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Turteln in der Frühlingssonne: Im Frühjahr kommt der Hormonhaushalt in Bewegung. Doch auf die Sonne müssen wir noch etwas warten – erst gibt der Winter noch einmal ein Zwischenspiel.

Am Sonntag

Frühlingsanfang: Jetzt wird geackert, geturtelt, gezwitschert

München - Schluss mit dem Winter? Am 1. März beginnt der meteorologische Frühling. Was für die Landwirte viel Arbeit bedeutet, ist für Mensch, Tier und Pflanzen vor allem ein natürlicher Weckruf. Aber das Wetter bleibt leider noch unbeständig.

Ackern

„Im Märzen der Bauer, Sie wissen schon“, sagt Ferdinand Schmid und lacht. Die Rösslein spannt der 60-jährige Landwirt aus Breitenau (Kreis Dachau) zwar nicht mehr ein, aber trotzdem geht es jetzt langsam wieder los auf den Feldern. „Gülle ausfahren und Getreide andüngen“, das steht jetzt und in den nächsten Wochen bei den Schmids auf dem Plan. Und dass gestern zumindest kurzfristig die ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen dazukamen, macht den Arbeitsalltag gleich viel schöner. „Da wird die Seele wieder viel leichter“, sagt Schmid und lacht.

Morgen geht aus Sicht der Meteorologen der Winter zu Ende. Zu warm war sie, die kalte Jahreszeit, wenn es nach den Wetterexperten geht (siehe Kasten). Für Ferdinand Schmid kein Problem: „Ich kann nicht meckern.“ Der 60-Jährige, der einen mittleren Landwirtschaftsbetrieb mit 40 Hektar führt, spricht von einem normalen Winter. In den kalten Monaten war endlich Zeit für alles, was über das Jahr so angefallen ist: „Reparaturen von Maschinen oder am Stall.“ Und für die Klauenpflege seiner Milchkühe. Außerdem muss natürlich die Biogasanlage das ganze Jahr über im Auge behalten werden. Darum kümmert sich sein 30-jähriger Sohn, der gerade am Ende seiner Meisterausbildung steht.

Bis es so richtig losgeht auf Bayerns Feldern, dauert es allerdings noch ein bisschen. „Im Moment laufen vor allem Vorplanungsarbeiten“, sagt Stefanie Härtel vom Bayerischen Bauernverband. Das bedeutet: Bestände sichten, Düngung planen, dem Unkraut an die Wurzel gehen. „Wenn der Boden abgetrocknet ist, können die ersten Sommergetreide gesät werden.“ Mitte bis Ende März könnte es soweit sein, wenn das Wetter mitspielt. Das soll allerdings erst noch einmal ungemütlicher werden in den nächsten Tagen. Erst schneit es wieder, bevor sich der Frühling durchsetzen kann.

Wenn es aber soweit ist, reagiert nicht nur die Landwirtschaft. Pflanzen und Tiere erwachen und auch aufs menschliche Gemüt hat der Frühling erheblichen Einfluss.

Turteln

„Das Entscheidende ist das Licht. Die Tage werden länger, die Nächte kürzer“, sagt Hormonexperte Helmut Schatz. Das Licht unterdrückt das Schlafhormon Melatonin. Die Menge verringert sich, wenn die Nächte kürzer werden. „Dadurch allein sind Sie schon frischer.“ Der Ausstoß des Glückshormons Serotonin geht hoch, ebenso des Dopamins, das das Herz ankurbelt. „Es sind nicht die Geschlechtshormone, die im Frühling das Turteln bewirken, sondern es ist ein ganzes Potpourri von Ursachen“, erklärt Schatz. Hellere Farben, optische Reize, Gerüche. Wenn der Schnee schmilzt und Erde vermodertes Gras freigibt, bemerkt der Mensch das Neue und Frische.

Doch so manchen macht der Frühlingsanfang gar nicht glücklich: „Wenn Sie angeblich eine Frühjahrsmüdigkeit haben, kann das oft eine sogenannte larvierte, also verdeckte Depression sein“, sagt Schatz. Im Einzelfall könnte es zwar durchaus eine solche Frühjahrsmüdigkeit geben – „aber nur für etwa eine Woche, eventuell infolge eines Melatonin-Überhanges noch aus der dunkleren Zeit“.

Zwitschern

Ein verlässliches Zeichen für den nahenden Frühling ist das Vogelgezwitscher. Immer mehr Störche, Kraniche und Gänse sind sicht- und hörbar, wie Julian Heiermann, Zoologe beim Naturschutzbund Deutschland, erläutert. Tiere insgesamt würden jetzt aktiver – „um einen potenziellen Paarungspartner ausfindig zu machen, aber auch, um lästige Konkurrenten loszuwerden“. Stichwort Revierkämpfe und Streitereien ums Weibchen.

Wie beim Menschen ist die Tageslänge wichtig für das Erwachen. Die Aktivität von Insekten als wechselwarme Tiere werde „maßgeblich“ von der Außentemperatur bestimmt, sagt Heiermann. Tiere, die sich im Winter verstecken, hätten zudem eine innere Uhr, etwa der Igel.

Sprießen

Schneeglöckchen und Krokus sind die Boten des Frühlings. Sie bilden unter der Erde Speicherorgane, um Stoffe für das rasche Austreiben und die Bildung von Blüten bereitzustellen – und sprießen deshalb besonders früh im Jahr. Genau wie beispielsweise das Frühlingshungerblümchen und der Dreifinger-Steinbrech, wie Thomas Janßen vom Institut für Biologie der Humboldt-Universität in Berlin erläutert.

Einerseits sorgen Vorgänge im Inneren der Pflanze dafür, dass sich Blüten bilden. Auf der anderen Seite kommen Umwelteinflüsse wie Licht und Temperatur hinzu. „Viele Pflanzen benötigen eine gewisse Tageslänge, das heißt eine bestimmte Lichtintensität über einen gewissen Zeitraum pro Tag, um blühen zu können.“ Der Frühling bietet dafür hervorragende Voraussetzungen.  

dg/dpa

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