige Möglichkeit, längere Zeit im Ausland zu verbringen, die Tätigkeit kann auch gut mit Sprachkursen kombiniert werden. Wer sich dafür entscheidet, sollte aber schon Erfahrungen bei der Kinderbetreuung mitbringen, zum Beispiel durch ein Praktikum in einem Kindergarten. Dann gibt es natürlich Work-and-Travel-Programme, hier sind Ziele in Australien und Neuseeland sehr beliebt.

Aber sehen es spätere Arbeitgeber gerne, wenn jemand ein paar Monate Schafe in Australien geschoren hat?

Ich würde solche Aufenthalte nicht auf die Möglichkeit der späteren Verwertbarkeit prüfen. Es geht um eine Reifezeit, darum, Erfahrungen zu sammeln. Wer in Australien Schafe scheren möchte, kann das gerne tun. Hauptsache, die Auszeit ist gut geplant und man hat sich vorher überlegt, was man daraus mitnehmen will. Sehr ungünstig ist es, nichts zu tun und größere Lücken entstehen zu lassen.

Wenn ein Abiturient zwischen Studiengängen oder Ausbildungen schwankt, was raten Sie?

Es gibt viele Möglichkeiten, sich vorab zu informieren. Schnupper-Praktika zum Beispiel kann schon ein Schüler während der Ferien machen. Was ein Studium angeht, haben die Universitäten gute Informationsangebote, wie einen Tag der offenen Tür. Die drei großen Münchner Hochschulen haben in den vergangenen Herbstferien eine ganze Hochschulorientierungswoche organisiert, während der Studieninteressierte ausgewählte Vorlesungen besuchen konnten. Sich die Uni anschauen, sich in eine Vorlesung setzen, Studenten fragen – das ist natürlich auch unabhängig von solchen Veranstaltungen möglich.

Interview: Teresa Pancritius

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