Ein Bub bestimmt gemeinsam mit einer Artenschützerin Wasserlebewesen an der Ammer.
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Kleine Entdecker konnten bei vielen Aktionen die Natur an den Flüssen erleben. Dieser Bub bestimmt ganz konzentriert Wasserlebewesen an der Ammer.

Großprojekt abgeschlossen

Naturschützer wollen Alpenflüsse erhalten - Kritik an Wasserkraft

  • Claudia Schuri
    vonClaudia Schuri
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Die Alpenflusslandschaften sind Heimat für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Inzwischen wurden viele Maßnahmen für ihren Schutz umgesetzt. Doch Naturschützer sind weiter besorgt – und sprechen sich gegen Wasserkraft aus.

  • Nach sechs Jahren ist das Projekt Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“
  • Ziel davon war, die Flusslandschaften an Lech, Ammer, Loisach und Isar zu schützen und den Lebensraum von vielen Tieren und Pflanzen zu bewahren.
  • Dazu wurden 68 Maßnahmen durchgeführt. Doch Naturschützer sind weiterhin besorgt: Sie kritisieren die Wasserkraft.

München – Lebensräume retten, um die Artenvielfalt zu erhalten: Das war das Ziel des Projekts „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“*. Zum Schutz der Flusslandschaften an Lech, Ammer, Loisach und Isar führten unter Federführung der Umweltorganisation WWF Deutschland 18 Institutionen sechs Jahre lang 68 Maßnahmen durch. Für die über 500 Aktivitäten stand ein Budget von rund 5,9 Millionen Euro zur Verfügung. „Wenn die Landschaft mit den offenen Kiesbänken nicht mehr existiert, dann existieren auch viele Arten nicht mehr“, erklärte Projektleiter Wolfgang Hug von WWF Deutschland.

Das Projektgebiet erstreckte sich von Norden nach Süden zwischen dem Ammersee und der Zugspitze und von Osten nach Westen zwischen Kempten und Bad Tölz. Es umfasst mehr als 3 200 Quadratkilometer, das sind rund fünf Prozent der Fläche Bayerns. Die Region ist geprägt von Alpenflusslandschaften, die zumindest in einigen Abschnitten noch ihren ursprünglichen Wildflusscharakter bewahrt haben – und seltene Tier- und Pflanzenarten beheimaten.

Umweltbildung und verschiedene Naturschutzmaßnahmen

Schwerpunkte des Projekts waren zum einen die Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung. Bei Schulungen und Ausflügen lernten 11 000 Kinder, Jugendliche und Erwachsenen die Lebensvielfalt an den Flüssen kennen. Zudem wurden rund 460 Multiplikatoren ausgebildet. „Wir haben Vertrauen geschaffen zwischen Menschen in unterschiedlichen Funktionen und mit unterschiedlichen Interessen und Wertvorstellungen“, sagte Hug.

Zum anderen fanden Naturschutzmaßnahmen statt. Einige Beispiele: An der unteren Ammer und den Schutzgebieten südlich des Ammersees entstanden neue Gewässerstrukturen, die dem Laubfrosch, Vögeln wie den Waldwasserläufer und Insekten wie der Sumpfheidelibelle und dem Östlichen Blaupfeil eine Heimat bieten. Auf flussbaulich gestörten Flächen entlang von Isar und Lech sollen Ziegen, Esel und Rinder den artenreichen Magerrasen und Wiesen erhalten. Die Naturschützer erfassten zudem Brutplätze des Flussuferläufers. Die vom Aussterben bedrohte Vogelart kommt an der Isar und der Ammer vor. „Ziel ist, die Besucherlenkung zu verbessern“, sagte Fabian Unger vom Landesbund für Vogelschutz. „Der hohe Besucherdruck an den Flüssen ist eine Bedrohung für den Bruterfolg.“

Neugestaltung der Litzauer Lechschleife

Neue Lebensräume für Vogel- und Insektenarten sowie Laichplätze für Fische* wurden durch eine Neugestaltung der Flussaue an der Litzauer Lechschleife im Landkreis Weilheim-Schongau geschaffen. 180 LKW-Ladungen Kies mussten dort eingebracht werden. „In den letzten 70 Jahren sind viele Kiesbänke verloren gegangen und stark verbuscht“, erklärte Harald Jungbold vom Verein Lebensraum Lechtal. Das sei ein natürlicher Prozess – der jedoch durch Wasserkraft verstärkt würde. Staustufen würden die Dynamik des Flusses unterbrechen. „Die Kiesbänke können sich nicht erneuern“, erläuterte Jungbold.

Rechnerisch gibt es in bayerischen Fließgewässern alle 500 Meter ein Querbauwerk. „Wir brauchen eine breite Diskussion darüber, was uns der Erhalt von Biodiversität wert ist im Verhältnis zur Nutzung von Wasserkraft zur Energieversorgung“, erklärte er. „Wasserkraft ist kein Ökostrom.“ Das müsse man auch bei der Zukunft des Walchenseekraftwerks* bedenken, so die Artenschützer. Die Konzession dafür läuft im Jahr 2030 aus.

Kritik an Wasserkraft

Gegen die Wasserkraft sprechen sich auch der Landesbund für Vogelschutz, der Bund Naturschutz, der Landesfischereiverband Bayern, WWF Deutschland und der Bayerische Kanu-Verband in einem gemeinsamen Positionspapier aus. Darin kritisieren sie die Bundestagsbeschlüsse zur Förderung der Energiegewinnung durch Wasserkraft. Künftig gilt für den Neubau oder die Modernisierung von Wasserkraftanlagen ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren. Zudem wird die Vergütung für Strom aus kleinen Anlagen mit einer Leistung von weniger als einem halben Megawatt erhöht. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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