Affäre Bad Reichenhall: Soldaten überfordert

Bad Reichenhall - Das Verteidigungsministerium verzichtet in der Bundeswehr-Affäre auf disziplinarrechtliche Schritte. Ein entsprechendes Schreiben liegt dem Münchner Merkur vor.

Die Affäre rund um den Tag der offenen Tür in der Bad Reichenhaller Kaserne bleibt ohne disziplinarrechtliche Folgen. Disziplinarmaßnahmen seien „nicht beabsichtigt“, heißt es in Unterlagen aus dem Verteidigungsministerium. Offenbar gab es aber einen Rüffel für die Kommandeure von Gebirgsjägerbrigade 23 und Gebirgsjägerbataillon 231.

Bilder vom Tag der offenen Tür der Brigade am 28. Mai belegen, dass Kinder und Jugendliche Zugang zu einer Waffenschau hatten. Ein vor Jahren gebasteltes Miniaturdorf als Teil der Ausstellung wurde zudem mit dem Namen „Klein-Mitrovica“ ausgestellt. Die Namensgebung sei „unangebracht und unangemessen“, steht in einem Brief von Verteidigungs-Staatssekretär Thomas Kossendey (CDU) an den Bundestag, der unserer Zeitung vorliegt. Das Ortsschild werde nie wieder verwendet. Die Station „war mit wenig Umsicht aufgebaut und organisiert“.

Zielübungen mit Waffen auf das Dorf habe es aber nicht gegeben. Die Besucher hätten lediglich Entfernungen geschätzt. Die Bundeswehr-internen Ermittlungen ergaben, dass die Soldaten vom Andrang der Besucher in der General-Konrad-Kaserne heillos überfordert waren. Eigentlich hätten mindestens drei Soldaten rund um die Uhr die Waffenstation vor Jugendlichen abschirmen müssen.

Sie konnten aber, so rügt Kossendey, „auf Grund des Personalansatzes nicht immer unverzüglich eingreifen“. Will sagen: Der Tag war schlecht geplant. Die Verantwortlichen sind damit wohl knapp an schärferen Maßnahmen vorbeigeschrammt.

Ausdrücklich spricht das Ministerium von einem „Verstoß gegen die Erlasslage“ und „dienstlichem Fehlverhalten“ bei der Waffenschau. Es seien aber keine absichtlichen Verstöße gewesen. Man habe die Verantwortlichen bei Brigade und Bataillon „darauf hingewiesen“, sich künftig stärker um die sensible Frage des Jugendschutzes zu kümmern. Die Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden zwischenzeitlich eingestellt.

Christian Deutschländer

Rubriklistenbild: © dapd

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