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Angst vor dem Höfesterben: Viele Bauern sind wegen niedriger Milch- und Getreidepreise in Sorge. Der neue Agrarbericht gibt ein wenig Entwarnung – zumindest das Höfesterben verlangsamt sich.

Agrarbericht 

Massive Gewinneinbrüche für Bauern

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München - Das Höfesterben verlangsamt sich, aber Bayerns Landwirte müssen mit immer weniger Gewinn klarkommen. Der neue Agrarbericht lässt nur mäßig Raum für Optimismus – und auch die Perspektiven sind mau.

Am Nachmittag fliegt er nach Japan, um bayerische Produkte zu bewerben. Das trifft sich. „Da bekomme ich sicher japanische Medizin“, scherzt Helmut Brunner (CSU) und hüstelt heftig in die linke Faust. Vorher noch schnell den neuen Agrarbericht für Bayern vorstellen. Die Branche, auch sie hüstelt so vor sich hin.

Dabei ist die erste Botschaft an diesem Morgen positiv. Das von vielen Seiten befürchtete Höfesterben hat sich abermals verlangsamt. In den Wirtschaftsjahren 2013/14 und 2014/15, die der Bericht umfasst, nahm die Zahl der Agrarbetriebe um nur 1,1 Prozent auf 109 200 Betriebe – mit durchschnittlich 29,5 Hektar – ab. Der jährliche Rückgang sei damit so niedrig wie seit Langem nicht. Vor vier Jahren lag die Quote noch bei 1,5 Prozent.

Die Tierhalter hat es härter getroffen. Die Zahl der Milchviehhalter ging um vier Prozent zurück, die der Ferkelhalter sogar um rund sieben Prozent. In vielen Fällen waren das aber keine kompletten Betriebsaufgaben – die Landwirte haben ihren Schwerpunkt auf andere Produktionszweige verlegt. „Unsere Bauern trotzen der Krise auf dem Agrarmarkt“, sagte Brunner.

Bayerns Bauern erwirtschaften 156 Milliarden Euro und damit rund 14 Prozent aller Umsätze der bayerischen Wirtschaft. Das klingt imposant, der einzelne Landwirt hat es aber immer schwerer, von den Gewinnen zu leben. Im Wirtschaftsjahr 2014/15 brachen die Gewinne um fast 19 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren ein. Im Schnitt machte ein hauptberuflicher Landwirt 41 100 Euro Gewinn. Die Zahlen für das Ende Juni abgelaufene Wirtschaftsjahr stehen noch nicht fest, sagte Brunner. Er erwartet aber weitere Umsatz- und Gewinnrückgänge.

Der Agrarbericht wird alle zwei Jahre ausgearbeitet und gibt den Stand der bayerischen Landwirtschaft in Zahlen wieder. Nach wie vor ist der Freistaat das wichtigste Agrarland der Republik. Jeder dritte Bauernhof steht hier, jeder siebte Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt mit der Landwirtschaft zusammen. Allerdings haben rund 60 Prozent der Höfe inzwischen ein zweites Standbein, etwa im Tourismus oder der Energieerzeugung. Das hängt auch mit den niedrigen Verkaufspreisen für Milch oder Getreide zusammen. Brunner sagte: „Da muss man sich nicht wundern, dass die Landwirte ihr Getreide lieber in Biogasanlagen tun.“

SPD-Agrarexperte Horst Arnold glaubt, dass auch die Zukunftsaussichten eher mäßig sind. „Die große Welle der Betriebsaufgaben kommt noch auf uns zu“, sagte er gestern. Schließlich sind die Tiefpunkte der Milchpreiskrise in diesem Jahr in Brunners Bericht noch gar nicht berücksichtigt. Auch der Minister gestand, es sei schon abzusehen, dass der nächste Agrarbericht kaum positiver ausfallen werde. Den Strukturwandel aufhalten zu wollen, sei unrealistisch. Es gehe darum, „ihn sozial zu begleiten“. Arnold forderte in diesem Zusammenhang eine Offensive für Nebenerwerbslandwirte. Außerdem sprach er sich für ein Tierwohllabel aus.

Eine Hoffnung liegt auf der Bio-Landwirtschaft. Aktuell gibt es bayernweit rund 8100 Ökobetriebe. Gisela Sengl (Grüne) plädierte für eine Neustrukturierung der Ausbildung von Landwirten, um den Öko-Anbau zu stärken. Ihr Kollege Leopold Herz (Freie Wähler) warnte aber davor, nur auf dieses Segment zu setzen. „Wenn plötzlich alle auf Öko machen, ist das bald auch ein Massenmarkt. Wir müssen sensibel vorgehen.“

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