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Helfer in Not

BRK schlägt Alarm: Angriffe bei Rettungseinsätzen

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München - Sie kommen um zu helfen, werden aber zum Dank nicht selten beleidigt, bespuckt oder sogar geschlagen. Aggression und Gewalt sind für viele Rettungskräfte Alltag geworden. Nun schlägt das Rote Kreuz Alarm.

Die Schläge treffen sie völlig unvorbereitet. Gerade noch hat Daniela Janzen einen jungen Mann verarztet. Er ist stark betrunken in eine Schlägerei geraten und blutet. Und er ist nicht der einzige, der nach dem Umzug in Weichs (Kreis Dachau) nicht mehr Fasching feiert, sondern Streit sucht. Während die ehrenamtliche Rettungssanitäterin seine Wunde verarztet, rastet er aus und beginnt auf die 27-Jährige einzuschlagen. Die Sicherheitsleute sind bei einer anderen Schlägerei im Einsatz, einige Faschingsfeiernde machen Fotos mit ihren Handys. Niemand greift ein. Daniela Janzen liegt nach dem Einsatz zwei Tage lang mit einer Gehirnerschütterung und Prellungen im Krankenhaus.

Dieser Vorfall beim Weichser Faschingszug im vergangenen Jahr ist laut aktueller Studie einer von 180 Fällen, in denen Rettungskräfte des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) verbal oder körperlich angegriffen wurden. Dazu komme vermutlich eine sehr hohe Zahl von Vorfällen, die nicht gemeldet wurden, berichtet Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. Mit diesem Ausmaß hatte er nicht gerechnet. „Es handelt sich nicht um Einzelfälle. Aggressivität und Gewalt gehören mittlerweile offenbar zum Berufsalltag der Rettungskräfte.“

Übergriffe gehen vor allem von Männern aus, meistens sind sie im Alter zwischen 18 und 29 Jahren, berichtet Stärk. Der Grund sind fast immer Alkohol oder Drogen. „Es ist kein Problem, das nur in Großstädten oder Problembezirken zu beobachten ist“, sagt er. Nur wenig Fälle kommen zur Anzeige, meistens kommen die Täter mit geringen Geldstrafen davon. Das BRK fordert, dass Widerstand und Gewalt gegen die Rettungskräfte strenger und zeitnah geahndet wird, betont Stärk. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hatte nach den schweren Ausschreitungen bei der Eröffnung des EZB-Sitzes in Frankfurt einen neuen Schutzparagrafen 112 gefordert, der schärfere Strafen bei Gewalt gegen Sicherheitskräfte vorsieht. „Dieser Forderung schließen wir uns an“, sagte Stärk. Deutlich sprach er sich dagegen aus, die Rettungskräfte mit Schutzwesten oder ähnlichem auszustatten. „Unsere Leute sind Helfer, keine Gefahrenabwehrer“, betonte er. Viel wichtiger sei es, die Einsatzkräfte intensiver in deeskalierenden Maßnahmen zu schulen. Und immer wieder zu appellieren, den Helfern Respekt entgegen zu bringen. „Die schlimmste Folge wäre, wenn wir Einsatzkräfte wegen diesen Vorfällen verlieren“, sagt Stärk.

Auch Jonas Güldner kennt das Gefühl, mit einem mulmigen Gefühl zu einem Einsatz zu fahren. Er ist hauptberuflicher Rettungsassistent im Landkreis Bamberg und war dort kurz vor Weihnachten in eine Situation geraten, die vielleicht anders ausgegangen wäre, wenn nicht die Polizei gekommen wäre. Er und sein Kollege wollten einem Betrunkenen helfen, als sie von dessen fünf Freunden angepöbelt und angegriffen wurden. „Unsere Arbeit ist ein Risikojob geworden“, sagt Güldner. Er hat viele Gespräche geführt nach diesem Einsatz – und in Gedanken auch einmal durchgespielt, ob es für ihn eine Alternative zu seinem Beruf gäbe. Güldner hat sich entschieden, beim BRK zu bleiben. Genau wie seine Kollegin Daniela Janzen. Obwohl sie mittlerweile in Oberammergau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) im Einsatz ist, hat sie sich dieses Jahr wieder freiwillig für den Faschingsumzug in Weichs gemeldet. „Um zu beweisen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen“, sagt sie. Und auch, um Ausschau nach dem Täter von damals zu halten. Er ist nie gefasst worden.

Katrin Woitsch

 

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