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Bayerns Kultusminister im Kreuzfeuer: Schüler konfrontieren Piazolo mit ihrem Frust - und äußern Wünsche

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Von: Katrin Woitsch

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Kultusminister Michael Piazolo sitzt mit sieben bayerischen Schülern zu einem Gespräch im Münchner Presseclub
„Wird dieser Winter genau wie der letzte?“ Fragen wie diese stellten die Schüler Bayerns Kultusminister Michael Piazolo im Münchner Presseclub. © Marcus Schlaf

Bei vielen Schülern ist der Frust groß: monatelanges Homeschooling, Lehrpläne, in denen ihnen wichtige Themen fehlen –und bald wohl wieder Maskenpflicht im Unterricht. Einige Jugendliche bekamen nun die Gelegenheit, ihre Wünsche und ihren Ärger auszusprechen. Ihr Gesprächspartner: der Kultusminister persönlich. Und auch er hat Fragen an die Schüler.

Krisengespräche ist Michael Piazolo (Freie Wähler) inzwischen gewohnt – doch selten sind seine Gesprächspartner so jung wie an diesem Nachmittag. Er sitzt mit sieben Schülern im Teenager-Alter im Münchner Presseclub. Sie alle hatten sich im Sommer an einem Schreib-Wettbewerb des Vereins „Werterhalt & Weitergabe“ beteiligt und dafür ein Thema gewählt, das ihnen wichtig ist. Bayerns Kultusminister war Schirmherr des Projekts. Doch die Schüler wollten ihm die Aufsätze nicht nur übergeben – sondern mit ihm sprechen. Über ihren Frust, ihre Sorgen, ihre Wünsche.

Fiona Eder schildert Piazolo, wie ihr Schulalltag im vergangenen Winter aussah. „Nie war klar, ob und wann wir wieder in den Distanzunterricht müssen. Ständig mussten wir für Schulaufgaben lernen, die im letzten Moment dann nicht stattfinden konnten. Es war ein einziges Hin und Her.“ Sie macht eine Pause und stellt dann die Frage, die vermutlich viele bayerische Schüler beschäftigt: „Wird dieser Winter genauso werden? Oder gibt es dieses Mal langfristige Pläne?“

Ich versteh das nicht, wir leben jetzt seit über einem Jahr mit Corona, wir wussten doch, dass die Zahlen irgendwann wieder steigen.

Schülerin Fiona Eder

Mit einem klaren Ja kann ihr der bayerische Kultusminister nicht antworten. Er holt etwas aus, berichtet von der Kultusministerkonferenz im März 2020 – wie schwer die Lage damals einzuschätzen war, wie hart den Politikern die Entscheidung fiel, die Schulen zu schließen. „Entscheidungen müssen oft sehr schnell fallen“, sagt Piazolo. „Wir wissen jetzt noch nicht, wie die Situation im Dezember sein wird.“ Das ist nicht die Antwort, auf die Fiona gehofft hatte. „Ich versteh das nicht, wir leben jetzt seit über einem Jahr mit Corona, wir wussten doch, dass die Zahlen irgendwann wieder steigen.“

Piazolo stellt sich diesem Frust, er hört sich den Ärger zwei Stunden lang an, erklärt Entscheidungen, betont, wie wichtig ihm die Sicherheit der Schüler sei. Es geht an diesem Nachmittag nicht nur um die Pandemie. Johannes Heinloth wünscht sich für alle Schüler Tablets im Unterricht – um Papier zu sparen. Fabian Ernstberger fordert Piazolo auf, mutiger zu sein, Neues auszuprobieren und gemeinsam mit Schülern Konzepte zu entwickeln. Vor allem wünscht er sich Nachhaltige Entwicklung als Fach im Lehrplan. „Das steckt in allen Fächern drin“, sagt Piazolo. „Als Schüler merkt man davon aber nichts“, sagt Ernstberger. Piazolo erklärt, dass das Kultusministerium den Schulen bei der Umsetzung bewusst Freiräume lässt – dass sie aber nicht überall gleich gut genutzt werden. „Neues wird sehr genau überlegt“, sagt Piazolo. „Ihr glaubt nicht, wie oft wir dafür manchmal im Landtag diskutieren.“

Ohne das Handy-Verbot würden viele in den Pausen nur aufs Handy schauen.

Schülerin Greta Weber

Auch der Kultusminister hat Fragen. Zum Beispiel, wer von den Teenagern bereits den Medienführerschein an der Schule gemacht hat. Maria Schilcher berichtet ihm, dass sie davon noch nie gehört habe – genau wie von anderen Projekten, von denen die Jugendlichen erzählen. „Schade, dass bei uns so wenig ankommt“, sagt sie. Wie die Schüler zum Handyverbot in den Schulen stehen, möchte Piazolo wissen. Denn: „Darüber machen wir uns zur Zeit viele Gedanken.“ Nicht alle der sieben Schüler fänden es gut, wenn das Verbot gekippt wird. „Viele würden dann in den Pausen nur aufs Handy schauen“, sagt Greta Weber. „Schule sollte aber ein Ort der Begegnung sein.“

Auseinander gehen die Meinungen der Schüler auch bei der erneuten Maskenpflicht im Unterricht, die wohl nach den Herbstferien kommt. „Wir Schüler werden regelmäßig getestet“, betont Fabian Ernstberger. Es sei unverhältnismäßig, wenn in Schulen durchgehend Maske getragen werden müsse, in so vielen anderen Lebensbereichen aber nicht. Maria Schilcher findet die medizinischen Masken unproblematisch. Greta Weber gibt ihr recht, ergänzt aber: „Letztes Jahr mussten wir alle Prüfungen mit FFP2-Maske schreiben. Das war wirklich sehr anstrengend.“

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