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Was bedeutet der riesige Felssturz im Allgäu für die Bevölkerung? 

Forscher sprechen von „Großereignis“

Berg im Allgäu bricht auseinander: Wie gefährdet ist die Bevölkerung?

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  • Veronika Mahnkopf
    Veronika Mahnkopf
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Ein Berg im Allgäu bricht langsam auseinander: Am Hochvogel weitet sich ein Spalt im Gestein, was unausweichlich zu einem großen Felssturz führen wird. Inzwischen wurde die Gefahr für die Bevölkerung bewertet.

Einschätzung: Welche Gefahr droht beim Felssturz am Hochvogel im Allgäu?

Update vom 20. November 2018:

Welche Folgen hätte der drohende Felssturz am Hochvogel im Allgäu für die Bevölkerung? Nach Einschätzung der Behörden würde der Felssturz für die örtliche Bevölkerung keine besondere Gefahr bedeuten.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Gipfel des Hochvogels an der Grenze zwischen Bayern und Österreich bald auseinanderbricht und dadurch bis zu 260 000 Kubikmeter Fels ins Tal stürzen werden. Seit Jahren wird eine große Felsspalte am Gipfel immer größer, zudem ist es schon zu ersten Felsstürzen gekommen.

Doch da rund um den 2592 Meter hohen Berg kein bewohntes Gebiet ist, betrachten die Behörden auf beiden Seiten der Grenze das Geschehen in aller Ruhe. Denn in der Nähe des Hochvogelgipfels gibt es nur das Prinz-Luitpold-Haus, eine fast 140 Jahre alte Schutzhütte auf dem Gebiet von Bad Hindelang. Die Hütte sei so weit entfernt, dass selbst bei einem Absturz des Gipfels dort kaum etwas passieren könne, sagt ein Sprecher des Landratsamtes Oberallgäu.

dpa/mlu

Berg im Allgäu bricht auseinander - in der Nähe passierte es schon einmal

Update vom 16. November 2018: Am Hochvogel im Allgäu droht weiterhin ein gigantischer Felssturz. Bei vielen - vor allem Bergsteigern - weckt die drohende Naturkatastrophe Erinnerungen an einen ähnlichen Fall, der sich vor Jahren ganz in der Nähe zugetragen hat.

Im November 2012 ereignete sich am Vilsalpsee in Österreich ein riesiger Felssturz. Nur wenige Monate später krachten an gleicher Stelle wieder Bergmassen ins Tal. Ein Rundweg um den Vilsalpsee war danach schwer beschädigt und nicht mehr benutzbar. Almen waren von der Außenwelt abgeschnitten. Das berichtete damals die Tiroler Tageszeitung auf tt.com.

Das Bergtourengebiet rund um den Vilsalpsee liegt nur wenige Kilometer entfernt vom Hochvogel im Allgäu, wo jetzt ein Felssturz gigantischen Ausmaßes droht. Die Folgen wären auch hier dramatisch. Ein Forscherteam der Ludwig-Maximilians-Universität München und Technischer Universität München überwacht den Hochvogel seitdem gemeinsam mit einer Spezialfirma für 3D-Drohnenaufnahmen. So soll verhindert werden, dass durch den Felssturz Menschen verletzt werden.

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Update vom 29. Oktober 2018: Seit klar ist, dass sich am Hochvogel in absehbarer Zeit ein gigantischer Felssturz ereignen wird, ist das Team von LMU und TU München auf die technische Unterstützung der Firma 3D RealityMaps GmbH angewiesen. Wie berichtet droht an dem 2592 Meter hohen Berg Hochvogel im Allgäu 260.000 Kubikmeter Fels abzustürzen. Seit 50 Jahren entwickelt sich an dem Berg ein Spalt. Bereits 2005, 2007 und 2016 hat sich Gestein abgelöst.

Video: Spektakuläre Bilder klären auf

Die Folgen eines erneuten, sehr viel größeren Festabsturzes wären enorm: Gestein und Staub bis ins Tal, akute Lebensgefahr für Wanderer und Bergsteiger. Deshalb haben sich LMU und TU gemeinsam mit den Experten von 3D RealityMaps GmbH zum Ziel gemacht, den Berg zu überwachen. Dies geschieht mit Hilfe von Drohnenbefliegungen, die Bilder und Videos liefern, die das Phänomen in 3D visualisieren sollen. Das erleichtert laut den 3D-Experten die Vorstellung des Ausmaßes. 

Kamerateam begleitete Forscher am Hochvogel

Update vom 26. Oktober 2018, 12 Uhr: Der Bayerische Rundfunk begleitete das Forscherteam der TU München nun bei der nicht ungefährlichen Arbeit auf dem Hochvogel. Gezeigt wurde der Beitrag in der Sendung „Gut zu wissen“.

Sollte die südliche Gipfelwand ins Tal stürzen, würden rund 260.000 Kubikmeter Fels abrutschen, schätzen die Wissenschaftler. Eine gigantische Menge, die für eine extreme Staubwolke sorgen dürfte, die wohl das ganze Hornbachtal eindecken würde. Es wäre ein „Großereignis“, sagen die Forscher. 

