Absage an ein bundesweites Abitur

München – Die Vorschläge des „Aktionsrats Bildung“ für ein bundesweites „Kernabitur“ werden in Bayern auf breiter Front abgelehnt. Dafür gibt es für die Verantwortlichen viele Gründe.

Sowohl CSU, SPD und Grüne als auch die großen Lehrerverbände sprachen sich gegen wesentliche Elemente des Vorschlags aus. Unterstützung kam einzig von der FDP.

Die Wissenschaftler um den Präsidenten der Hamburger Universität, Dieter Lenzen, hatten vorgeschlagen, neben den herkömmlichen Abiturprüfungen jeweils Ende April/Anfang Mai bundesweit einheitlich einen Prüfungstag zu installieren. An diesem Tag sollen Abiturienten in Deutsch, Englisch und Mathematik geprüft werden. Die Tests sollen je 90 Minuten dauern und mit zehn Prozent in der Abiturnote gewichtet werden. Die Ausrichtung der Prüfungen ist offen, die Wissenschaftler schließen jedoch auch komplexe „Multiple-Choice-Aufgaben“ nicht aus. Der „Aktionsrat Bildung“, den die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW) finanziert, forderte zudem, dass das Kernabitur im Zeugnis extra ausgewiesen wird. VBW-Präsident Randolf Rodenstock unterstützte die Vorschläge gestern ausdrücklich. Das Kernabitur erleichtere die Mobilität zwischen den Bundesländern.

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) erklärte, eine zusätzliche Prüfung sei für die Schüler „nicht vertretbar“. Auch SPD-Bildungssprecher Martin Güll wandte sich gegen „doppelten Stress für die Abiturienten“. Der Bayerische Philologenverband warnte vor „formalen und organisatorischen Schwierigkeiten“ – es sei unmöglich, deutschlandweit einen gemeinsamen Termin zu finden, sagte Verbandschef Max Schmidt. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband erklärte, Lernbedingungen der Schüler und Schulsysteme der Bundesländer seien zu unterschiedlich. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) warb dagegen für ein „Kernabitur“, ebenso FDP-Politiker. Aus bayerischer Sicht sei indes wichtig, dass es „keine Nivellierung nach unten“ gebe, betonte FDP-Bildungsexpertin Renate Will.

dw

Rubriklistenbild: © dpa

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