Adrenalinkick auf 2119 Metern: Am roten Starthäuschen auf dem Gipfel des Wildseeloders in den Kitzbüheler Alpen machen sich die Freerider für ihren waghalsigen Ritt bereit. Fotos: Verleih

Ab 12. September im Kino

Die Alpen – unsere Berge von oben

München - Wie ein Vogel über die Berggipfel schweben. Das wär’s. Was man da alles sehen würde. Aber der Mensch ist zu ungeschickt, leider. Zum Glück gibt’s den neuen Film „Die Alpen – Unsere Berge von oben“.

Mistviecher, ’tschuldigung, aber wird man doch mal sagen dürfen. Da willst du einen bildgewaltigen, atemraubenden Kinofilm über die Alpen drehen, vom Helikopter aus und mit einer 500 000 Euro teuren Superspezialkamera, die die CIA entwickelt hat. Und dann fliegt dir andauernd eine Mücke auf die Kameralinse. Katastrophe. „Das ist uns bestimmt 100 Mal passiert“, sagt Regisseur Sebastian Lindemann, 34. Danach mussten sie jedes Mal auf die Schnelle einen Landeplatz suchen, landen, die hochauflösende, kreiselstabilisierte Superkamera putzen und wieder abheben. Ein gewaltiger Aufwand – nur wegen einer einzigen verfluchten Mücke. Sebastian Lindemann sagt: „Klar, Mücken sind winzig klein, aber auf einer 20-Meter-Leinwand ist die dann plötzlich zwei Meter groß.“ Geht gar nicht.

Der Dreh zu „Die Alpen – Unsere Berge von oben“, Kinostart 12. September, war sowieso das ultimative Abenteuer. Drei Monate waren sie kreuz und quer in den Alpen unterwegs. In Südtirol, in St. Bartholomä am Königssee, beim Schloss Neuschwanstein, bei den Sennern im Allgäu, über dem Mont Blanc, an der Stilfser-Joch-Passstraße, über den Dolomiten, am sagenhaften Aletschgletscher, über dem vergoldeten Gipfelkreuz des Cima Pisciadù auf 2985 Metern und an 1000 anderen magischen Flecken in den Alpen.

Einmal sind sie fast mit einem Rettungshubschrauber zusammengerauscht, der bei Liechtenstein plötzlich hinter einem Berg hervorkam. Der Alpenraum ist nicht luftüberwacht – gefährlich, gefährlich. Auch die Materiallifte und die Stromkabel sind auf keiner Karte dieser Welt eingezeichnet. Und es gab noch ein anderes gewaltiges Problem: das Wetter. Netto konnte das Filmteam grad mal drei Wochen vom Heli aus filmen. Immer wieder musste es im Hotel Däumchen drehen, bis sich Nebel oder Regen wieder verzogen hatten. Am Ende hatten die Regisseure Sebastian Lindemann und Peter Bardehle dennoch 55 Stunden Rohmaterial beisammen, aus denen sie nach monatelanger Fummelei ihren 94-minütigen, arg sehenswerten, Heimat-aus-der-Vogelperspektive-Dokumentarfilm gestrickt haben. Regisseur Lindemann sagt: „Wir wollten eine große Geschichte erzählen.“ Die Geschichte von Europas größtem und mythenreichstem Gebirge. Entstanden ist ein anekdotengespickter Rundflug, den man im Kinosessel absolvieren kann.

Man fliegt über den künstlich angelegten Reschenstausee in Südtirol, aus dem noch ein Kirchturm aus dem 14. Jahrhundert ragt. Ein verstörendes Bild. Der Kirchturm gehört zu einem Dörfchen, das sie Mitte des letzten Jahrhunderts geflutet haben. Die Bewohner wurden zur Umsiedlung gezwungen. Der Legende nach schlägt die Turmuhr noch immer. Als Erinnerung an das Leid, das der See inmitten der Alpen über die Menschen gebracht hat.

Man fliegt über die Gebirgsfront in den Südtiroler Dolomiten, wo im Ersten Weltkrieg 900 000 Italiener gegen 800 000 Österreicher kämpften, zeitweise bei minus 40 Grad. 150 000 Männer verloren hier ihr Leben. Manchmal ist es ein Rundflug der Extreme. Man fliegt zu halsbrecherischen Skifahrern, sogenannten Freeridern, die sich auf dem Gipfel des Wildseeloders in den Kitzbüheler Alpen für ihre tollkühnen Abfahrten jenseits jeder Piste bereit machen. „Es ist verrückt zu sehen, mit welcher Vehemenz die Menschen sich hier einnisten“, sagt Regisseur Lindemann. Man fliegt über Gletscher-Skigebiete, in denen die Wintersportler mit ihren bunten Leibchen plötzlich aussehen wie Ameisen auf der verzweifelten Suche nach dem Ameisenhaufen.

Diese Berge, sie ziehen die Menschen magisch an. Sie sind manchmal schroff und lebensfeindlich, gleichzeitig sind sie ewige Sehnsuchtsorte. „Die Alpen lösen eine Sucht aus“, sagt Lindemann, der eigentlich in Rostock an der Küste heimisch ist. „Ich brauche die Weite, das flache Land“, erzählt er. So habe er früher gedacht. Aber auch er ist dem Sog der Berge längst erlegen. „Diese Gipfel“, sagt er, „machen glücklich.“

Stimmt haargenau.

Stefan Sessler

Der Kinofilm

„Die Alpen – Unsere Berge von oben“ läuft am 12. September in Bayerns Kinos an.

Der Fotowettbewerb

Passend zum Kinofilm veranstalten wir einen Fotowettbewerb. Schicken Sie uns Ihr bestes Alpenfoto - alle Infos finden Sie hier!

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