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Der Schlauch, der im Bauch zurückblieb: Diese Aufnahme zeigte das ZDF.

Ärztefehler erst Monate später entdeckt

Schlauch bleibt im Bauch von Eliane S.

Wasserburg - Ein etwa 20 Zentimeter langes Schlauchstück, das nach einer OP versehentlich in ihrem Bauch zurückblieb, hat einer Frau aus Kolbermoor lange Zeit Schmerzen bereitet. Erst Monate später wurde es im Unterleib entdeckt.

Der Eingriff verlief zunächst völlig unproblematisch. Eliane S. aus Kolbermoor war im November 2011 im Romed-Klinikum Wasserburg (Kreis Rosenheim) operiert worden, weil sie über Unterbauchbeschwerden geklagt hatte. Die Ärzte führten eine Gebärmutter- und Bauchspiegelung, verbunden mit einer Ausschabung, durch. Dass zum Abschluss einer Bauchspiegelung eine Drainage gelegt wird, damit Wundsekret und Blut abfließen können, ist bei solchen Eingriffen üblich. So können Nachblutungen beobachtet werden.

Die 44-Jährige wurde schließlich entlassen – doch die Schmerzen ließen nicht nach. Die Patientin kam zwei Wochen später wieder. Die Beschwerden führten die Ärzte auf OP-Nachwirkungen zurück und schickten Eliane S. wieder heim, nachdem eine weitere gynäkologische Untersuchung und ein Ultraschall nichts Auffälliges ergeben hatten.

Wieder gingen die Schmerzen nicht weg. Deshalb wurde die Frau sieben Wochen später erneut stationär in Wasserburg aufgenommen. Der behandelnde Arzt riet zu einer weiteren Bauchspiegelung. Doch dazu wollte sich die Kolbermoorerin nicht mehr durchringen – und kam nicht wieder. Ende Februar, also weitere sechs Wochen später, ließ sie sich schließlich in die Notaufnahme der Uni-Klinik in München-Großhadern einliefern. Dort wurde das Schlauchstück per Computertomographie entdeckt und entfernt.

Nachdem das ZDF am Freitag über den Fall berichtet hatte, bedauerte die Wasserburger Klinik am Wochenende in einer Pressemitteilung den „unglücklichen Behandlungsverlauf“ und die Tatsache, „dass wir die Ursache für die Beschwerden der Patientin trotz sorgfältiger Untersuchungen nicht erkannt haben und sie deshalb über einen längeren Zeitraum Schmerzen ertragen musste“.

Laut Klinik wurde der 30 bis 35 Zentimeter lange Schlauch bei der Operation eingebracht und zwei Tage später gezogen. Dabei muss der Schlauch gerissen sein. Das könne durchaus vorkommen, räumen Gutachter ein: „Der Abriss eines Endstückes ist trotz aller Sorgfalt nicht immer vermeidbar“, heißt es in der Fachliteratur. Der Arzt vom Romed-Klinikum beteuert, es habe weder Hinweise auf einen Riss gegeben noch habe er einen erhöhten Widerstand beim Entfernen des Schlauches gespürt. Deshalb sei der Schlauch wie üblich noch am Krankenbett entsorgt worden – die Vollständigkeit wurde nicht kontrolliert.

Von einer Computertomographie, die in München ja zur Klärung der Beschwerden führte, habe man abgeraten, als Eliane S. erneut über Schmerzen geklagt hatte. Bei gynäkologischen Fragestellungen könne diese Untersuchungsmethode in der Regel nicht wesentlich zur Befundabklärung beitragen. Außerdem stelle sie eine nicht unerhebliche Strahlenbelastung für die Patientin dar. Abgesehen davon hätte man nach Angaben des Klinikums das Schlauchstück beim zweiten stationären Aufenthalt der Frau entdeckt, wenn es zu der – von den Ärzten vorgeschlagenen, aber von der Patientin abgelehnten – zweiten Bauchspiegelung gekommen wäre.

Wie Eliane S. bestätigt, hat sich das Klinikum bei ihr inzwischen entschuldigt. Sie hat auch in den Augen der Klinik einen Anspruch auf Schmerzensgeld. Ihr sei schon im Juli ein Entschädigungsbetrag angeboten worden, die Vergleichsverhandlungen laufen, heißt es aus der Klinik. Gleichzeitig habe man eine Drainage des verwendeten Typs an das Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medikalsicherheit eingeschickt. Grund: Auf den Bildern vom Schlauchstück seien keine Anzeichen von Rissspuren zu erkennen.

Ludwig Simmeth

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