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300.000 Euro für eine Mail? Neue Korruptions-Vorwürfe gegen CSU-Abgeordneten

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Von: Klaus-Maria Mehr

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Der Politiker Alfred Sauter, hier im vertraulichen Gespräch mit Horst Seehofer (li.).
Der Politiker Alfred Sauter, hier im vertraulichen Gespräch mit Horst Seehofer (li.). © picture alliance / dpa

Ein prominenter CSU-Ex-Minister und Noch-Abgeordneter im Landtag soll sich für die Zulassung eines Corona-Schnelltests aus Planegg bei Söder eingesetzt und dann ein hohes Honorar gestellt haben.

München - Wieder stehen Korruptionsvorwürfe gegen die CSU im Raum. Wieder fällt der prominente Name eines ehemaligen Ministers und CSU-Vorstands: Alfred Sauter. Nach parteiinternem Druck legte er wegen der gegen ihn laufenden Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft alle Parteiämter nieder und ließ auch seine Mitgliedschaft in der CSU-Landtagsfraktion ruhen. Sauter soll einen Maskendeal mit dem Gesundheitsministerium eingefädelt und dafür Geld kassiert haben. Der 70-Jährige gibt sich selbstsicher, ist davon überzeugt, dass die Ermittlungen seine Unschuld feststellen werden. Alles ein großer Irrtum.

Korruptionsvorwurf in der Corona-Krise: CSU-Mann soll Schnelltest-Zulassung forciert haben

Doch nun gibt es wohl einen zweiten großen Irrtum: Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung soll Sauter im Dezember eine Mail an den Büroleiter der Staatskanzlei geschickt haben. Darin fordert er laut dem Medienbericht, dass sich Söders* Haus „schnellstmöglich“ für die Zulassung eines Schnelltests beim zuständigen Bundesinstitut Arzneimittel und Medizinprodukte einsetzen soll.

Alfred Sauter (CSU) unter Verdacht: 300.000 Euro für eine Mail?

Pikant: Drei Wochen später stellte er laut SZ über seine Anwaltskanzlei eine Rechnung in Höhe von 300.000 Euro. Die Firma GNA Biosolutions mit Sitz in Martinsried* hat wohl auch bezahlt. Die Firma hat mit millionenschwerer Unterstützung des bayerischen Wirtschaftsministeriums einen Schnelltest auf PCR-Basis entwickelt. Die Zulassung dafür wurde offenbar Anfang Dezember von oben genanntem Bundesamt abgelehnt, woraufhin der Hersteller den Anwalt und Abgeordneten Alfred Sauter engagierte. Und der schrieb dann eben jene Mail, die der SZ offenbar vorliegt, die Firma bekam danach die Zulassung und Sauter stellte die sechsstellige Summe in Rechnung. Das ganze passiert - wie schon die Masken-Affäre - mitten in der Corona-Pandemie*, wo viele Menschen in Bayern ums Überleben kämpfen, die einen wirtschaftlich, die anderen buchstäblich.

Corona-Schnelltest-Zulassung beeinflusst? Staatskanzlei bestreitet Aktion

Natürlich: Die Staatskanzlei bestreitet, in irgendeiner Form auf die Mail reagiert zu haben. Huber Aiwangers Wirtschaftsministerium sei ja bereits in Aktion gewesen. Aiwangers Haus will sich zwar sehr wohl für die Zulassung des Schnelltests eingesetzt haben, allerdings völlig unabhängig von Alfred Sauter. Das Bundesinstitut weist jede Einmischung Dritter von sich. Es habe ein ganz normales Genehmigungsverfahren gegeben. GNA wiederum bestätigt die Geschäftsbeziehung mit Sauter, er habe eben als Anwalt für die Firma gearbeitet, von der Mail an die Staatskanzlei habe man aber nichts gewusst. Sauter schweigt zu den neuen Vorwürfen vorerst. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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