Um Wanderer und die Talbewohner rechtzeitig zu warnen, wollen die Forscher den Felssturz schon Tage vorher voraussagen können. Hierfür mussten nun neue Messgeräte zur Errechnung des Abstands im Spalt am Gipfel angebracht werden. Eine anstrengende Arbeit, wie man in dem TV-Beitrag des Bayerischen Rundfunks sieht. 

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Felssturz-Gefahr im Allgäu ist kein Einzelfall

Update vom 25. Oktober 2018, 10.15 Uhr: Wann es passieren könnte, ist unklar: ein Felssturz droht am Hochvogel im Allgäu. Wie muss man es sich vorstellen, wenn viele Tausend Kubikmeter Gestein ins Tal rauschen? Immerhin ist der Berg 2592 Meter hoch.

Fest steht: Wenn derart viel Geröll bergab stürzt, dann könnte es laut werden- und staubig. Bergsteiger würden sich dann in Lebensgefahr befinden. Nicht nur im Allgäu droht die Gefahr eines Felststurzes. Am Höllentalgletscher im Wettersteingebirge lockern sich durch den Rückgang des ewigen Eises große Felsbrocken und bedrohen auch dort Bergsteiger, wie Merkur.de berichtet.

Erstmeldung: Experte warnt vor gigantischem Felssturz am Hochvogel

Oberstdorf/München – Vielleicht noch heuer, vielleicht auch erst im nächsten Jahr könnte es so weit sein, sagt Michael Krautblatter. Dann droht ein Felssturz größeres Ausmaßes. Im Extremfall könnten bis zu 260 000 Kubikmeter Gestein bis zu 1000 Meter tief ins Tal stürzen. Alarmstufe Rot am Berg – doch noch ist die Lage nicht ganz so dramatisch.

Krautblatter ist Geologe und Professor für Hangbewegungen an der TU München. Derzeit ist er mit seinen Leuten im Wochentakt oben auf dem 2592 Meter hohen Hochvogel, einem markanten, aber mühsam zu besteigenden Aussichtsberg westlich von Oberstdorf an der bayerisch-tirolerischen Grenze.

Spalt am Hochvogel im Allgäu weitet sich

Direkt unterhalb des Gipfelkreuzes beginnt ein Spalt, der ins wissenschaftliche Interesse gerückt ist. Der Spalt ist seit über 50 Jahren bekannt, doch seit einigen Jahren beobachten Geologen, wie er sich bedrohlich dehnt. „Seit 2014 hat sich der Spalt um 30 Zentimeter geöffnet, das ist sehr viel“, sagt Krautblatter. Vom Gipfel aus blickt man 20 bis 30 Meter tief in den Abgrund, aber die Wissenschaftler schätzen, dass die Kluft an manchen Stellen bis zu 100 Meter nach unten reicht.

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Hauptdolomit ist von Natur aus brüchig

Im Spätsommer haben die Geologen den Berg regelrecht verdrahtet – mit Sensoren, die Veränderungen der Felsspalte millimetergenau messen. „AlpSenseBench“ nennt sich das Forschungsprojekt, das dazu dient, ein Frühwarnsystem für alpine Naturgefahren aufzubauen. „Wir rechnen damit, dass sich der Spalt zwei bis drei Tage vor einem Felssturz enorm verbreitert, vielleicht um einen Zentimeter pro Tag“, sagt Krautblatter. Zurzeit sind es 0,4 Millimeter in der Woche.

Die Messungen der Wissenschaftler am Hochvogel.

Die Geologen der TU München messen nicht nur im Allgäu, sondern auch im Wettersteingebiet rund um die Zugspitze sowie am Kitzsteinhorn in den Hohen Tauern und am Vernagtgletscher im Ötztal. Doch nirgends ist die Situation so dramatisch wie am Hochvogel.

Der Berg besteht aus Hauptdolomit, der von Natur aus brüchig ist. Doch Ursache der Felssturzgefahr ist auch die Topographie des Berges: Die markante kegelartige Form begünstigt offensichtlich Felsrutsche. Da sich in den Spalten Wasser ansammelt, erodiert der Berg vor allem nach jedem Winter immer weiter.

Video: Auf dieser Straße regnet es Felsen

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Schon 1935 kam es zum großen Felssturz

Schon einmal, im Jahr 1935, stürzten tausende Kubikmeter Gestein aus der Südwestwand ins Tal. Das ist im Hüttenbuch des nahen Prinz-Luitpold-Hauses vermerkt. Auch 2005, 2007 und zuletzt im Juli 2016 gab es Gesteinsabbrüche, die auch für die Zukunft nicht auszuschließen sind. Das macht die Forschungsarbeit am Berg riskant.

Die Wissenschaftler kämpfen aber noch mit weiteren Hemmnissen: Blitzschläge beschädigten schon mehrmals die Sensoren. Sie müssen immer wieder erneuert werden. Zudem ist eine von drei Anstiegsrouten zum Gipfel über den Bäumenheimer Weg nicht mehr möglich. Den Weg, der in Österreich beginnt, wurde im September 2014 vom Land Tirol dauerhaft gesperrt – zu groß war die Gefahr, dass Felsbrocken Wanderer erschlagen könnten. Der Weg gab es seit 109 Jahren, dass er noch mal geöffnet wird, ist unwahrscheinlich. „Es besteht absolute Lebensgefahr“, warnt die Sektion Donauwörth des Deutschen Alpenvereins.

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Dirk Walter

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