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Am Samstag nahmen rund 200 Angehörige und Helfer an einem Gedenkgottesdienst in Aichach teil

Ergreifende Botschaft geht alle Reisenden an

Nach Zugunglück: Sohn von getöteter Frau rechnet mit Bahn ab - und schreibt dem Fahrdienstleiter 

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Mit bewegenden Worten richtet sich ein Sohn, der bei dem Zugunglück von Aichach seine Mutter verloren hat, an den Fahrdienstleiter. Seine Botschaft macht nachdenklich.

Update vom 12. Oktober 2018: Schon wieder gab es einen Zugunfall. Zwischen Köln und Frankfurt hat ein Wagon eines ICE Feuer gefangen. 500 Insassen mussten evakuiert werden, anscheinend gab es keine Verletzten.

Aichach - Zwei Menschen wurden bei dem Zugunglück am vergangenen Montag aus dem Leben gerissen: Der 37-jährige Lokführer Pavel B. und die Passagierin Inge S. (73). Ein junger Fahrdienstleiter steht unter Verdacht, den Unfall durch Fahrlässigkeit verschuldet zu haben. Laut Medienberichten sei er abgelenkt gewesen, wodurch er die Gleise verwechselt haben soll. Offenbar hätte der von Augsburg nach Ingolstadt fahrende Regionalzug auf Gleis eins einfahren sollen. Die tragische Folge: Um 21.16 Uhr kollidierten auf Gleis zwei des Aichacher Bahnhofs der Zug der Bayerischen Regionalbahn frontal mit einem stehenden Güterzug. 

Auf Gleis 2 kam es zur Tragödie am vergangenen Montag. Zwei Menschen starben, 14 wurden verletzt.

“Wir alle machen andauernd Fehler“

Wie die Bild berichtet, hat nun ein Sohn der Toten über Facebook eine Botschaft an den Fahrdienstleiter gerichtet. Daniel S., einer von sieben Kindern von der Toten, vergibt dem Verdächtigen, dessen Schuld juristisch noch nicht geklärt ist. „Wir alle machen andauernd Fehler. Wenn sie solche tragischen Konsequenzen haben, können wir sie uns nur schwer verzeihen. Dass ihm dies gelingt, wünsche ich dem jungen Mann ebenfalls von Herzen.“

Für Daniel S. hat nicht der Fahrdienstleiter die Hauptschuld an dem Unfall, sondern die „politisch Verantwortlichen für die Investitions- und Sicherheitsentscheidungen der Bahn.“ Er will es sich zur Lebensaufgabe machen, dass alle Stellwerke und Bahnübergänge auf den neuesten Sicherheitsstand nachgerüstet werden. „Es kann nicht sein, dass mein Auto mich vor allen möglichen Gefahren und meinen und den Fehlern anderer automatisch schützt, während die Bahn für das Leben Hunderttausender Kunden täglich nicht mehr tut, als die Verantwortung auf die Fahrdienstleiter zu schieben und sie mit Technik aus dem letzten Jahrtausend alleinzulassen“, schreibt Daniel S.

„Pavel war ein toller Kollege“

Derweil sammelt die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft Spenden für die Familie von Pavel B. In einer Traueranzeige auf Facebook heißt es: „Pavel war ein toller Kollege, ein gewissenhafter Eisenbahner, ein engagierter Gewerkschafter. Er wird uns fehlen“. Der 37-Jährige hinterlässt eine Frau und drei Kinder. 

Am Samstag nahmen rund 200 Menschen an einem ökumenischen Trauergottesdienst in der Stadtpfarrkirche in Aichach teil. Der Gottesdienst richtete sich an die Hinterbliebenen der Todesopfer, an die Angehörigen der 14 Verletzten, die anderen Menschen aus dem Unglückszug, an Rettungskräfte und andere Helfer.

„Es war gespenstisch ruhig“: Ersthelfer nach dem Zugunglück in Aichach erzählt

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