Amtsgerichtspräsident: "Angriffe auf den Rechtsstaat"

Aggression gegenüber Gerichtsvollziehern wächst

München - Behinderungen, Beleidigungen, Erpressung: Die Aggression von Schuldnern gegenüber Gerichtsvollziehern wächst. Amtsgerichtspräsident Reinhard Nemetz ist besorgt.

Die Aggression von Schuldnern gegenüber Gerichtsvollziehern wächst. Immer öfter würden Gerichtsvollzieher beleidigt, zu erpressen versucht oder in ihrer Arbeit behindert, sagte der Münchner Amtsgerichtspräsident Reinhard Nemetz bei der Jahresbilanz am Donnerstag. Ebenfalls Sorge bereite ihm die steigende Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

76 800 Vollstreckungen hatten die 95 Gerichtsvollzieher in und um München im Jahr 2014 durchzuführen, darunter 1452 Räumungen und 335 Versteigerungen. Dabei kommt es immer häufiger zu - vor allem verbalen - Übergriffen auf die Gerichtsvollzieher. Das seien Angriffe auf den Rechtsstaat, weil so Zwangsvollstreckungen verhindert werden sollen, sagte Nemetz. Im vergangenen Jahr seien deswegen 30 Strafanzeigen gestellt worden, dieses Jahr bisher bereits 17 Anzeigen.

Besorgniserregend findet Nemetz die rasch steigende Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Durchschnittlich dauere es drei Monate, bis ein Vormund bestellt sei. Sobald das Alter der Flüchtlinge festgestellt oder geschätzt und die Eltern ermittelt sind, kommen sie in die Obhut des Jugendamtes. Anschließend wird das Ruhen der elterlichen Sorge angeordnet. Die Zahl dieser sogenannten Rechtspfleger-Sorgerechts-Verfahren habe sich im vergangenen Jahr auf 2736 verfünffacht.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mehrere Fahrzeuge müssen ausweichen: Geisterfahrer-Unfall endet glimpflich
Ein Geisterfahrer hat am Montag auf der Autobahn 7 im Allgäu mehrere Autos gestreift und ist dann mit einem weiteren Wagen zusammengestoßen.
Mehrere Fahrzeuge müssen ausweichen: Geisterfahrer-Unfall endet glimpflich
180 Kilo gefunden: Koks-Mafia beliefert Supermarkt
Die Polizei ermittelt gegen einen Drogenring, der Kokain über Bananenkisten an Supermärkte liefert. Es geht um Waren im Wert von zehn Millionen Euro.
180 Kilo gefunden: Koks-Mafia beliefert Supermarkt
Tödlicher Unfall mit zwei jungen Frauen: Verursacher nun vor Gericht
Knapp ein Jahr nach dem Unfall, der zwei junge Frauen das Leben kostete, steht der Fahrer des anderen Autos vor Gericht. Auch ein anderer Mann muss sich verantworten.
Tödlicher Unfall mit zwei jungen Frauen: Verursacher nun vor Gericht
Panzerfäuste im Wald gefunden
Mitarbeiter eines Sprengkommandos haben in einem Wald bei Hauzenberg (Landkreis Passau) fünf Panzerfäuste aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt.
Panzerfäuste im Wald gefunden

Kommentare