Familien-Drama

Allgäuer verletzt mehrere Verwandte mit Machete

Oberstdorf - Ein junger Mann stürmt im Allgäu in eine Jugendherberge und geht mit einer Machete auf seine Verwandten los. Seinen Bruder, seinen Cousin und seinen Onkel verwundet er sehr schwer - dann ergibt er sich widerstandslos der Polizei.

Der Weiler liegt oberhalb von Oberstdorf, ist eingebettet zwischen Gipfeln, Ausgangspunkt vieler Touren wie etwa die Alpenüberquerung: Spielmannsau. Damit sich die Leute an der Natur erfreuen können, gibt es hier gute Unterkünfte, eine Herberge (Hostel) sowie Hotel und Gasthof. Doch ausgerechnet in dieser Allgäuer Idylle spielten sich in der Nacht auf Sonntag Szenen wie in einem Horrorschocker ab. Ein 23-Jähriger aus Memmingen – Verwandter einer Wirtsfamilie – tauchte mit einer Machete auf und richtete damit in dem Weiler ein Blutbad an. Drei Männer, alles nahe Verwandte, mussten notoperiert werden. Eine Frau erlitt leichtere Verletzungen.

Der Bewaffnete betrat zunächst die Herberge, wo sich in einem Privatbereich Angehörige aufhielten. Dort schlug der Mann sofort mit der Machete auf seinen 25-jährigen Bruder ein. Dem Schwerverletzten sowie einer 27-jährigen Frau, die zu Besuch in der Wohnung war, gelang die Flucht aus dem Zimmer. Jetzt wandte sich der Memminger seinem Cousin (26) und dessen 29-jährige Freundin zu. Wieder wirbelte die Machete durch die Luft, bei diesem Angriff wurde der Mann schwer verletzt, die Frau leicht. Sie konnten trotzdem weglaufen, der Täter marschierte aber hinterher. Er scheiterte schließlich an einer Tür, die mit dem Mut der Verzweiflung zugehalten wurde – Panik, Angst, Schreie!

Daraufhin wechselte der junge Mann die Örtlichkeit: Er lief ins nahe Hotel, das sein Onkel betreibt. Die Eingangstür war zu, deswegen brach er übers Fenster ein. Sein Onkel bekam einen Macheten-Hieb ab, der ihn schwer verletzte. Der Schwiegersohn des Blutenden kam zu Hilfe, mit einen Feuerlöscher. Er sprühte eine Ladung Schaum auf den Angreifer, der dann tatsächlich von seinem Opfer abließ. Die beiden Männer konnten fliehen.

Inzwischen war die Oberstdorfer Polizei eingetroffen, sie nahm den 23-jährigen Neffen des Hoteliers vor dem Gebäude fest. Der junge Mann war nüchtern, er sollte gestern dem Haftrichter vorgeführt werden. Es steht der dringende Tatverdacht auf mehrere versuchte Tötungsdelikte im Raum.

Zum Zeitpunkt der Angriffe waren das Hotel mit 20 und die Herberge mit 60 Menschen gut belegt. Von dem Gewaltexzess bekamen viele Hotelgäste nichts mit. Anders in der Herberge, in dem sich der erste Angriff auf die Familie ereignet hatte: Der Kriseninterventionsdienst von Bergwacht, Rotem Kreuz und Notfallseelsorge betreute dort geschockte Jugendliche und junge Erwachsenen, die die Geschehnisse miterlebt hatten.

Über das Motiv des Angreifers lässt sich nur spekulieren. Laut Polizeisprecher Christian Owsinski sei es nicht geklärt. Der Tatort Spielmannsau liegt 7,5 Kilometer südlich von Oberstdorf am Ende des Trettachtals auf über 1000 Metern. Die Unterkünfte sind über eine Straße erreichbar, für die man eine Sondererlaubnis benötigt.

mc

Rubriklistenbild: © dpa

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