Ostbahnhof ist für S-Bahnen wieder frei – noch immer herrscht Chaos

Ostbahnhof ist für S-Bahnen wieder frei – noch immer herrscht Chaos
+
Die Familie Steiger: Mama Ramona, Jannik, Julian, Angelina und Papa Werner.

Bub (10) leidet an Immunkrankheit

Alle Hoffnung steckt im kleinen Bruder (3)

Heldenstein - Das grenzt an ein Wunder: Ausgerechnet „Unfallkind” Jannik (3) ist der passende Spender für seinen kranken Bruder Julian. Der Zehnjährige aus Heldenstein leidet seit seiner Geburt an der seltenen genetisch bedingten Immunkrankheit „CGD“ (chronische Granulomatose).

Julian im Alter von drei Jahren.

„Unser Julian hat kein Immunsystem“, erklären Mama Ramona und Papa Werner die Auswirkungen der Krankheit. Der tapfere Bub aus Heldenstein (Kreis Mühldorf) liegt in einer Münchner Kinderklinik, wo die Entscheidung über sein weiteres Leben fallen wird. Ausgerechnet Julians Bruder Jannik – ein ungeplanter Nachwuchs – ist der passende Spender für die Knochenmarktransplantation.

„Anfangs hat niemand was gemerkt“, erinnern sich die Eltern. Ständig sei der Bub krank gewesen, doch die Ärzte im Altöttinger Krankenhaus hätten sich hartnäckig gegen eine Überweisung nach München gewehrt. Bis Julian mit drei Jahren so starkes Fieber bekam, dass nichts mehr half. „Das war im August 2002, da wäre er fast gestorben“, sagt der Vater. Erst als sich Opa Werner vehement einschaltete, kam Julian nach München, wo zum ersten Mal „CGD“ diagnostiziert wurde.

Seither geht es Julian besser. Täglich muss er drei Tabletten schlucken, die ein künstliches Immunsystem erzeugen. Wie lange das gut geht, weiß allerdings niemand – der Gedanke an den plötzlichen Tod des Buben schwebt wie ein Damoklesschwert über der Familie. Das wäre auch so geblieben, hätte sich nicht Ramona Steiger vor drei Jahren durchgesetzt, als sie Sohn Jannik erwartete. Denn Julian hatte die chronische Granulomatose von seiner Mutter geerbt. „Die Krankheit bricht nur beim männlichen Geschlecht aus, nicht beim weiblichen“, erklären die Eltern. Töchterchen Angelina (4) hätte es also nicht direkt betroffen. Bei Julians Bruder Jannik sah die Sache anders aus: Bei einer Vererbung (50:50-Chance) wäre auch bei ihm „CGD” ausgebrochen. „Letzten Endes haben wir uns dann aber doch für Jannik entschieden und sind das Risiko eingegangen“, so die Eltern. Ein Glücksfall für Julian, wie sich bald herausstellte, denn Jannik hat kein „CGD“ und ist zudem ein passender Spender für seinen Bruder.

Durch Janniks Knochenmarkspende besteht für Julian eine 80-prozentige Heilungschance. „Es kann aber auch sein, dass er nicht geheilt wird oder im schlimmsten Fall sogar sterben muss“, sagen die Eltern besorgt. Julian weiß das. Den bevorstehenden Eingriff beschreibt er so: „Da kriege ich Luft vom Schlauch heraus.“

Tapfer hat der begeisterte Fußballer und FC-Bayern-Fan den Gang in die Klinik angetreten. Spielkonsole, Bayern-Poster, eine Erinnerung an ein Maffay-Konzert mit Opa Werner und den selbst gehäkelten FCB-Teddy von Oma Erika sind im Gepäck. Nach der Transplantation am Donnerstag, 12. März, muss Julian nämlich 100 Tage in Quarantäne verbringen.

Erst vier Wochen später steht fest, ob er die Transplantation angenommen hat. Drei Mal täglich muss die Kleidung gewechselt werden, und die Haare sind auch weg, weil der Transplantation eine Chemotherapie vorangeht. „So schau’ ich dann aus“, meint Julian und zeigt mit dem Finger auf ein kahlköpfiges Kind in einer Broschüre. „Zum Glück lässt sich der Papa aber auch eine Glatze schneiden“, fügt er strahlend hinzu.

Die Chancen für Julian stehen besser als je zuvor, geheilt zu werden. Trotzdem stehen dunkle Wolken über der Familie: Werner Steiger steckt mit seiner Bäckerei mitten im Insolvenzverfahren. Das passierte zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, denn durch die Fahrerei nach München, die doppelte Haushaltsführung (ein Elternteil bleibt in München) und die anstehende Komplettrenovierung der Wohnung – sie muss bei der Rückkehr von Julian absolut keimfrei sein – kommen erhebliche Kosten auf die Steigers zu.

Edi Hutter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Glyphosat: Bayern will Beschränkung
Auf Bundesebene mehren sich die Forderungen für ein nationales Glyphosat-Verbot. Auch in Bayern sind vermehrt kritische Stimmen zu hören. Statt auf ein Total-Verbot …
Glyphosat: Bayern will Beschränkung
Rauchverbot: Frankenberger erhält immer noch Morddrohungen
Mehr als sieben Jahre nach dem Volksentscheid zum Rauchverbot erhält dessen Initiator Sebastian Frankenberger noch immer Morddrohungen.
Rauchverbot: Frankenberger erhält immer noch Morddrohungen
Immer noch Warnungen für Teile Bayerns: Sturmböen und Schnee
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat auch für Dienstag die Menschen in den bayerischen Regierungsbezirken Schwaben und Oberbayern gewarnt. Lesen Sie die Details. 
Immer noch Warnungen für Teile Bayerns: Sturmböen und Schnee
Zwei Frauen bei Unfall nahe Landshut schwer verletzt
Drei Menschen sind bei einem Unfall mit einem Fahranfänger in Pfeffenhausen bei Landshut verletzt worden, zwei von ihnen schwer.
Zwei Frauen bei Unfall nahe Landshut schwer verletzt

Kommentare