Die Gelben Engel – hier Reinhold Gallner (l.) und Florian Fröhmer, bekommen neue Kollegen. Der ADAC will 100 neue Straßenwachtfahrer einstellen.

Anspruchsvollere Pannen, weniger Helfer

Der ADAC sucht Gelbe Engel

München - Der Fachkräftemangel erreicht auch den ADAC. Der Automobilclub sucht 100 erfahrene Kfz-Experten für den Traumberuf Gelber Engel.

Florian Fröhmer hatte als Kfz-Meister bereits seine eigene Kfz-Werkstatt, als er die Selbstständigkeit wieder mit einer festen Stelle vertauschte. Er heuerte beim ADAC als Straßenwachtfahrer an. „Es macht Spaß zu helfen“, sagt er. „Und wenn man geholfen hat, muss man keine Rechnung schreiben“, fügt er hinzu. Ein Traumberuf für den 38-jährigen Gelben Engel, der nun 100 zusätzliche Kollegen bekommen soll.

Es spricht für einen härteren Wettbewerb um gut ausgebildete Kfz-Praktiker, dass der ADAC um Mitarbeiter werben muss. Denn der Autoclub gilt als begehrter Arbeitgeber. Aber er kann immer noch hohe Anforderungen an die Bewerber stellen. „Je mehr Berufserfahrung, umso besser“, sagt Dieter Michel, Leiter der ADAC-Pannenhilfe Süd. Gefordert ist auch Einfühlungsvermögen. „Man darf kein Stinkstiefel sein“, sagt Straßenwachtfahrer Fröhmer.

Und außergewöhnliche Arbeitszeit darf man auch nicht scheuen. Schichtdienst ist Alltag. Von sechs Uhr früh bis ein Uhr nachts, sind die Gelben Engel im Dauereinsatz. Auch der Heilige Abend und der Neujahrsmorgen sind Einsatzzeiten. Macht der Schichtdienst auf die Dauer mürbe? Reinhold Gallner (58) schüttelt den Kopf. Ich sehe das als Vorteil“, sagt er. Er muss es wissen. Seit 35 Jahren ist der Kfz-Mechaniker für den ADAC unterwegs.

War das Leben als Straßenwachtfahrer früher einfacher? „Die Arbeit ist die Gleiche“, sagt Reinhold Gallner. Doch die Pannen haben sich geändert. Verschlissene Unterbrecherkontakte, früher eine der Hauptursachen fürs Liegenbleiben am Straßenrand, gibt es in neuen Autos gar nicht mehr. Gallner hat aber immer noch Ersatz dabei und auch andere Ersatzteile für ältere Autogenerationen. „Im März kommen die Oldtimer wieder raus“, sagt er lachend. „Da kann man alles wieder brauchen.“

Heute ist – wenn es nicht gerade um platte Reifen oder entladene Batterien geht – die Elektronik das Sorgenkind der Gelben Engel. Denn die Computertechnik hat sich in Cockpit und Motorraum ausgebreitet. Zwar haben die Straßenwachtfahrzeuge die modernsten Diagnosegeräte an Bord. Doch die liefern in der Regel nur die Information, wo man weiter suchen muss, sagt Reinhold Gallner. Oft ist eine gelöste Masseverbindung der Grund warum ein Auto einfach nicht mehr will. Man muss nur suchen. Meist mit Erfolg: In 85 Prozent der Fälle konnte das Auto 2012 nach der Hilfe wieder fahren.

Auch die moderne Motorentechnik macht den Gelben Engeln das Leben schwerer. Früher blieben Diesel-Autos in strengen Wintern immer einmal liegen, weil der Treibstoff versulzt war. Etwas Benzin oder Petroleum als Treibstoffbeimischung machte sie wieder flott. Heute würden die flüssigeren Treibstoffe die Einspritzanlage ruinieren. So hilft nur noch langsames Erwärmen in beheizten Räumen. Immerhin 7000 Mal war das während der strengen Frostperiode Anfang Februar 2012 der Fall. „Bei Eis und Schnee ist es nicht so schön“, sagt Florian Fröhmer.

Was bekommen Straßenwachtfahrer für ihren unermüdlichen Einsatz? 2600 Euro im Monat als Einstiegsgehalt plus Schichtzulage, sagt Dieter Michel. Dazu nennt er einen weiteren Vorteil: „Die Acht-Stunden-Schicht beginnt, wenn man daheim in der Garage ins Auto steigt.“

In Erinnerung bleiben kuriose Begebenheiten, meist um im Auto eingesperrte Schlüssel. Manchmal kann auch ein Gelber Engel nicht helfen. So stand eine Frau weinend am Straßenrand, während Reinhold Gallner den geplatzten Reifen samt kaputter teurer Alu-Felge wechselte. „Ist doch nicht so schlimm“, versuchte der ADAC-Mann sie zu trösten. „Das nicht“, schluchzte die Autofahrerin. „Aber es ist die dritte in diesem Monat.“

Martin Prem

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