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Seit Weihnachten schwanken die Temperaturen gravierend - am Wochenende geht's so weiter.

Mensch und Tier leiden darunter

Achterbahn-Temperaturen am Wochenende

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München - Samstag Frühling, Sonntag Winter. Da soll einer noch durchblicken. Die Temperaturen springen zur Zeit, wie’s ihnen gerade passt. Das macht manchen Menschen körperliche Probleme. Und manche Tiere bringt’s völlig aus der Fassung.

Spannend wird’s, davon ist Markus Erlwein überzeugt, spannend wie selten. „So eine Situation hatten wir einfach noch nie“, sagt der Mann vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Und dann fällt das alles auch noch mit der Stunde der Wintervögel zusammen, wenn Zehntausende von Vogelfreunden zuschauen. Puh.

Noch aufgeregter als Erlwein sind wohl nur die Vögel, denen das wild gewordene Wetter der vergangenen Wochen zu schaffen macht. Erlweins Spannung hat mit beidem zu tun.

Mindestens seit Weihnachten schwanken die Temperaturen im ganzen Land. Zunächst war’s einigermaßen mild, dann kam der Zweite Feiertag – und mit ihm eisige Temperaturen und Schnee. So ein Auf und Ab steht jetzt wieder an: Für Samstag sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) bis zu 15 Grad vorher, am Sonntag fallen die Temperaturen dann wieder auf fünf Grad. Zugvögeln wie dem Star bereitet das echte Probleme. Denn er weiß nicht, ob er gen Süden ans Mittelmeer ziehen soll oder nicht.

Der erste Kälteeinbruch an Weihnachten traf die Stare hart. Bis dahin hatten sie genug zu fressen gefunden, dann plötzlich nichts mehr. „Teils sind ganze Schwärme zu den Leuten in die Gärten gekommen, um Essbares zu finden“, sagt Erlwein. 20, 30 Vögel, im Garten, wirklich wahr. Jetzt hocken sie da, Erlwein hat die Gartenbesitzer gebeten, die armen Tiere zu füttern. Spannend wird nun das Wochenende. Wie verhalten sich die Tiere, wenn’s plötzlich warm und genauso plötzlich wieder kalt wird? Heben sie ab? Bleiben sie? Wie Erlwein sagt: Ist so noch nicht da gewesen. Spannend.

Die Meise ist derweil auf ganz andere Art verwirrt. Sie glaubt nämlich an den Frühling – und brütet hier und da schon jetzt Eier aus. Das Problem dabei: Noch fehlen die Insekten, deren Proteine die Kleinen dringend für ihr schnelles Wachstum benötigen. „Die Elterntiere versuchen, ihren Nachwuchs mit Körnern hochzuziehen“, sagt Sophia Engel vom LBV. Keine Chance, die Körner sind noch nichts für die jungen Mägen. „Nach zwei Tagen sind die Tiere meist tot.“

So radikale Folgen hat unsereins nicht zu befürchten. Aber auch wir reagieren auf heftige Temperaturschwankungen. Prof. Angela Schuh beschäftigt sich an der LMU München mit dem Einfluss von Wetter auf den Menschen. Besonders stark sei zu spüren, wenn die Temperaturen nach unten gingen. Wetterfühlige – und das betrifft die Hälfte der Bevölkerung – neigen dann zu Kopfschmerzen oder schlafen schlecht. Schuh spricht von einem „subjektiven Unwohlsein“, das sich nicht messen lässt – aber da ist.

Der Grund ist relativ einfach: „Wir sind nicht abgehärtet genug. Der Körper verlernt das.“ Mit Kneippschen Anwendungen oder regelmäßigen Saunagängen lässt sich der Körper trainieren. Auch Sport ist gut, aber in Maßen. „Die Übertrainierten“, sagt Schuh, „sind oft auch wetterfühlig.“ Auch Menschen mit Herz- und Gefäßerkrankungen oder Rheuma spüren das Auf und Ab der Temperaturen sehr deutlich. „Sie sollten langsam machen“, sagt Schuh. Gerade an diesem Wochenende.

Das geht zwar vorbei. Aber ausgestanden ist damit noch nichts – weder für Mensch noch für Tier. Volker Wünsche vom DWD sagt: „So ein Hin und Her mit den Temperaturen wird’s auch in den folgenden Tagen noch geben.“ Markus Erlwein wird’s vielleicht positiv sehen: So ein Wetter bietet noch mehr Möglichkeiten, Vögel in Ausnahmesituationen zu studieren.

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