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Viele Flüchtlinge denken, der Erste an der Kreuzung hat Vorfahrt. Sie kennen kein Rechts vor Links, haben noch nie von einem toten Winkel gehört – und sind damit im Straßenverkehr sehr gefährdet. Die ADAC-Stiftung will das ändern. In einer Testphase bietet sie Verkehrskurse für Asylbewerber an.

ADAC-Stiftung organisiert Verkehrskurse

Regeln, die Asylbewerbern Leben retten können

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München - Derzeit sind die Schulungen noch in der Testphase. Angelika Lange von der ADAC-Stiftung "Gelber Engel" ist sich aber sicher: Asylbewerber sollten in Verkehrsregeln geschult werden.

Trotz rotem Blinklicht wollte im Januar ein 18-jähriger afghanischer Asylbewerber in Eggenfelden an einem Bahnübergang über die Gleise radeln. Er wurde vom Zug erfasst und starb. Solche Polizeimeldungen möchte Angelika Lange (35), Managerin der ADAC-Stiftung „Gelber Engel“, nicht mehr lesen. Deshalb bietet sie Verkehrsschulungen für Asylbewerber an – derzeit noch in einer Testphase. Doch schon nach dem ersten Kurs in Odelzhausen (Kreis Dachau) weiß sie: Es gibt viele wichtige Regeln, die die Flüchtlinge nicht kennen.

Warum hat die ADAC-Stiftung das Projekt ins Leben gerufen?

Angelika Lange (35)

Die Asylbewerber sind von ihrem ersten Tag in Deutschland an Verkehrsteilnehmer. Wir hören oft von Unfällen, die darauf zurückzuführen sind, dass die Menschen ein ganz anderes Verhalten gelernt haben. Sie denken zum Beispiel, dass derjenige Vorfahrt hat, der zuerst an einer Kreuzung ankommt. Wenn sie unsere Verkehrsregeln nicht kennen, ist es sehr gefährlich, wenn sie Fahrrad fahren.

Was müssen Flüchtlinge im Straßenverkehr am dringendsten lernen?

Die Vorfahrtsregeln, das Verhalten an Ampeln und an Zebrastreifen und, wie Fußgänger- und Radwege genutzt werden dürfen. Vielen Flüchtlingen ist auch der tote Winkel bei einem Lastwagen völlig unbekannt. Es ist sogar vorgekommen, dass Asylbewerber mit einem Rad auf der Autobahn gestoppt wurden. Für uns ist so ein Verhalten unerklärlich – aber sie wissen eben einfach nicht, dass das streng verboten und lebensgefährlich ist. Neu ist für viele auch, dass bei uns Verkehrsverstöße streng geahndet werden – aus ihren Herkunftsländern kennen sie das oft nicht.

Jetzt liefen die ersten Kurse in Odelzhausen. Waren die Flüchtlinge interessiert?

Ja sehr, der Andrang war groß und alle haben aktiv mitgearbeitet, diskutiert und hatten ein positives Gruppenerlebnis. Es besteht ein großer Bedarf an Verkehrsschulung für Flüchtlinge. Unser Faltblatt zu den wichtigsten Verkehrsregeln in Deutschland wurde in den vergangenen vier Monaten bereits mehr als 200 000 Mal bestellt.

Wie soll die Zusammenarbeit mit den Helferkreisen aussehen?

Die Helferkreise leisten Unglaubliches, wir wollen sie unterstützen und beim Thema Verkehrserziehung entlasten. Deshalb haben wir uns das ehrgeizige Ziel gesetzt, flächendeckend in Deutschland Asylbewerbern Theoriewissen beizubringen. Unsere Zielgruppe sind Frauen und Männer zwischen 18 und 35 Jahren. Sie sind wichtige Multiplikatoren, die Kindern und anderen Flüchtlingen die Regeln weitergeben können.

Wie sind die Kurse ausgerichtet?

Unser Theoriekurs soll kein langweiliger Frontalunterricht sein. Wir verzichten bewusst auf Übersetzer, sondern erklären mit Piktogrammen, Gesten, einem Film, Magnet-Tafeln und Symbolen. Wir begegnen den Flüchtlingen auf Augenhöhe und nicht mit erhobenem Zeigefinger. Bei uns sind manche Verkehrsregeln eben anders als in ihren Herkunftsländern. Männer und Frauen werden gemeinsam unterrichtet. Ein Kurs ist ausgerichtet für 20 Teilnehmer, dauert 90 Minuten und wird von zwei ausgebildeten Pädagogen geleitet.

Wie soll es mit den Kursen weitergehen?

Wir sind jetzt in der Pilotphase. Wir machen erstmal zehn Schulungen, um zu testen, wie es funktioniert. In Odelzhausen fand der erste Kurs statt, nächste Woche sind wir bei Helferkreisen im Kreis München. Langfristig wollen wir das Projekt bundesweit ausweiten – auf alle Gemeinden, in denen es Flüchtlingsunterkünfte gibt. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, ich hoffe, wir können es im Herbst realisieren. Unsere 18 Regionalclubs scharren jedenfalls schon mit den Füßen.

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