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Im Innenhof des Schlosses feierte der Manager mit 150 Gästen seine Party.

Manager mietete Neuschwanstein für privates Fest

Ärger um Party im Kini-Schloss

Schwangau - Für ein rauschendes Fest gibt es ja viele schöne Örtlichkeiten. Aber Neuschwanstein - das wär schon was ganz Besonderes. Genau das dachte sich der ehemalige Boss eines großen Chemiekonzerns.

Als der Manager bei der Schlossverwaltung anfragte, ob er Ludwigs Prachtbau für seine Privatparty mit 150 Gästen mieten könne, bekam er eine Zusage. Das Fest stieg - genauso aber auch die Wut bei einigen Schwangauern. Die befürchten jetzt nämlich, dass Deutschlands berühmteste Sehenswürdigkeit zum Party-Bau für Großkopferte verkommt. In den Innenhof des Schlosses hatte der reiche Manager vor gut drei Wochen seine Gäste geladen. Und dafür mächtig geblecht: „Eine  zweckgebundene Zuwendung“ in Höhe von 340 000 Euro legte er für das Party-Privileg auf den Tisch, dazu kamen noch 32 500 Euro Miete und 2500 Euro fürs Personal.

„Diese Summe war natürlich schon verlockend für uns“, gibt Jan Potthast, Pressesprecher der bayerischen Schlösserverwaltung, ehrlich zu. „Mit dem Geld konnte die Restaurierung historischer Textilien im Schloss vorgenommen werden.“ Da das Fest nur im Innenhof stattfand, habe nie die Gefahr bestanden, dass das historische Gebäude Schaden nimmt. „So kam es auch zu dieser Sondernutzung“, erklärt Potthast. „Das wird ein seltener Einzelfall bleiben.“

Sondernutzungen sollen nicht zur Regel werden

Das hofft auch Schwangaus Bürgermeister Reinhold Sontheimer. Er fordert, dass solche Privatveranstaltungen keinesfalls überhand nehmen dürfen. Bei den Bürgern im Ort ist die Meinung deutlich: „Die Reichen lassen sie da oben feiern, uns nicht.“ Ein Vorwurf, der nur bedingt stimmt. Was viele nicht wissen: In Neuschwanstein ist der Zwei-Säulen-Saal für jedermann zu mieten - zusammen mit der historischen Küche. Der Preis pro Veranstaltung: Jeweils 1000 Euro für die zwei Räume - dazu kommen noch die Nebenkosten für Catering, Strom und Heizung. Ach ja, um einen Transfer der Gäste aufs Schloss muss man sich noch kümmern, denn Parken ist dort streng verboten.

„Der Vorwurf, dass Neuschwanstein nur für Millionäre zur Verfügung stehe, ist also nicht richtig“, erklärt Potthast. Aber gleich den ganzen Innenhof mieten? „Über Sondernutzungen muss man sich separat unterhalten. Aber das wird sicher nicht die Regel.“ Und es muss ja nicht immer Neuschwanstein sein. Auf ihrer Internetseite bietet die Schlösserverwaltung so ziemlich jedes historische Bauwerk im Freistaat zur Vermietung an (siehe auch unten) - von der Burg Trausnitz in Landshut bis zur Würzbuger Residenz. Mit Preisliste.

Diese Schlösser und Burgen können Sie mieten

Das Mieten von Residenzen und Burgen für Feste oder Empfänge bietet die Schlösserverwaltung auf ihrer Internetseite schon lange an (www.schloesser.bayern.de). Hier einige Preisbeispiele:

Der Weiße Saal auf der Burg Trausnitz (Landshut) kostet für eine gesellschaftliche Nutzung 600 Euro Miete pro Veranstaltung. Dazu kommen noch die Nebenkosten (Strom, Heizung, Putzdienst etc.).

Der Fürstensaal in der Residenz in Würzburg ist für 1500 Euro (mit Foyer) zu haben - plus Nebenkosten.

Der Große Saal im Schloss Schleißheim ist gesellschaftlich für 7500 Euro zu mieten (plus Nebenkosten).

Das Eiserne Haus in Schloss Nymphenburg kostet 450 Euro an Miete - auch hier natürlich plus Nebenkosten.

Der schöne Kaisersaal in der Kaiserburg Nürnberg kostet pro Veranstaltung 1600 Euro Miete.

Armin Geier

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