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Eine Gondel der Jenner-Seilbahn fährt auf dem undatiertem Foto von der Bergstation in das Tal hinab.

Neubau für 47 Millionen geplant

Abschied von einem Gondel-Urgestein: Letzte Fahrt der Jennerbahn

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Fast 64 Jahre lang hat die Zweier-Gondelbahn am Jenner bei Schönau am Königssee treu ihren Dienst getan. Seit Sonntag ist ihre Ära vorbei, sie weicht einem Neubau. Die Fans der Bahn nahmen gemeinsam Abschied.

Schönau – Bei der letzten Fahrt seiner Bahn ist der Chef allein an Bord. „So kann ich über gewisse Dinge nachdenken und die vergangenen Jahre Revue passieren lassen“, sagt Wilfried Däuber. Er ist seit 17 Jahren Betriebsleiter der Jennerbahn, die fast 64 Jahre in Schönau am Königssee (Kreis Berchtesgadener Land) ihren Dienst versehen hat.

Seit gestern ist damit Schluss. Die rustikalen Zweier-Gondeln weichen einem Neubau. Für fast 48 Millionen Euro wird das Jenner-Gebiet modernisiert – die brandneue Zehner-Gondelbahn soll ab Mai 2018 bis zu 1600 Menschen pro Stunde auf den Berg schaufeln, statt wie bisher maximal 500. Außerdem stehen den Skifahrern und Wanderern am Jenner zwei neue Sechser-Sessellifte und ein vergrößerter Gastronomiebereich an der Bergstation offen. Trotz aller Begeisterung für den Umbau, „ein bisschen Wehmut ist schon dabei“, gesteht Däuber. Der 61-Jährige ist in den engen Gondelkabinen der Jennerbahn praktisch aufgewachsen. Schon sein Vater war dort Betriebsleiter, Däuber selbst hat die Fahrt auf den Berg und zurück ins Tal über Jahrzehnte gut 250 Mal im Jahr gemacht.

„Ich will aber nicht rückwärts schauen“, sagt er. Auf die neue Bahn freut er sich, dann können auch Rollstuhlfahrer und Kinderwagen auf den Berg. Und die Wartezeit für die Besucher soll deutlich schrumpfen – zu Stoßzeiten standen die Gäste bei der alten Bahn schon mal eine Stunde in der Schlange. Angst, dass der Jenner bald von Touristenmassen überlaufen wird, hat Däuber aber nicht. Er rechnet mit moderaten 20 bis 30 Prozent Besucherzuwachs in den kommenden Jahren.

Dann wirft der Betriebsleiter doch noch einen Blick in die Vergangenheit. „Eng und kuschelig war es“, sagt er über die alten Gondeln. „Aber wenn es im Sommer draußen 30 Grad hatte, dann waren es drinnen 50 Grad“. Und: „Wenn wir bei starkem Wind Sonderfahrten machen mussten, sind wir an jeder Stütze vorbei ganz langsam gefahren.“ Die Fans der Jennerbahn schreckt das nicht: Trotz des zunächst schlechten Wetters sind am Sonntagnachmittag mehr als 300 Besucher gekommen, um die treue, alte Bahn bei Brotzeit und Blasmusik noch einmal hochleben zu lassen. Pünktlich zur finalen Fahrt kam dann die Sonne raus. Däuber freut das am letzten Betriebstag sehr, sagt er: „Das ist ein würdiger Abschied.“

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