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Extrem-Bayer: Da kriegt man schon beim Hinschauen Angst. Die Aufnahme zeigt den Kletterer und tollkühnen Berg-Akrobaten Alexander Huber am Glacier Point im Yosemite-Nationalpark in den USA.

Extrem-Kletterer Alexander Huber

„Ich brauche die Angst zum Überleben“

München – Extremkletterer Alexander Huber hat sämtliche Facetten der Angst erlebt. Jetzt hat er ein Buch darüber verfasst. Es heißt: „Die Angst. Dein bester Freund.“ Dennoch macht er Schluss mit seinen Wahnsinns-Klettertouren.

Als erster schaffte er alleine ungesichert den Grand Capucin im Mont-Blanc-Massiv, der als schwierigster Berg der Alpen gilt. Manche finden: zu viel Risiko. Aber Extremkletterer Alexander Huber sagt: „Wenn ich nicht immer aus vollstem Herzen überzeugt gewesen wäre, dass das Ganze absolut gut ausgeht, dann hätte ich es nie gemacht.“ In seinem neuen Buch „Die Angst. Dein bester Freund“ (Ecowin Verlag; 19,95 Euro) schreibt er: „Die Angst hat ein Lob verdient, ein besseres Bild als jenes, das nur allzu oft gezeichnet wird. Die Angst hat viel in mir bewegt, mich weitergebracht.“ Das gelte nicht nur in den Bergen. „Nicht jeder muss ein Extremsportler werden. Aber es lohnt sich, beizeiten mutig zu sein und ein gewisses Risiko einzugehen.“

Free Solo, also alleine und ungesichert, ist für Huber heute dennoch ausgereizt. Nicht wegen der Familie mit Lebensgefährtin und Tochter, sondern weil der bald 45-Jährige seine früheren Leistungen mit zunehmendem Alter nicht mehr toppen kann. „Ich bin beim Free Solo-Klettern absolut an meine Grenzen gegangen“, sagt er. „Die Große Zinne brauche ich nicht wiederholen. Das erste Erlebnis war das Original.“ Jede Wiederholung könne nur blasser sein. Klettern sei der Sprint, sagt er. Jetzt komme der Ausdauersport, der Marathon: Höhenbergsteigen. „Die Kondition ist noch da.“

Im Himalaya und im Karakorum an den großen Bergen der Welt sieht er seine Zukunft, mit seinem Bruder Thomas, aber auch solo. Ganz besonders reizt ihn: „Ein richtig schwerer Berg im Alleingang.“ Die Angst wird sicher mit dabei sein.

Alexander und sein älterer Bruder Thomas gehören zu den besten Kletterern weltweit. Die „Huberbuam“ waren an höchsten Wänden im Karakorum, bestanden in der arktischen Kälte am Mount Asgard auf Baffin Island und durchkletterten berühmte Routen im Yosemite-Park in Rekordzeit. Als Pioniere im Speedklettern schafften sie 2007 die tausend Meter hohe „Nose“ im Yosemite-Tal in der damaligen Rekordzeit von 2:45,45 Stunden – gute Kletterer brauchen Tage.

Ohne Angst keine Rekorde: Sie ist für Huber auch Katalysator zur eigenen Entwicklung – und er hat Ängste erlebt, die sein Leben blockierten. Auch darüber schreibt er in seinem Buch. Er schildert, wie er an der Großen Zinne in den Dolomiten zaudert, zweifelt, wieder umkehrt – und dann doch startet. Von da an bestimmt Konzentration den Weg, und Intensität. „Ich bringe mein Leben als Einsatz in das Spiel, und deswegen wird das Erleben jetzt so tief und intensiv. Die Angst ist ein steter Begleiter, der das Überleben sichert, der sensibel dafür macht, den Gefahren adäquat zu begegnen“, sagt er. „Ich brauche die Angst zum Überleben.“

Sabine Dobel

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