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Im Zickzack in Richtung Gipfel: Die Teilnehmer der Hauptalmbegehung beim Aufstieg im Almgebiet westlich der Hochries.

Der Wolf als Streitthema bei der Hauptalmbegehung

Almbauern: Pfiffe gegen CSU-Umweltministerin Ulrike Scharf

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Einmal im Jahr laden Bayerns Almbauern ein. Erst wird gewandert, dann politisiert. Umweltministerin Scharf erfährt dabei, wie es sich anfühlt, wenn ein Rudel zu knurren beginnt.

Samerberg – Reinhard Knöfler lehnt vor der verwitterten Holztür der Pölcheralm und unter seinem mächtigen weißen Bart versteckt sich ein Lächeln, das nur jemand haben kann, der seinen Frieden mit dem Leben gemacht hat. Gerade hat er ein Schnapserl mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner getrunken, jetzt erzählt er von seinem Alltag als Almerer auf 1321 Metern Höhe – mitten in einer grünen Idylle, schöner als jede Postkarte sie abbilden könnte.

„Das Leben auf der Alm macht zufrieden“, sagt Knöfler. Früher war der 61-Jährige Verkäufer im Außendienst. seit einigen Jahren hilft er immer wieder auf verschiedenen Almen mit. In diesem Jahr bleibt er zum ersten Mal bis zum Almabtrieb im Herbst. Ganz alleine, hoch oben in den Chiemgauer Alpen. „Mir geht nix ab. Am schönsten ist die Ruhe“, sagt er und die Bewegung in seinem Bart verrät, dass sein Lächeln immer breiter wird.

„Das Leben auf der Alm macht zufrieden“: Almerer Reinhard Knöfler, 61, auf seinem Bankerl vor der Pölcheralm.

Es sind Menschen wie Reinhard Knöfler, die die oberbayerischen Almbauern bei ihrer jährlichen Hauptalmbegehung vorstellen. Menschen, die den mitunter beschwerlichen Alltag auf der Alm auf sich nehmen – ohne dass sie damit großen Reichtum erwirtschaften können. Rund 1000 Teilnehmer hat es diesmal in das Samerberger Hochtal verschlagen, wo an insgesamt fünf Almen Rast gemacht wurde. Ziel des Almwirtschaftlichen Vereins ist es, den Interessierten nicht nur die Schönheit der Natur nahezubringen – für deren Pflege sich die Almbauern gerne rühmen – sondern auch darauf aufmerksam zu machen, wo gerade der Schuh drückt.

Und der Schuh drückt seit einiger Zeit ganz gewaltig. Denn seit sich in Bayern die Wolfsnachweise mehren, sorgen sich die Almbauern um ihre Tiere auf der Weide. Almbauern-Chef Georg Mair wiederholt seit Jahren mantrahaft die Botschaft: „Weidewirtschaft und Wolf, das passt nicht zusammen.“ Er würde Teile der Alpen am liebsten als wolfsfreie Zonen deklarieren. Unterstützung bekommt er bei der Almbegehung von mehreren Rednern. Vom Bauernverbands-Vize Günther Felßner, vom Landtagsabgeordneten Nikolaus Kraus (Freie Wähler) – und sogar die Grünen-Bundestagsabgeordnete Gisela Sengl lässt sich vor den hunderten Almbauern zu der Aussage hinreißen: „Im Zweifel für die Almwirtschaft.“

Den Buh-Rufen zum Trotz: Gute Laune bei den Ministerinnen Ulrike Scharf und Ilse Aigner (beide CSU).

Solche Zugeständnisse gab es von Umweltministerin Ulrike Scharf, die mittags zu der Wandertruppe stieß, nicht. Verpackt in viel Lob und einen Aufruf zur Zusammenarbeit, versteckte sie ihre Botschaft. „Mit der wolfsfreien Zone werden wir uns nicht einig werden.“ Prompt erfuhr die Umweltministerin, wie es sich anfühlen muss, wenn um einen herum ein Rudel zu knurren beginnt. Sie erntete laute Buhrufe und Unmutsbekundungen. Der Wolf und seine Freunde haben hier oben einen schweren Stand.

Die Laune ließ sich die Ministerin davon aber nicht verderben. Mit ihrer Kabinettskollegin und Almbegehungs-Dauergast Ilse Aigner begleitete sie die Wanderer zu den nächsten Alm-Stationen – und bekam während des Abstiegs im Wald von einigen Teilnehmern sogar noch einen Grundkurs im Jodeln.

Für wolfsfreie Zonen: Almbauern-Chef Georg Mair.

Auch wenn der Wolf das bestimmende Thema für die Almbauern ist – es war nicht der einzige Konflikt, den Georg Mair an diesem Tag ansprach. Er mahnte seine Almbauern eindringlich dazu, die mühsam gewonnenen Almflächen zu erhalten. „Da sind wir selbst gefordert.“ Viele der Flächen seien die letzten Rückzugsgebiete intakter Natur. Das sei nicht nur attraktiv für die Touristen, sondern sorge auch für eine hohe Akzeptanz der Almwirtschaft. „Das dürfen wir nicht einfach aufs Spiel setzen.“ Das werden auch die mitwandernden Naturschützer wohlwollend vernommen haben.

Als der Tross von der Pölcheralm weiterzieht, bleibt Reinhard Knöfler zurück. Am Abend wird er wieder allein sein. Und diese Ruhe finden, die ihm das Lächeln unter den Bart zaubert.

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