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Anton Huber

Abrechnung mit der Mittelschule

München - Kurz vor dem Start der bayerischen Mittelschule gibt es erneut Misstöne. Ein konservativer Standesvertreter hält das CSU-Konzept für falsch – und lobt demonstrativ Alternativplanungen der Freien Wähler.

Es soll der Rettungsanker für eine bedrohte Schulart sein: Zum kommenden Schuljahr werden rund zwei Drittel der gut 900 Hauptschulen in Bayern zu Mittelschulen umgestaltet – die restlichen folgen ein Jahr später. Eine Mittelschule muss die drei Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales anbieten. Kleinere Hauptschulen, die nur einen Zweig stemmen können, müssen sich zu Schulverbünden zusammenschließen. In vielen Kommunen hat das zu hitzigen Diskussionen geführt, welche Schulen zusammengeführt werden können und wo welcher Zweig angeboten wird. Dieses Kleinklein hält Anton Huber für überflüssig. „Wer die wohnortnahe Schule erhalten will, darf die Ausbildung nicht immer weiter differenzieren“, sagt der Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbands. Er befürchtet Schülertourismus – und nicht nur das. Auch die inhaltliche Gestaltung der Mittelschulen sei verfehlt. Vorbild müsse ein von den Freien Wählern entwickeltes Konzept sein. Die FW hatten vorgeschlagen, den Regelabschluss der Mittelschulen nach der 10. Jahrgangsstufe zu vergeben – statt wie bisher bei den Hauptschulen regulär nach der 9. Klasse zu enden. „Das hätte auch die Gleichwertigkeit der Mittel- mit der Realschule betont“, kritisiert Huber. Die Mittelschulen sollten sich auf die Kernfächer Deutsch, Mathematik und Englisch konzentrieren und hier bei den Stunden draufsatteln, rät Huber. Es reiche, wenn jede Schule einen statt gleich drei Profilbereiche anbiete. Doch die Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Lehrerverbände (AbL), deren Mitglied Hubers Verband ist, drang mit ihrem auf zehn Jahre angelegten Konzept einer „Berufsorientierten Mittelschule“ nicht durch. Ähnlich wie der Realschul-Fachmann hatte sich schon im Oktober CSU-Wirtschaftsexperte Erwin Huber geäußert – auch seine Kritik hatte Spaenle in den Wind geschlagen.

Anton Huber gilt als Konservativer in seiner Zunft – ein „Hardliner“, wie manche Schulreformer ätzen. Das ficht den Realschulrektor im niederbayerischen Eggenfelden nicht an. Bei der Mittelschule agiere vielmehr das Kultusministerium sehr altmodisch. Die verordnete Ausbildungsrichtung Wirtschaft sei nicht mehr zeitgemäß. Dass sich künftige Mittelschüler mit den Grundlagen von Rechungswesen und der Buchführung herumschlagen müssten, hält der Verbandsvorsitzende für verschwendete Zeit. „Buchungstechnik ist veraltet“, sagt Huber. „Heutzutage geht man eher in die Richtung eines betriebswirtschaftlichen Grundlagenwissens.“

Dirk Walter

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