Aids-Hilfe: "Drogenpolitik kostet Menschenleben"

München/Berlin - Die Deutsche Aids-Hilfe hat die Drogenpolitik der Staatsregierung scharf kritisiert. In Bayern gebe es keine Drogenkonsumräume, obwohl diese nachweislich Leben retteten.

Das teilte Hansmartin Schön, Vorstandsmitglied der Deutschen Aids-Hilfe am Freitag mit. In Notfällen gebe es hier sofort medizinische Hilfe.

“Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) und seine Partei weigern sich, eine entsprechende Rechtsverordnung zu schaffen - entgegen der Forderung von Ärzten und Wissenschaftlern, Wohlfahrtsverbänden, Aids- und Drogenhilfe, der Kirche sowie SPD, FDP, Bündnis90/Die Grünen und Die Linke.“ Entgegen dem Bundestrend sind in Bayern und Baden-Württemberg 2010 mehr Menschen an Drogen gestorben als im Vorjahr.

Wie fatal sich die Blockade der bayerischen Politik auswirke, zeige sich vor allem in Nürnberg. Hier habe sich die Zahl der drogenbedingten Todesfälle seit 2005 fast verfünffacht - von 6 auf 29 Tote im Jahr 2010. “Ideologische Schranken führen zum Tod vieler Menschen“, sagte Drogenreferent Dirk Schäffer. Eine fachlich versierte Drogenpolitik wie in Berlin und Nordrhein-Westfalen könne diese Tragödie beenden.

In den Drogenkonsumräumen erhielten die Abhängigen Beratungsangebote und spritzten sich das Rauschgift in einem hygienischen Umfeld. Sterile Spritzen, Nadeln und Konsumutensilien verhinderten HIV- und Hepatitisinfektionen. Nicht nur in Bayern fehlten solche Räume, sondern auch in Brandenburg, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.

dpa

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