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Ein Bauer in Hampersdorf (Kreis Erding) bei Arbeiten auf dem Feld. Seit gestern kann jeder im Internet die Subventionszahlungen der EU an die Landwirte ablesen.

Agrarsubventionen

Was die EU Bayerns Bauern zahlt

München - Ab jetzt kann die Höhe der EU -Agrarsubventionen für jeden einzelnen bayerischen Landwirt im Internet eingesehen werden. Viele Bauern sehen die Veröffentlichung mit Unbehagen.

Ein Landwirt aus dem westlichen Oberbayern, der 2008 über 100 000 Euro Direktbeihilfen von Brüssel bezogen hat, schimpft: „Andere wären ja auch nicht begeistert, wenn deren Gehalt veröffentlicht werden würde.“ Er befürchtet, dass die Landwirte untereinander neidisch werden könnten. Auf der Homepage der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung können seit gestern auch die Zahlen der bayerischen Landwirte eingesehen werden, die im vergangenen Jahr Direktbeihilfen oder Ausgleichszahlungen von der EU bezogen haben. Die Zahlen können auf der Internetseite www.agrar-fischerei-zahlungen.deeingesehen werden.

Josef Koller aus Gersthofen (Kreis Augsburg ) indes hat überhaupt keine Probleme mit der Veröffentlichung. Dabei gehört der Bauer zu denen, die stattliche Summen erhalten: 2008 bekam er nach den Internet-Angaben 274 078 Euro. Er bewirtschaftet 700 Hektar und bekommt dafür eine Flächenprämie von 299 Euro pro Hektar. Für seinen Zuckerrüben-Anbau erhält er einen betriebsindividuellen Betrag – und er liegt mit seinem Betrieb in einer benachteiligten Region, was ihm weitere Mittel einträgt. Koller hätte es sogar lieber gesehen, wenn Bayern mit der Veröffentlichung der Zahlen nicht so lange gewartet hätte: „Dann wäre das Interesse wesentlich geringer gewesen.“

Die Preissenkungen treiben die Bauern viel mehr um

Es ist schon manches erklärungsbedürftig bei den Zahlungen. Warum etwa erhält das Wasserwirtschaftsamt Kronach aus den Geldern für den ländlichen Raum den zweithöchsten Betrag in Bayern – nämlich satte 3,995 Millionen Euro? Die Erläuterungen, die das bayerische Agrarministerium zu den Zahlen hinzugefügt haben, geben Aufschluss. Die Millionen flossen für den Hochwasserschutz als „wichtige Vorsorgeaufgabe zur Erhalrung und Entwicklung des ländlich geprägten Lebens- und Wirtschaftsraums“. Oder die Südstärke GmbH, die 2,9 Millionen Euro bekommt. Vertriebsleiter Richard Lenk erklärt: „Wir bekommen schon seit 30 Jahren Gelder aus dem EU -Agrarfonds. Diese Förderung wurde speziell für Betriebe ins Leben gerufen, die Kartoffelstärke herstellen. Wegen der begrenzten Lagerzeiten der Frucht können wir nur von August bis Dezember produzieren und müssten daher einen höheren Preis verlangen. Das Geld der EU hilft uns, unser Produkt konkurrenzfähig zu halten.“

Der Bayerische Bauernverband ist trotzdem alles andere als glücklich über die Veröffentlichungen. Generalsekretär Hans Müller sind die Informationen nicht differenziert genug und die Begründungen für die Zahlungen nicht deutlich genug herausgearbeitet. Er befürchtet, dass es innerhalb der Gesamtgesellschaft Neiddebatten geben könnte. Erst die Begründung – dann die Zahlen: eine solche Reihenfolge hätte ihm besser gefallen. Aber er räumt auch ein: „Die allgemeinen Markt- und Preissenkungen treiben uns Bauern derzeit viel stärker um. Hier brauchen wir politische Zeichen für die Zukunftssicherung!“

Über seine Subventionen will der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhahlter (BDM), Romuald Schaber , eigentlich nicht reden. „Das, was wir bekommen, ist nichts anderes als ein Durchlaufposten“, sagt er. Nichts anderes als ein „Runtersubventionieren der Nahrungsmittelpreise“, ist er überzeugt. Seiner Meinung nach dienten die EU -Zahlungen nur dazu, die Liberalisierung der Agrarpolitik zu rechtfertigen. Damit werde den Handelskonzernen die Möglichkeit verschafft, größtmögliche Gewinne zu machen. „Dass die Rechnung nicht aufgeht, sieht man an uns: Trotz dieser Zahlungen gehen wir vor die Hunde, wenn die Politik nicht geändert wird.“ Schaber möchte auf möglichst wenig Subventionen angewiesen sein – „viel besser wäre es, das Einkommen über den Markt zu erzielen.“

Max Weichenrieder , oberbayerischer Bauernpräsident (er erhielt 10 292 Euro 2008), indes ist davon überzeugt, dass es auch künftig Subventionen und Exporterstattungen braucht. Schließlich werde in Deutschland 100 Prozent mehr Milch produziert, als hier gebraucht werde. „Bei Opel redet man nicht davon, wenn der Staat Zuschüsse zahlt. Die drohen mit Arbeitsplatzabbau – das können wir nicht.“

Von Claudia Möllers und Nicolette Biehl

Beispiele

- Bauernpräsident Sonnleitner erhält 35 914,07 Euro an EU-Zahlungen

- BDM-Chef Romuald Schaber hat im vergangenen Jahr 15 795,30 Euro bekommen

- Gloria von Thurn und Taxis freute sich 2008 über Zahlungen von 575 212 Euro

- Agrarminister Brunner bekam für seinen Hof 2008 6961,71 Euro EU-Hilfen

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