9. Februar 2016: Einsatzkräfte bergen Opfer aus den völlig zerstörten Meridian-Zügen. Foto: dpa

Anklageschrift ist fertig

Bad Aibling: Prozessstart wohl noch heuer

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Bas Aibling - Ein Fahrdienstleiter der Bahn spielt auf dem Handy, statt sich um den Zugverkehr zu kümmern. Er wird abgelenkt und lässt zwei Züge frontal aufeinander zurasen. Zwölf Menschen sterben, 89 werden verletzt. Jetzt liegt die Anklage vor.

Gut fünf Monate nach dem Zugunglück von Bad Aibling hat die Staatsanwaltschaft Traunstein Anklage gegen den Fahrdienstleiter erhoben. Sie wirft dem Mitarbeiter der Deutschen Bahn fahrlässige Tötung in zwölf Fällen und fahrlässige Körperverletzung in 89 Fällen vor. Es bestehe der Verdacht, „dass der Fahrdienstleiter entgegen einem bestehenden Verbot im Dienst bis unmittelbar vor der Kollision der Züge durch die Nutzung eines Online-Computerspiels abgelenkt war“, teilte die Ermittlungsbehörde am Montag mit. Laut „Bild“ handelte es sich um das Spiel „Dungeon Hunter 5“, ein Fantasy-Rollenspiel, bei dem man als Held die virtuelle Welt von dunklen Mächten befreit.

Vertieft in das Spiel auf seinem Smartphone, muss der Mann einige Minuten vor dem Zusammenstoß aufgeschreckt sein. Er sei dann aber „von falschen Annahmen ausgegangen“, wo sich die beiden Züge zwischen Kolbermoor und Bad Aibling kreuzen sollten. Er habe durch Sondersignale die Gleise freigegeben, „ohne sich zu vergewissern, dass sie tatsächlich frei waren“. Sein Versuch, die Zugführer über Funk zu warnen, sei wegen eines Bedienungsfehlers schief gegangen. Der damals 39-Jährige sitzt seit Mitte April in Untersuchungshaft.

Beim Zusammenstoß der beiden Meridian-Züge, einem drei- und einem sechsteiligen Zug, waren am 9. Februar zwölf Menschen ums Leben gekommen, darunter die beiden Zugführer. 89 Insassen wurden verletzt. Traunsteins Leitender Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese hatte schon wenige Tage nach dem Unglück über den Fahrdienstleiter gesagt: „Hätte er sich regelgemäß, also pflichtgerecht, verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen.“ Ein technischer Defekt konnte nicht festgestellt werden, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte: „Die Überprüfung der bahntechnischen Anlagen an der Unfallstrecke und im Stellwerk einschließlich der Funktechnik durch mehrere technische Sachverständige ergab keine Anhaltspunkte für technische Mängel als Unfallursache.“

Das Landgericht Traunstein muss nun prüfen, ob es die Anklage zulässt. Außerdem erhalten die Verteidiger die Anklageschrift. Diese ist mit 25 Seiten relativ schlank. Was jedoch viel Zeit beanspruchen dürfe, ist die Lektüre der Gutachten von Fachleuten des Eisenbahnbetriebs, die der Anklageschrift als Anhang beigefügt sind. Außerdem haben auch Nebenkläger – das Gericht rechnet mit einer ganzen Reihe von Opfer-Anwälten – das Recht, die Anklageschrift zu lesen. Wenn das Landgericht Traunstein, was wahrscheinlich ist, der Anklageschrift zustimmt, muss die zuständige Kammer den Prozess ansetzen und dafür Termine bestimmen. Das soll möglichst zügig geschehen. Da die Untersuchungshaft nach sechs Monaten erneut begründet werden muss und auch nicht ewig dauern kann, will das Gericht möglichst rasch entscheiden. Der Prozess könnte also noch in diesem Jahr beginnen, sagt Tobias Dallmayer vom Landgericht Traunstein.

Die Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung beträgt fünf Jahre. Die Zahl der Opfer des Zugunglücks wäre womöglich noch höher gewesen, wenn nicht an jenem Unglückstag Ferien in Bayern gewesen wären. An Schultagen sitzen in den Meridian-Zügen morgens viele Kinder und Jugendliche.  

dw/lby

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