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Ein Gutachter fotografiert den Schaden bei dem Suzuki-Händler in Höhenkirchen-Siegertsbrunn.

Airbag-Mafia schlägt zweimal zu: 134 Stück geklaut

München - Profi-Diebe haben zweimal innerhalb kurzer Zeit in Autohäusern zugeschlagen. Vermutlich handelt es sich um die selbe Täter-Bande. Ihre Beute: 134 Airbags.

Es ist eine regnerische Nacht, als sie das erste Mal zuschlagen. Einer der Männer steht Schmiere. „Er hat sich ein trockenes Plätzchen gesucht“, vermutet Michael Zanzinger, der Filialleiter des Autohauses Wickenhäuser in Eching (Kreis Freising). „Wir haben so einen Uralt-Abschlepper, von dem aus man das Gelände gut beobachten kann. Der Täter hat fein säuberlich die Scheibe ausgebaut und es sich drinnen gemütlich gemacht.“ Gestohlen hat er nichts. Dafür aber seine Kumpanen.

Die machen sich professionell ans Werk, in der Nacht auf den 31. August. Sie zerschlagen die Scheiben von 40 Autos – doch nur bei den Modellen Opel Corsa und Opel Astra, alle anderen Fahrzeuge bleiben unberührt. Dann öffnen sie die Motorhaube und klemmen die Batterie ab – damit die Airbags beim Ausbau nicht explodieren. Fachmännisch bauen sie Fahrer- und Beifahrerairbags aus. Pro Luftsack, schätzt Zanzinger, braucht ein Profi 15 Minuten. Die Bande stiehlt in dieser Nacht 80 Stück.

„Sie sind gezielt vorgegangen, haben nichts beschädigt, was sie nicht beschädigen mussten“, sagt Zanzinger. „Sowas ist hier noch nie passiert.“ Doch wenige Tage später passiert es schon wieder. In der Nacht auf den 7. September schleichen sich unbekannte Diebe auf das frei zugängliche Gelände eines Suzuki-Händlers in Höhenkirchen-Siegertsbrunn (Kreis München). Die Bande bricht 27 Autos auf, wieder haben sie es auf die Airbags abgesehen. „Es liegt nahe, dass es sich um die selbe Bande handelt“, bestätigt Peter Beck vom Polizeipräsidium München. Doch dieses Mal gehen die Täter rabiater vor, reißen die Airbags mit Gewalt aus den Armaturenbrettern. Wie viele Räuber es sind oder woher sie kommen, das wisse man noch nicht. „Wir tappen im Dunkeln.“ Doch es gibt einen Verdacht.

Die Fahnder des Landeskriminalamts (LKA) kennen die Masche. „Die Täter stammen fast immer aus dem Osten – aus Litauen, Polen, Tschechien“, erklärt Detlef Puchelt. Die Banden seien schnell und flexibel. „Sie stehlen im Auftrag von Hehler-Werkstätten. Mal sind es Außenspiegel, mal Navigationsgeräte – und jetzt eben Airbags.“ Die Vorgehensweise sei dabei fast immer die gleiche: Zuerst schicken die Banden Spione vor, die die bestellte Ware suchen. Dann machen sich die Täter ans Werk. Das Diebesgut wird anschließend von Kurieren ins Ausland gebracht. „Es wäre schwierig, die Ware hier in Deutschland an den Mann zu bringen“, erklärt Puchelt. Das LKA warnt dennoch ausdrücklich davor, sich in dubiosen Bastlerwerkstätten auf auffallend günstige Angebote einzulassen. Gestohlene Airbags könnten während der Fahrt unkontrolliert auslösen – oder aber im Ernstfall versagen.

Die grenzüberschreitenden Raubzüge lohnen sich. Jeder Airbag sei rund 1000 Euro wert, sagt Zanzinger. „Die werden dann in irgendwelchen Werkstätten in Unfallautos eingebaut.“ Währenddessen ist man in Eching noch immer dabei, den Schaden zu reparieren.

Thomas Schmidt

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