Tagelang in Kabul ausgeharrt

Münchnerin berichtet von spektakulärer Rettung aus Afghanistan - „Ich hoffe, alle Deutschen schaffen es raus“

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Die Bundeswehr rettet eine Münchner Familie in einer spektakulären Aktion aus Kabul. Nach der Rückkehr nach Deutschland äußert sich eine Abiturientin aus Bayern emotional zu ihrer Rettung aus Afghanistan.

Update vom 23. August, 21.55 Uhr: Die Münchner Abiturientin, die gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrer Großmutter von KSK-Soldaten aus Kabul gerettet wurde, hat sich nach der Ankunft aus Afghanistan* in Deutschland erstmals geäußert. Das Kommando Spezialkräfte ist neben Soldaten der Bundeswehr-Fallschirmjäger zur Stunde am Hindukusch im Einsatz.

Münchner Familie aus Kabul gerettet: Emotionale Worte nach Ankunft aus Afghanistan in Deutschland

„Ich wünsche mir, dass alle Deutschen und Ortskräfte* so schnell wie möglich gerettet werden. Die Menschen dort sind in Lebensgefahr und ihnen droht der Tod. Ich hoffe, alle Deutschen schaffen es raus“, zitiert die Bild die 19-Jährige, deren Name nicht genannt wird. Die junge Frau erzählte dem Blatt von ihrer spektakulären Rettung: „Es war mittags. Ich habe sehr viele Nachrichten vom KSK bekommen, die ich beantworten musste, damit sie sicher sein können, dass wir es sind. Als die KSK-Soldaten uns dann anriefen, ging mein Handy aus. Wir standen stundenlang an unserer Position, aber wir haben dann versucht, uns sehr vorsichtig zu nähern, bis wir unsere KSK-Retter trafen.“

Die junge Frau aus der bayerischen Landeshauptstadt wird weiter zitiert: „Wir waren zwei Wochen in Kabul. Eine Woche haben wir damit verbracht, durchzukommen und Kabul zu verlassen. Es war die schlimmste Woche unseres Lebens. Wir haben das schlimmste vom Schlimmsten gesehen und erlebt, aber zum Glück überlebt. Mein Bruder wurde verletzt. Waffen wurden auf uns gerichtet. Menschen lagen am Boden. Wir haben Tränengas abbekommen. Das wird uns sicher sehr lange prägen.“

Nach Rettung aus Afghanistan: Münchnerin richtet sich an Bundeswehr-Soldaten in Kabul

Am Sonntag war verschiedenen Medienberichten zufolge eine KSK-Einheit vom Flughafen Hamid Karzai ins Stadtgebiet Kabuls* aufgebrochen, um die beiden Münchner Teenager und ihre Großmutter zu einem Transportflugzeug zu holen. Die junge Münchnerin richtete sich laut BILD nach ihrer sicheren Rückkehr aus Afghanistan nach Deutschland* auch an ihre Retter.

„Unsere Soldaten machen einen tollen Job. Ich möchte mich bei ihnen allen bedanken. Ich bedanke mich aber vor allem bei den Soldaten, die uns speziell gerettet haben. Sie versuchen alles, um alle Leuten zu retten“, sagte sie demnach.

Münchner Familie aus Afghanistan gerettet - Geheimoperation „Blue Light“ von KSK-Elitesoldaten

Erstmeldung vom 23. August: München/Kabul - Elitesoldaten des KSK haben eine Münchner Familie aus Kabul (Afghanistan*) gerettet. Das berichtet die Bild und beruft sich auf Sicherheitskreise. Bei der Geheimoperation „Blue Light“ wurden Samira (19), ihr Bruder (12) und die Mutter gerettet.

Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) verließen dem Bericht zufolge in der Nacht zum Sonntag das Flughafengelände. Sie arbeiteten sich zu Fuß vor, nach einer Stunde erfolgte dann die Kontaktaufnahme zu der Münchner Familie. Bundeswehr-Soldaten konnten sie anschließend sicher zum Flughafen bringen.

Die 19-jährige Samira hatte in diesem Jahr in München* ihr Abitur gemacht. Sie wollte ein letztes Mal vor dem Taliban-Vormarsch ihre Oma in Kabul besuchen, wie es weiter heißt. Dort wurde sie mit ihrer Familie vom schnellen Fall der afghanischen Hauptstadt überrascht. Sie hatten in den letzten Tagen mehrmals erfolglos versucht, selbst zum Flughafen zu kommen. Die Familie wurde von den Taliban gestoppt. Nach der Rettung wurden sie dem Bericht zufolge noch am Sonntag nach Taschkent (Usbekistan) ausgeflogen.

Vor Rettung durch Elitesoldaten: Münchnerin berichtet von dramatischer Lage in Kabul

In einem Interview vor der Rettung berichtete die 19-Jährige von der Lage vor Ort, als die Familie auf dem Weg zum Flughafen aufgehalten wurde: „Drei der Männer haben in die Luft gefeuert, als Warnung. Nur ein oder zwei Schüsse. Einer der Taliban kam dann auf uns zu, mit dem Gewehr in der Hand. Er hat mit der Waffe herumgefuchtelt und uns auf Paschtu angewiesen umzudrehen. Sonst würde er schießen. Als wir uns schon umgedreht hatten, haben die Taliban erneut so richtig angefangen, in die Luft zu schießen. Die Leute sind in Panik verfallen, es war schrecklich. Mir kommen die Tränen, wenn ich davon erzähle. Es ist das Schlimmste, was mir je passiert ist“, zitiert die Bild.

Erst am Montagmorgen hatte es am Flughafen in Kabul ein Feuergefecht gegeben. Auch Bundeswehrsoldaten waren beteiligt. Eine afghanische Sicherheitskraft kam ums Leben. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Weitere Informationen folgen.

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