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1300 Abiturienten fielen beim vergangenen Abitur durch.

Ministerium warnt in internem Schreiben

Abitur: Wieder Sorge um Durchfaller

München - Die Diskussion um die vielen Durchfaller beim Abitur 2012 hat das Kultusministerium vorsichtig gemacht. Vorsorglich wurden jetzt die Direktoren ermahnt, ein Auge auf potenzielle Kandidaten zu haben.

1300 Abiturienten fielen beim vergangenen Abitur durch – eine Zahl, die im Sommer Anlass für eine lebhafte Debatte auch über die Wiedereinführung des G9 war. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) reagierte – nachdem sein Chef Horst Seehofer Druck gemacht hatte – mit einem „Flexibilisierungsjahr“, einem Zusatzjahr für schwächere Schüler.

An die Debatte erinnert der Chef der Gymnasialabteilung im Kultusministerium, Walter Gremm, nun in einem Rundschreiben an alle Schulleiter in Bayern. Das Schreiben liegt unserer Zeitung vor. Die Schüler seien eine 1:1-Gewichtung von schriftlichen und mündlichen Prüfungen in der Abiturphase gewöhnt, schreibt Gremm. In der Abiturprüfung gelte jedoch weiter die 2:1-Gewichtung, „so dass Schwächen bei schriftlichen Leistungserhebungen hier stärker zutage treten“. Dieser Effekt werde von den Schülern „häufig falsch eingeschätzt“. Daher müssten die Oberstufenkoordinatoren „frühzeitig“ eine „deutliche und intensive Beratung“ der Schüler „über deren Erfolgsaussichten für die Abiturprüfung“ anstreben. „Vor allem Schülerinnen und Schüler mit großen Diskrepanzen zwischen den schriftlichen und mündlichen Leistungen brauchen Hinweise auf konkreten Nachholbedarf.“ Den Schülern müsse die Möglichkeit des freiwilligen Wiederholens aufgezeigt werden. Ausruhen auf Halbjahresergebnissen sei „keine erfolgversprechende Strategie für die Abiturprüfung“, mahnt Gremm.

Eine Wiederholung der Diskussion über das G9 gilt in der Staatsregierung als höchst unerwünscht. Nicht auszudenken, wenn die Durchfallerquote wenige Wochen vor der Landtagswahl wieder so hoch ausfallen würde und die Diskussion von vorne losgeht.

Die vom Kultusministerium eingeleiteten Neuerungen wie das „Flexi-Jahr“ greifen in diesem Jahr jedenfalls noch nicht, wie aus dem Schreiben hervorgeht. Momentan prüfen zwölf Gymnasien in Bayern, wie die von Spaenle versprochene „Individualisierung der Lernzeit“ umgesetzt werden könnte. Informationen über Modellprojekte „und konkrete Hinweise zur Umsetzung“ soll es erst im Februar nächsten Jahres geben. Eindringlich bittet Gremm die Schulleiter darum, die Schulen nicht als „Dauerbaustellen“ darzustellen. „Viel zu lange war das Gymnasium beliebter Spielball in medialen, verbandlichen und bildungspolitischen Auseinandersetzungen.“ Ein „pauschales Schlechtreden“ des Gymnasium dürfe es nicht geben.

Dass der Appell fruchtet, ist eher unwahrscheinlich. Die Landtags-Opposition ebenso wie der Philologenverband werden sich die Gelegenheit zum erneuten kritischen Hinterfragen des Gymnasiums kaum entgegen lassen, sofern die Durchfaller-Zahl weiter ansteigt. Auch ist das G9 anderswo im Kommen. In Hessen etwa will ein Drittel der Gymnasien umsteigen.

Dirk Walter

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